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Die Risiken steigen : Fondsgesellschaften ringen mit dem Brexit

Finanzplatz London - der Brexit macht vielen Fondsgesellschaften zu schaffen. Bild: dpa

Einige bekannte Fonds haben mit dem Brexit-Votum empfindlich an Wert verloren. Für Rentenfonds stellt sich jetzt die Frage, was sie mit britischen Staatsanleihen machen: Viele Fondsmanager finden die sogar sehr attraktiv.

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          So mancher Anleger mit Aktien- und Rentenfonds verfolgt sein Depot in diesen Tagen mit bangem Blick: Wie werden sich die Fondsmanager angesichts der Unsicherheit um die Folgen des Brexit-Votums in Großbritannien schlagen? Ein erster Blick auf eine kleine Übersicht bekannter und verbreiteter Fonds, die von der Fondsratingagentur Morningstar zusammengestellt wurde, verrät: Die kräftigen Kursverluste an den europäischen Börsen nach dem Brexit-Votum sind auch an den Fonds nicht spurlos vorübergegangen (siehe Grafik).

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wenn die Verluste auch nicht so schwer gewesen sind, dass sich die Fondsbesitzer jetzt Sorgen um ihr Vermögen machen müssten, so haben doch viele Fonds in der Brexit-Woche gelitten: vom Uniglobal der Volksbanken-Fondsgesellschaft Union Investment bis hin zu DWS-Fonds wie dem Top Europe oder auch dem Investissement A von Carmignac. Der Brexit hat offenkundig auch die Fondsmanager auf dem falschen Fuß erwischt – jetzt zeigt sich, wer sein Portfolio so gut diversifiziert hatte, dass er die Indexverluste zumindest ein wenig abfedern konnte.

          Spannend ist zudem, wie sich jetzt die Fondsmanger von Rentenfonds verhalten, was die britischen Staatsanleihen, „Gilts“ genannt, angeht. Schon unmittelbar nach der Brexit-Abstimmung waren die Kurse gestiegen und die Renditen gesunken. Nach einer Rede des britischen Notenbank-Gouverneurs Mark Carney am Donnerstag erreichten die Renditen neue Tiefstände. Kurzfristig ließen sich damit erhebliche Kursgewinne realisieren. Aber sind Gilts jetzt immer noch attraktiv? Oder zu riskant?

          „Wir glauben, dass britische Staatsanleihen im Moment attraktiv sind“, sagt David Zahn, Leiter des Bereichs Festverzinsliche bei der Fondsgesellschaft Franklin Templeton. „Die britische Wirtschaft wird wegen des Brexits beim Wachstum etwas leiden – deshalb rechnen wir damit, dass die britische Geldpolitik sehr locker sein wird.“ Möglicherweise komme eine Leitzinssenkung, aber wahrscheinlich wichtiger noch seien andere Instrumente der „quantitativen Lockerung“ (QE) einschließlich Anleihekäufen.

          Briten, die heimische Staatsanleihen kaufen, könnten somit darauf wetten, dass die Geldpolitik die Renditen weiter sinken und die Kurse weiter steigen lassen wird. Sei es, weil die Notenbank selbst Anleihen kauft. Sei es, weil die Erwartung sinkender Leitzinsen sich auch auf die Renditen der Staatsanleihen auswirken könnte. Sei es, weil wegen der Unsicherheit weiter viel Geld von Anlegern aus risikobehafteten in weniger risikobehaftete Anlagen umgeschichtet wird – und Staatsanleihen trotz allem noch zu letzteren gezählt werden. Für ausländische Investoren kommt zu dem Kursrisiko bei britischen Anleihen ein Währungsrisiko hinzu:

          Bei britischen Anleihen kommt nun das Währungsrisiko hinzu

          Wenn das Pfund weiter verlieren sollte, könnten Währungsverluste die Kursgewinne aufzehren. „Wir glauben, dass die wichtigsten Käufer britischer Staatsanleihen im Augenblick britische Investoren sind“, sagt Mike Amey, Portfoliomanager beim großen Anleiheninvestor Pimco. „Die Investoren reagieren entweder auf die Erwartung einer lockeren Geldpolitik oder suchen nach einem Ausgleich für die höheren Schwankungen in anderen Teilen ihres Portfolios.“ Pimco wundere sich nicht, dass die Renditen nach dem Brexit-Votum gesunken seien: Man werde jetzt monatelang warten müssen, bevor es mehr Klarheit über das Ausmaß des Abschwungs in Großbritannien gebe. In dieser Zeit werde die Unsicherheit den Kursen der Gilts nutzen.

          „Kurzfristig positiv“ für britische Staatsanleihen ist auch die Deutschen Asset Management, wie Marktexperte Stephen Lee sagt. Auch bei der Deka, der Fondsgesellschaft der Sparkassen, ist man für Gilts optimistisch. „Wir gehen davon aus, dass die Bank von England über den Sommer die Zinsen auf null Prozent senken wird“, sagt Portfoliomanager Gerald Goedel. Außerdem halte er eine Ausweitung von QE bis zum Herbst für wahrscheinlich. Bislang preise der Markt noch nicht zwei Leitzinssenkungen ein, so dass die Deka weiteres Potential sehe. „Zehnjährige Gilts könnten bis zum Sommer von aktuell 0,84 auf rund 0,6 Prozent fallen“, meint Goedel.

          Vor allem heimische, aber auch ausländische Investoren kauften die Anleihen. Seit Jahresanfang habe sich die Kreditausfallversicherung (CDS) für fünf Jahre auf Großbritannien von rund 20 auf 38 Basispunkte erhöht. Nach dem Referendum seien es in der Spitze fast 50 Basispunkte gewesen – im Vergleich dazu handele Deutschland bei unter 20: „Wir sehen leicht gestiegene Ausfallrisiken nach dem Referendum. Wir gehen jedoch davon aus, dass der zukünftig erhöhte Refinanzierungsbedarf Großbritanniens durch heimische Investoren sowie das neue QE-Programm der Bank von England gedeckt werden kann.“

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