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Fondsmanager Bert Flossbach : Der Goldjunge und seine Nebenwerte

  • -Aktualisiert am

Bert Flossbach von der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch Bild: Edgar Schoepal

Der Flossbach von Storch Multiple Opportunities ist einer der besten Investmentfonds in Deutschland. Fondsmanager Bert Flossbach will Sicherheit mit Aktienrisiko vereinen.

          Hätten die Menschen nicht schon längst Gold entdeckt, hätte es spätestens in der Finanzkrise erfunden werden müssen. Das dachten wohl viele auf dem Höhepunkt der Turbulenzen, die spätestens seit dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers vor gut fünf Jahren die Welt erschüttern. Gold verspricht Sicherheit und Schutz vor den Unbilden des Papiergelds, das die Zentralbanken der entwickelten Länder seitdem in ungeahnten Mengen auf die Finanzmärkte werfen.

          So hat es auch Bert Flossbach gehalten. Er hatte vor einigen Jahren in Köln mit Kurt von Storch die Vermögensverwaltung Flossbach von Storch gegründet. Seitdem hat er sich einen Namen als Fondsmanager mit dem Flossbach von Storch Multiple Opportunities gemacht. Dieser Fonds ist als eines der erfolgreichsten Anlagevehikel durch diese unruhigen Zeiten gegangen – vor allem auch dank des beherzten Kaufs von Gold. Zeitweise hielt Flossbach 15 Prozent des Fondsvermögens in Goldbarren. „Unsere Goldquote liegt aktuell bei etwas weniger als 10 Prozent“, sagt Flossbach.

          War Gold lange eine sichere Wette, ist der Preis im bisherigen Jahresverlauf um 27 Prozent gefallen. „Verspekuliert haben wir uns nicht, weil wir Gold nie gehalten haben, um auf Preissteigerungen zu spekulieren“, sagt Flossbach. „Gold ist für uns ein Schutz angesichts der Verwerfungen, die wir auf den Finanzmärkten sehen.“ Seit diesem Sommer habe er jedoch nicht mehr zugekauft. Weil der Multi Opportunities weiter Mittelzuflüsse verzeichne, sinke der Goldanteil leicht.

          „Die Dosis macht das Gift“

          3 Prozentpunkte habe der Preisverfall des Edelmetalls bisher den Fonds gekostet. „Ohne Gold hätten wir in diesem Jahr bisher einen Wertzuwachs von 14 Prozent“, rechnet Goldjunge Flossbach vor. So betrug das Plus des Fonds in diesem Jahr nur 11 Prozent. Nur? Mit diesem Wertzuwachs zählt der Multiple Opportunities zu den besten Investmentfonds in Deutschland, bei denen der Fondsmanager relativ frei entscheiden darf, ob er in Aktien, Anleihen oder andere Anlageinstrumente investieren will. „Das ist noch kein Beinbruch“, beschreibt Flossbach die Folgen der Goldbaisse für den Fonds.

          Ein hoher Wertzuwachs und Gold als Sicherheit – wie soll das zusammenpassen? Gold wirft keine Dividenden wie Aktien und keine Zinsen wie Anleihen ab. Muss der Fondsmanager dann nicht unverhältnismäßig riskante Aktienwetten eingehen, um mit den übrigen 90 Prozent seiner Mittel einen hohen Wertzuwachs zu erzielen?

          „Die Dosis macht das Gift, wie die Mediziner sagen“, entgegnet Flossbach. Nicht eine möglicherweise zu hohe Goldquote treibt ihn um. „Zurzeit müssen wir eher aufpassen, dass die Goldquote nicht zu weit absinkt.“ Denn in diesem Fall erfüllte sie nicht mehr die Absicherungsfunktion für sein Portfolio. „Der wesentliche Werttreiber für unser Portfolio sind Aktien“, pflichtet Flossbach bei und schränkt gleichzeitig ein: „Alles auf Aktien zu setzen wäre angesichts des unbekannten Terrains auf dem wir uns inzwischen an den Finanzmärkten befinden aber unklug.“ Solche Entscheidungen machen eben den Unterschied zwischen Fondsmanagern, die ganz auf Aktien oder Anleihen setzen, und jenen, die wie ein Vermögensverwalter es in der individuellen Geldanlage tut, so entscheiden, wie sie es für das Beste im Sinne des Anlegers halten. „Ein gewisser Goldanteil zum Schutz gegen Unwägbarkeiten macht also Sinn“, meint Flossbach.

          Investitionen vor allem in risikoärmeren Branchen

          Zurück zu den Aktien: Muss er bei dieser Vorgehensweise nicht unverhältnismäßig hohe Risiken eingehen? „Fakt ist, dass wir ein relativ risikoarmes Aktienportfolio haben“, verneint Flossbach und rechnet vor: Das Beta seines Paradefonds liege bei gerade einmal 0,7. Im Finanzjargon bedeutet dies: Wenn der Gesamtmarkt beispielsweise um 10 Prozent fällt, dann sinkt der Wert von Flossbachs Aktiendepot um 7 Prozent.

          Das ist Absicht: „Wir sind traditionell stärker in risikoärmeren Branchen investiert wie Pharma oder Konsumgütern des täglichen Bedarfs“, sagt Flossbach. „Selbst in der Technologie, die traditionell schwankungsanfällig ist, sind wir eher in stabilen Titeln wie Microsoft.“ Bankentitel oder Aktien von Versorgern, deren Kurse in den vergangenen Monaten stark geschwankt seien, hätte er überhaupt nicht gekauft.

          Allerdings finden sich im Depot auch relativ marktenge Aktien wie Freenet, TAG Immobilien, Bechtle oder Drillisch. Passen die zu einem 4,5 Milliarden Euro schweren Fonds? Auch dies weist Flossbach zurück: „Wir haben nur 5 Prozent des Fondsvermögens in Nebenwerten angelegt und dies, obwohl wir die Messlatte hierfür mit einer Marktkapitalisierung von 2 Milliarden Euro recht hoch ansetzen.“ Klar, früher hätte der Fonds mehr kleinere Titel gehabt. Das ginge mit der Größe des Fonds nicht mehr so. „Mehr als 90 Prozent unserer Aktienquote besteht aus großen Titeln, 60 Prozent haben einen Börsenwert von mehr als 50 Milliarden Euro“, sagt Flossbach. „Deshalb kann ich die Kritik nicht nachvollziehen.“

          Kleinere Aktien oder große Aktien, die wenig gehandelt werden, gelten als problematisch, weil der Fondsmanager sie kaum verkaufen kann, ohne sich den Kurs kaputt zu machen. Diese Sorge hält Flossbach für berechtigt. „Wir können nicht einfach den Schalter umlegen und alle Aktien aus dem Depot werfen.“ Deshalb plane er den Verkauf, aber genauso auch den Kauf, behutsam und setze dies Schritt für Schritt um. Auch meide er kurzfristige Positionen. „Wir investieren in eine Aktie nur, wenn wir wirklich von dem Unternehmen überzeugt sind und dauerhaft investiert sein wollen“, sagt Flossbach. „Da verfolgen wir einen Value-Ansatz ähnlich wie Warren Buffett.“

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