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Vorsorge abseits des Sparkontos : Orientierungspunkte für die Kapitalanlage

An Aktien trauen sich die wenigsten Deutschen heran. Bild: dpa

Die Vermögensbildung in Deutschland leidet unter der Geringschätzung der Aktie. Viele Menschen in Deutschland scheuen die intensive Beschäftigung mit ihr. Das ist erstaunlich.

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          Eine langfristig ausgerichtete Kapitalanlage ist gerade in einer Zeit hoher Unsicherheit unabdingbar. Umfragen belegen allerdings, dass in Deutschland viele Menschen die intensive Beschäftigung mit der Anlage ihrer Ersparnisse scheuen. Stattdessen lassen sie einen erheblichen Teil ihres Geldvermögens auf Bankkonten ruhen, deren aktuelle Verzinsung noch unter der Inflationsrate liegt. Die nach dem Bankkonto beliebteste Anlageform, die kapitalgedeckte Lebensversicherung, leidet unter den niedrigen Zinsen, da sie einen bedeutenden Teil ihrer Anlagen in Anleihen investiert.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Mit der Anlage auf Bankkonten erleiden viele Sparer einen realen Vermögensverlust, der kurzfristig wenig schmerzen mag, aber auf lange Sicht zu unbefriedigenden Anlageergebnissen führt, die beispielsweise in der Altersvorsorge empfindliche Lücken hinterlassen. Die unter Renditedruck befindliche kapitalgedeckte Lebensversicherung erscheint als einzige Alternative zum Bankkonto nicht ausreichend.

          Trotz aller Prognosen: die Zukunft bleibt ungewiss

          Das goldene Prinzip der langfristigen Kapitalbildung ist die Streuung der Ersparnisse auf unterschiedliche Anlageformen, wobei die konkrete Aufteilung wesentlich von den finanziellen Möglichkeiten des Anlegers abhängt sowie von seiner Bereitschaft, Risiken einzugehen. Zur langfristigen Kapitalanlage gehört der Erwerb von Wertpapieren, vor dem viele Anleger aus Furcht vor Kursverlusten allerdings zurückschrecken.

          Kursverluste lassen sich an Finanzmärkten nicht ausschließen, und die Zukunft bleibt trotz aller Prognosen ungewiss, aber eine wohlerwogene Kombination aus unterschiedlichen Anlageformen unter Einbeziehung von Wertpapieren bietet dem Anleger bessere Aussichten auf eine vernünftige Kombination von Chancen und Risiken als eine Geldanlage vorwiegend auf Bankkonten in Zeiten historisch niedriger Zinssätze.

          Beiträge zu einzelnen Anlageformen wie zur Kombination verschiedener Anlagen im Rahmen einer langfristigen Kapitalanlage gehören seit jeher zum Redaktionsprogramm des Finanzmarkts dieser Zeitung. Der Blick auf die Finanzmärkte erfährt nunmehr eine Schärfung und eine Erweiterung. So erhält von dieser Ausgabe an der wöchentlich erscheinende Fondsbericht eine neue Ausrichtung.

          In den vergangenen Jahren beruhte der regelmäßige Bericht über Investmentfonds auf einer Zusammenfassung von Fonds in Kategorien, für die das erwartete Risiko eine wesentliche Rolle spielte. Die 2007 ausgebrochene Finanzkrise lehrt jedoch, dass ein Fonds, der in der Vergangenheit durch ein geringeres Risiko, branchenüblich gemessen an der Schwankungsbreite seines Preises, gekennzeichnet war, innerhalb kurzer Zeit ein sehr hohes Risiko beinhalten kann. Gleichzeitig wachsen in der Kapitalmarktbranche die Zweifel, ob die gewöhnlich verwendete Schwankungsbreite der Preise überhaupt ein geeignetes Maß für das Risiko einer Anlage darstellt.

          Rohstoffe taugen für kurzfristige Spekulationen

          Künftig werden die Fonds in der wöchentlichen Berichterstattung nach ihren Anlageschwerpunkten zusammengefasst; in der aktuellen Ausgabe stehen Aktienfonds im Mittelpunkt, die überwiegend auf den europäischen Märkten anlegen. Neben einer Tabelle, die einen Überblick über die Anlageergebnisse verschiedener Fonds bietet, sollen im Text stärker als früher Anlagestrategien einzelner Fonds Beachtung finden.

          Zur Ergänzung des Angebots erscheint im Finanzmarkt einmal monatlich ein Beitrag aus dem in München ansässigen Institut für Vermögensaufbau, der sich mit der Eignung verbreiteter Finanzprodukte für die kurz- und langfristige Kapitalanlage befasst. Die Ermittlung der Chance-Risiko-Profile der einzelnen Anlagen beruht nicht auf der Untersuchung von Vergangenheitswerten, die dann in die Zukunft fortgeschrieben werden, sondern auf der Anwendung moderner finanzmathematischer Verfahren. In den bisherigen Beiträgen erwiesen sich international ausgerichtete Aktienfonds als eine geeignete Form der langfristigen Kapitalanlage, während Rohstoffe für kurzfristige Spekulationen taugen mögen, aber wegen der hohen Kosten als langfristige Anlageform wenig taugen.

          Heimstatt für einen Teil der Ersparnisse

          Seit Jahrzehnten leidet die Vermögensbildung in Deutschland vor allem unter einer Geringschätzung der Aktie beziehungsweise des Aktienfonds. Dies ist erstaunlich, weil Aktien Eigentum an Unternehmen verbriefen und Deutschland besonders reich ist an erfolgreichen Unternehmen, von denen sich viele auch in der aktuellen Krise sehr gut bewähren. Die Aktie gilt in Deutschland traditionell nur als eine Anlageform für sehr vermögende Menschen. Schlechte Erfahrungen mit der Plazierung sogenannter Volksaktien wie der Deutschen Telekom haben viele Privatanleger der Börse entfernt.

          Der Verzicht auf die Beteiligung am Produktivkapital gehört gerade in Zeiten niedriger Zinsen zu den großen Versäumnissen in der langfristigen Kapitalanlage. Natürlich können Aktienkurse auch fallen. Aber in einer unsicheren Welt sollten erfolgreiche Unternehmen mit guten Produkten und Geschäftsmodellen einem Teil der Ersparnisse eine Heimstatt bieten.

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