https://www.faz.net/-gvf-11fe2

Fondsmarkt : Viele große Euro-Rentenfonds fallen zurück

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Wertentwicklung von Rentenfonds, die schwerpunktmäßig in Euro-Anleihen investieren, geht in diesen Tagen so weit auseinander wie selten zuvor. Preisverzerrungen jenseits sicherer Staatsanleihen setzen Portfoliokonstrukteuren zu.

          3 Min.

          Die Wertentwicklung von Rentenfonds, die schwerpunktmäßig in Euro-Anleihen investieren, geht in diesen Tagen so weit auseinander wie selten zuvor. Einigen Fondsmanagern gelingt es, mit ihrem Portfolio dem jüngsten, ungewöhnlich starken Kursanstieg sicherer Staatsanleihen zu folgen. Dazu gehört etwa der unter Commerzbank-Kunden weit verbreitete Cominvest Adirenta, der über die vergangenen zwölf Monate um 7 Prozent zulegte und damit dem Marktbarometer Rex Performance Index für deutsche Staatsanleihen mit einem Plus von 8 Prozent auf den Fersen blieb.

          Die meisten großen Euro-Rentenfonds deutscher Anbieter können jedoch bei dieser Aufwärtsbewegung nicht Schritt halten und fallen zurück. Im schlimmsten Fall weisen einige Fonds sogar weiter Verluste aus. So liegt beispielsweise einer der bekanntesten Rentenfonds hierzulande, der Allianz Pimco Euro Bond Total Return, trotz der jüngsten Verteuerung sicherer Staatsanleihen über die vergangenen zwölf Monate mit 4,5 Prozent im Minus.

          Beimischung in Anleiheportfolios wird zu einer entscheidenden Größe

          „Die Beimischung in Anleiheportfolios wird zu einer entscheidenden Größe“, begründet Ulrich Katz, Rentenfondsmanager bei Allianz Global Investors, die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Euro-Rentenfonds. Je weiter man sich derzeit von Staatsanleihen entferne, umso negativer wirke sich dies auf die Wertentwicklung aus. In einer Kette reiht er dabei sichere Pfandbriefe, dann Unternehmensanleihen, verbriefte Forderungen und schließlich amerikanische Hypothekenkredite am anderen Ende des Risikospektrums eines Rentenfondsmanagers aneinander.

          Tatsächlich sind außerhalb des Marktsegments der sicheren Staatsanleihen wegen einer unzureichenden Liquiditätsausstattung immer noch extreme Verzerrungen bei der Preisfindung von Zinstiteln zu beobachten. So wurde beispielsweise der Fondsmanager des DWS Inrenta in den vergangenen Wochen mit seiner hohen Gewichtung von Genussscheinen völlig auf dem falschen Fuß erwischt (siehe Grafik). Dieser Markt ist derzeit komplett ausgetrocknet. Selbst Titel mit bester Bonität werden mit starkem Abschlag gehandelt.

          Umgekehrt hatte sich Cominvest-Fondsmanager Kornel Schweers mit dem Adirenta frühzeitig nahezu komplett auf Staatstitel fokussiert. "Schon im vergangenen Jahr hatten wir die Krise als solche erkannt und die Risikopositionen im Portfolio deutlich abgebaut", blickt er zurück. Die jüngste Marktbewegung werde seiner Ansicht nach nicht abbrechen. Deflation bleibe für die nächsten Monate ein Thema, was die Marktzinsen niedrig halten und damit die Kurse stützen sollte. Einen Mehrwert versucht Schweers mit Schuldtiteln von Emittenten zu erwirtschaften, die aus dem staatsnahen Umfeld kommen und dafür einen kleinen Zinsaufschlag über Bundesanleihen liefern. Als Beispiele nennt er die KfW-Bankengruppe oder Anleihen von Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, die gut gelaufen seien.

          Suche nach Renditequellen jenseits von sicheren Bundesanleihen

          Die Suche nach anderen Renditequellen jenseits von sicheren Bundesanleihen ist für aktive Fondsmanager angesichts des Wettbewerbsumfelds notwendig. Sie müssen ihren Anlegern einen Zuschlag gegenüber dem direkten Kauf einer Bundesanleihe bieten - ansonsten ist ein Depot mit Bundeswertpapieren bei der Finanzagentur des Bundes attraktiver. Angesichts des üblichen Ausgabeaufschlags für Rentenfonds von bis zu 3 Prozent und einer jährlichen Verwaltungsvergütung von bis zu einem Prozent ist das ein durchaus anspruchsvolles Ziel.

          Auch der Konkurrenzdruck durch die börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) mit einer Ausrichtung auf Staatsanleihen nimmt stetig zu. Diese Geldanlageprodukte, die passiv die Wertentwicklung von Rentenmarktindizes nachvollziehen, haben einen natürlichen Vorsprung durch ihre wesentlich niedrigere Gebührenbelastung. Während ein aktiver Fondsmanager über das Jahr erst einmal ein Prozent erwirtschaften muss, bevor bei seinem Anleger überhaupt etwas ankommt, sind es bei einem Renten-ETF im Normalfall nur 0,15 Prozent. Der Indexfonds I-Shares eb.rexx Government Germany, in dessen Portfolio sich die liquidesten 25 deutschen Staatsanleihen finden, legte über die vergangenen zwölf Monate um rund 8 Prozent zu.

          Hinzu kommt, dass böse Überraschungen für den Anleger durch illiquide Beimischungen bei Renten-ETFs ausgeschlossen sind - die Index-Zusammensetzung liegt offen zutage. Das Wachstum dieser Anlageform verlief zuletzt rasant. Nach einer Aufstellung des Marktführers Barclays Global Investors hat das verwaltete Vermögen in Renten-ETFs in den ersten zehn Monaten dieses Jahres um 35 Prozent auf 76 Milliarden Dollar zugenommen; in Europa waren es sogar 63 Prozent auf 34 Milliarden Dollar.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Boris Johnson am Dienstag in London

          Brexit-Gespräche : Zollgrenze in der Irischen See?

          Zum Start der Brexit-Verhandlungen in Brüssel am Mittwoch gibt es Gerüchte, London habe Zugeständnisse gemacht. Die Idee stößt in Großbritannien jedoch schon auf Kritik.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.