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Fondsgeschäft : Deutschen Fonds bricht Neugeschäft weg

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Bild: F.A.Z.

Die deutschen Anbieter von Investmentfonds haben im vergangenen Jahr branchenweit einen empfindlichen Absatzeinbruch hinnehmen müssen. Der Absatz im Jahr 2004 war höchstens ein Drittel des Vorjahreswerts.

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          Die deutschen Anbieter von Investmentfonds haben im vergangenen Jahr branchenweit einen empfindlichen Absatzeinbruch hinnehmen müssen. Darauf deuten Signale aus den Fondsgesellschaften im Vorfeld der Veröffentlichung der offiziellen Jahresstatistik hin, die für diesen Donnerstag vorgesehen ist. Der deutschen Fondsbranche ist es nach diesen Angaben auch im letzten Monat des Jahres 2004 nicht gelungen, den negativen Absatztrend der Vormonate zu brechen. Damit hat sich das Neugeschäft mit Publikumsfonds im Vergleich zum Vorjahr mindestens gedrittelt.

          Vor allem Milliardenabflüsse aus den Geldmarktfonds des Marktführers DWS haben die Absatzstatistik der Gesamtbranche im Dezember noch einmal zusätzlich unter Druck gesetzt. Zwar beobachtet die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank zum Jahresende regelmäßig einen solchen Effekt. Allerdings wird diesmal die Größenordnung als ungewöhnlich bezeichnet, weil nicht nur institutionelle Anleger umgeschichtet, sondern auch zahlreiche Privatanleger wegen der sogenannten Zwischengewinnregel kurz vor den Ausschüttungsterminen ihr Geld abzogen hätten, um Steuern zu sparen.

          Wettbewerb zwischen den Anlageformen auf Augenhöhe

          Da die DWS in den ersten elf Monaten des Jahres knapp die Hälfte zum branchenweiten Nettomittelaufkommen beitrug, sind die Auswirkungen des Geschehens im Dezember auf das Gesamtbild der Branche nicht zu unterschätzen. Schon per Ende November betrug das Neugeschäft mit einem Volumen von 11,3 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (33,1 Milliarden Euro) nur gut ein Drittel.

          Der enttäuschende Verlauf des vergangenen Jahres ist aus Sicht der Branche allerdings nur eine Momentaufnahme. "Die Welt ist seit dem ersten Januar eine andere", versucht etwa der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes BVI, Stefan Seip, den Einbruch im Neugeschäft zu relativieren. Er spielt damit auf die Einführung des Alterseinkünftegesetzes zum Jahreswechsel an. Dieses sieht eine Neugestaltung der privaten Altersvorsorge vor. Weil im Zuge des Gesetzes die Erträge aus kapitalbildenden Lebensversicherungen nicht mehr steuerfrei sind, ist erstmals ein Wettbewerb zwischen den Anlageformen auf Augenhöhe möglich. "Das hochprovisionierte Standardprodukt ist weg", sagt der BVI-Hauptgeschäftsführer. Mit Blick auf Sicherheit, Flexibilität, Kostentransparenz und Effizienz sei der Investmentfonds in der Summe den anderen Anlageformen zum ersten Male überlegen. Deshalb formuliert Seip trotz der Enttäuschungen des vergangenen Jahres ein ehrgeiziges Ziel: "25 Prozent der deutschen Haushalte besitzen derzeit Fondsanteile, daraus müssen langfristig 50 Prozent werden."

          Konkurrenz aus verschiedenen Richtungen nimmt zu

          Als Grund für den rückläufigen Absatz von Fondsanteilen führen die Fondsanbieter regelmäßig die zunehmende Konkurrenz durch Anlagezertifikate an. Dieser Wettbewerb ist um so lästiger, als er zumeist innerhalb der eigenen Konzernverbünde stattfindet, so daß sich eine lautstarke Gegenwehr verbietet. Zudem sind mit Blick auf die Geldmarktfonds attraktive Tagesgeldangebote mit einer Verzinsung über zwei Prozent zu einer Alternative als Liquiditätsparkplatz geworden. Als weitere Belastungsfaktoren werden darüber hinaus oft das jüngste Schlußgeschäft der Lebensversicherer vor dem Wegfall ihres Steuerprivilegs und die zunehmende Attraktivität von Beteiligungsmodellen wie Schiffsfonds oder steueroptimierten Immobilienfonds genannt.

          Inzwischen bekommen auch ausländische Fondsanbieter zunehmend Boden unter den Füßen und machen ihren deutschen Konkurrenten auf deren Heimatmarkt das Leben schwer. Einen zusätzlichen Schub verzeichneten sie im vergangenen Jahr nicht zuletzt durch die weitere Öffnung großer Filialbanken wie Deutsche Bank und Commerzbank sowie von Genossenschaftsbanken und Sparkassen, die neben den hauseigenen Fonds auch mehr Fremdfonds verkauften ("Open Architecture"). Der Absatz über deutsche Versicherer sei ebenfalls deutlich höher als in den Vorjahren ausgefallen und habe 2004 ein Viertel zum gesamten Neugeschäft beigetragen, sagt Reinhard Berben, Geschäftsführer von Franklin-Templeton, dem größten ausländischen Anbieter auf dem deutschen Markt. Nach vorläufigen Zahlen sammelte allein seine Gesellschaft zusätzliches Geld in Höhe von 2,3 Milliarden Euro bei den Anlegern ein.

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