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Fondsbericht : Stimmung bei Rentenfonds trübt sich ein

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Eine leidige Debatte belastet die Nachhaltigkeitsbranche: der Verdacht, dass dieser Investmentstil eine geringere Rendite abwirft. Doch in Abwärtsphasen geht der Anleger mit Nachhaltigkeitsprodukten ein geringeres Risiko ein.

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          Die Stimmung bei Rentenfonds hat sich zuletzt eingetrübt. Zwar weist unsere jüngste Rangliste der besten Rentenfonds mit geringem Verlustrisiko ansehnliche Renditen auf drei Jahre aus. Doch auf Sicht der vergangenen sechs Monate ist es nur drei Fonds gelungen, das Vermögen ihrer Anleger zu mehren. Unser Spitzenreiter, ein Unternehmensanleihenfonds von Schroder, kommt in den vergangenen sechs Monaten auf ein kleines Plus von 0,3 Prozent. Und Julius Bär hat mit dem Absolute Return Plus Euro B bewiesen, dass Absolute-Return-Ansätze auch in Abwärtsphasen des Marktes halten. Mit einem Plus von 2,4 Prozent liegt er auf die vergangenen sechs Monate gesehen vorne.

          Gut geschlagen hat sich auch der Superior Ethik Renten mit einem Plus von 0,7 Prozent. Den Fonds mit einem Volumen von gut 120 Millionen Euro verwaltet das Bankhaus Schelhammer & Schattera in Wien. Dies ist eine kleine Privatbank, die sich im Besitz verschiedener Institutionen befindet, die der katholischen Kirche in Österreich gehören.

          Ethische Kriterien neben marktgerechter Rendite

          Die Produktfamilie der Superior-Ethik-Fonds soll neben einer marktgerechten Rendite ethische Kriterien berücksichtigen. Das Thema Nachhaltigkeit hält somit auch beim Management von Anleihen Einzug, gerade auch unter dem Eindruck der Schuldenkrise in Griechenland, wo ja die Regierung die Staatsfinanzen nicht gerade nachhaltig verwaltet hat.

          Allerdings steht die Bewertung von Staatsanleihen unter Nachhaltigkeitsaspekten erst am Anfang. Schelhammer & Schattera verwendet für den Superior Ethik Renten die Länderratings von Oekom Research. Das Münchener Nachhaltigkeitsinstitut versucht, Länder nach einem ähnlichen Verfahren zu analysieren wie Unternehmen: So werden Länder nach sechs sozialen und ökologischen Bereichen bewertet. Im Sozial-Rating untersuchen die Analysten Institutionen und Politik, Sozialbedingungen und Infrastruktur, im Umwelt-Rating Institutionen und Politik nach ökologischen Kriterien, Umweltbestand und Umweltbelastungen.

          So hebt Oekom Research beispielsweise beim Länderrating für Deutschland negativ hervor, dass der Anteil der Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben gering ist und dass auch der Anteil der Mittel für Entwicklungshilfe am Bruttoinlandsprodukt niedrig ist. Beim Umwelt-Rating kritisiert Oekom, dass der Anteil von Wäldern, die der Natur überlassen werden, in Deutschland zu gering sei.

          Deutschland auf Rang 5

          Dass in Deutschland zudem Atomkraftwerke betrieben werden dürfen, berücksichtigt Oekom in den Ausschlusskriterien, die dazu führen, dass ein Investor möglicherweise von vornherein Bundesanleihen ausschließt, weil auch die friedliche Nutzung von Atomkraft seinen Anlagerichtlinien widerspricht. Insgesamt erhält Deutschland bei Oekom das Nachhaltigkeitsrating „B+“, womit das Land auf Rang 5 von 51 liegt. Das Sozialrating liegt bei „A“, das Umweltrating bei „B–“.

          Nachhaltigkeit ist in der Fondsbranche noch weitgehend ein Thema für Aktienfonds. Doch es gibt einige Rentenfonds, die das Nachhaltigkeitsrating von Oekom beziehen, so der LBBW Nachhaltigkeit Renten, der S-Ethik Bond, der SEB Invest Öko Rent, der Kepler Ethik Rentenfonds oder der Espa Vinis Bond. Andere Vermögensverwalter kaufen Nachhaltigkeitsanalysen von anderen Ratingagenturen.

          Der Superior Ethik Renten ist nicht der einzige Nachhaltigkeitsfonds in unserer Rangliste. Die deutsche Kirchenbank KCD findet sich mit dem KCD-Union Nachhaltig Renten ebenfalls unter den besten 30 Produkten dieser Anlageklasse. Andere sind noch nicht für unsere Rangliste qualifiziert, weil sie dazu mindestens drei Jahre alt sein müssen.

          Als Risiko eingestuft

          Eine leidige Debatte belastet seit je die Nachhaltigkeitsbranche: Es ist der Verdacht, dass dieser Investmentstil eine geringere Rendite abwirft als das klassische Fondsmanagement. Die Frage ist noch nicht entschieden. Doch vor dem Hintergrund der aktuellen Kursverluste auf den Rentenmärkten lässt sich eines mit Sicherheit sagen: In Abwärtsphasen geht der Anleger mit Nachhaltigkeitsprodukten offensichtlich ein geringeres Risiko ein.

          Das Kursschwankungsrisiko wird im Finanzgeschäft gerne anhand der Standardabweichung gemessen. Für unseren Fondsvergleich misst Lipper, wie stark die täglichen Renditen der vergangenen drei Jahre um ihren Mittelwert schwankten. Eine hohe Standardabweichung zeigt eine starke Streuung – die einzelnen Renditen können also kräftig von der Durchschnittsrendite abweichen, was Anleger in der Regel nicht mögen und als Risiko einstufen. Eine niedrige zeigt, dass sich die Rendite beständiger entwickelt hat.

          Der Superior Ethik Renten hat mit 2,7 die niedrigste Standardabweichung unserer Rangliste. Somit ist zwar offen, ob ein Nachhaltigkeitsfonds auch eine höhere Rendite abwirft. Aber es spricht vieles dafür, dass Anleger, die auf Nachhaltigkeit vertrauen, geringere Risiken eingehen.

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