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Fondsbilanz 2007 : Im Schnitt ein mageres Jahr

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2007 war mit einem durchschnittlichen Wertzuwachs von 1,4 Prozent eher ein mageres Jahr für Investmentfonds. Doch mit China, Indien, Sonne und einigen anderen Ideen ließ sich auch 2007 gutes Geld verdienen, ergibt die Bilanz des Branchendienstes e-fundresearch.com.

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          Bilanz gezogen hat der österreichische Informationsdienstleister für die Fondsbranchen e-fundresearch.com. Das Ergebnis: 2007 war ein durchwachsenes Jahr. Subprime- und Kreditkrise drückten auf die Stimmung und damit auch auf die Renditen. Nur knapp 53 Prozent aller 10.163 im deutschsprachigen Raum zugelassenen Fonds liegen auf Jahressicht im Plus und im Schnitt haben Fondsanleger 2007 magere 1,4 Prozent gewonnen. Im Vergleich mit den vergangenen Jahren eine magere Ausbeute, konnten die Anleger sich 2005 doch im Schnitt über ein Plus von 18,4 Prozent und im Jahr darauf immerhin noch von 6,1 Prozent freuen.

          Dennoch waren 2007 auch Renditen von bis zu 65,8 Prozent möglich, dem eingetrübten Kapitalmarktumfeld zum Trotz, in dem der Volatilitätsindex der Börse Chicago um 75,6 Prozent anstieg und der MSCI World Index 1,2 Prozent verlor.

          Das Zauberwort hieß „Chindia“

          Die Gewinne inmitten der Verluste in den Vereinigten Staaten und Europa brachten die Börsen der Schwellenländer. Vor allem in China und Indien konnten Fondsanleger hohe Renditen erzielen. Die 66 Chinafonds erzielten im Schnitt eine Performance von 36,4 Prozent. Noch besser schlugen sich die 28 Indien-Fonds. Im Schnitt waren dort 51,3 Prozent zu holen. Insgesamt sind unter den Top 30 Fonds zwölf Indien- und fünf China-Fonds.

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          Auch der beste Fonds 2007, der CAAM Funds India der Crédit Agricole, investiert in Indien. Fondsmanager Ray Jovanovich zeichnet auch für den Meinl India Growth verantwortlich, der gleichfalls zu den besten Fonds gehörte. Für Jovanovich steht Indien zu Unrecht im Schatten von China. „Wenn internationale Investoren sich für Indien nur ein Viertel der Zeit nehmen würden, die sie aufwenden, um China zu analysieren, dann wären sie erstaunt, wie viele Möglichkeiten es in Indien gibt.“, sagte er e-fundresearch.com.

          Während Indien vor allem im IT-Sektor und in anderen Dienstleistungsbranchen besonders stark wächst, ist Jovanovich vor allem für die Industrie optimistisch: „Wir sehen das wahre Potential Indiens im Industriesektor. Die Produktion dort ist auf Höchstständen, die man die letzten Jahrzehnte nicht gesehen hat.“

          Doch nicht alle Fondsmanager teilen den Optimismus. Sanjiv Duggal, Manager des Spitzenfonds HSBC GIF Indian Equity AD, sieht besonders die hohen Bewertungen als Risiko. „Für 2008 sind wir negativ eingestellt und erwarten keine positiven Erträge an der indischen Börse.“

          Und immer wieder China

          Fondsmanagern gelingt es eher selten, besser abzuschneiden als der Markt - besonders dann, wenn dieser so außergewöhnlich gut läuft wie in China. Immerhin kletterte der MSCI China trotz Talfahrt in den letzten beiden Monaten des Jahres um 60,6 Prozent. Dennoch konnten einige Fondsmanager dieses Ergebnis noch übertreffen. So etwa Laura Luo, Fondsmanagerin des insgesamt zweitbesten Fonds 2007, des Schroder ISF China Opportunities.

          Dennoch gibt sie sich zurückhaltend. Der chinesische Markt sei „gefährdet für Gewinnmitnahmen, angesichts der Bewertungen“, sagt sie und hat sich daher auch defensiv positioniert. „Wir setzen auf Sektoren wie den Konsum und die Infrastruktur, die auch bei einer schwächeren Weltkonjunktur von den starken heimischen Wachstumstreibern in China profitieren werden.“

          Neue Energie und Infrastruktur

          Auch einige Investmentthemen konnten sich ganz vorne plazieren. Auf die Infrastruktur setzt auch Maggie Lee mit ihrem Invesco Asia Infrastructure. Der Fonds erzielte 2007 mit dem Investment in asiatische Infrastrukturunternehmen einen Ertrag von 57,2 Prozent. Ein Ende dieses Trends sei nicht in Sicht: „Die meisten asiatischen Regierungen sind sehr engagiert bei ihren Infrastrukturinvestments. China hat im elften Fünf-Jahres-Plan bis 2010 ein Investment von 1,1 Billionen Dollar angekündigt, Indien möchte bis 2012 mehr als 300 Milliarden Dollar in die Infrastruktur investieren.“

          Wie sollte es anders sein, fanden sich auch die erneuerbaren Energien mit ganz vorne. So stiegen etwa der OHRA New Energy Fonds und der SAM Smart Energy in die Top-Fonds 2007 auf. Ersterer ist indes in Deutschland eher schwer erhältlich.

          Die Impulse für den Fonds kamen 2007 besonders von Solarwerten - aber nicht zuletzt auch von der politischen Debatte um und Maßnahmen gegen den Klimawandel. Das meint auch Bozena Jankowska, Fondsmanagerin des gut gelaufenen Allianz-dit Global EcoTrends. Die Chancen bei alternativen Energien seien hoch, da „die Themen Klimawandel, Energiesicherheit und Diversifikation, ebenso wie der steigende Ölpreis, sowohl Regierungen wie auch Investoren beschäftigen.“

          Die Verlierer

          Die Verlierer des Jahres 2007 sind alte Bekannte, schreibt e-fundresearch.com. Nicht weil sie so konsequent schlecht abschneiden, sondern weil die Fonds noch im vergangenen Jahr zu den Top-Performern gehörten. Immerhin 15 der schlechtesten 25 Fonds waren europäische Immobilienaktienfonds. Mit ihnen verloren Anleger zwischen 9,8 und 40,3 Prozent. 2006 gehörten sie mit einem Plus von bis zu 56,7 Prozent zu den besten Fonds. Für Anleger, die zu spät auf den Immobilienaktien-Boom in Europa aufgesprungen sind, waren die Verluste daher außerordentlich hoch.

          Auch japanische Aktien, insbesondere die Nebenwerte, drückten 2007 so manches Portfolio ins Minus. Bis zu 33,9 Prozent Verlust waren dabei möglich. Grund dafür war neben dem schwachen Yen auch die nicht in Fahrt kommende japanische Wirtschaft.

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