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Fondsbericht : Schwellenländer-Fonds haben sich etabliert

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Anders als in früheren Jahrzehnten, haben Aktienfonds, die auf aufstrebende Regionen setzen, nicht unter der Finanzkrise gelitten. Dennoch hat die Anlage dort Tücken. Doch das Bild wird differenzierter.

          Die Wahrnehmung von Risiko hat sich in den vergangenen Monaten stark verändert. Während einige Anleihemärkte im Euro-Raum als relativ riskant betrachtet werden, haben viele Fondsmanager ihre Einstellung zu den Finanzmärkten in Asien verändert.

          In früheren Krisen zogen die internationalen Investoren ihr Kapital relativ rasch aus Schwellenmärkten ab und brachten es auf den etablierten Finanzmärkten in Nordamerika und Europa in Sicherheit. Das ist dieses Mal nicht der Fall. Die Schwellenmärkte leiden während der aktuellen Finanzkrise nicht unter erhöhten Kapitalabflüssen, zumindest was die größeren Börsen unter ihnen angeht.

          Wachstum ist nicht alles

          Zuletzt hat sich dennoch die Wahrnehmung vor allem der asiatischen Finanzmärkte verändert. „Wachstum war bisher das Hauptargument, um Investments in Schwellenländer zu begründen, weil das Wachstum in den Vereinigten Staaten und Europa nicht mehr hoch genug ist“, meint Michael Godfrey, Fondsmanager des Aktienfonds Emerging Markets der britischen Fondsgesellschaft M&G. „Doch die Länder, die ein hohes Wirtschaftswachstum aufweisen, sind nicht immer diejenigen, deren Aktienmärkte die steilste Aufwärtsbewegung zeigen.“

          China ist in Godfreys Augen ein gutes Beispiel dafür. „In den chinesischen Unternehmen herrscht ein verhängnisvoller Hang zu ineffizienten Ausgaben“, sagt der Fondsmanager. Deshalb würden in erster Linie ausländische Konzerne von Chinas Wirtschaftsboom profitieren. Und deshalb lautet sein Rat: „Schauen Sie nicht auf Wirtschaftswachstum allein.“

          Nachvollziehbarkeit ist Trumpf

          Godfrey greift damit eine Skepsis gegenüber den Aktienmärkten in Asien auf, die unter den Anlegern derzeit verbreitet ist. Doch noch sprechen die - zwangsläufig vergangenheitsbezogenen - Renditen für Asien. So hat sich nun der Asian Smaller Companies der britischen Fondsgesellschaft Aberdeen an die Spitze unserer 30 besten Aktienfonds mit geringem Verlustrisiko gesetzt.

          Basis dieser Auswertung des Fondsanalysehauses Lipper ist die kumulierte Dreijahresrendite. Selbst nach Kosten, die Lipper stets schon in der Berechnung berücksichtigt, kommt der Fonds nach diesem Maßstab auf eine Rendite von kumuliert gut 33 Prozent.

          Hugh Young verwaltet den Aberdeen-Fonds von Singapur aus, stützt sich jedoch auf Fondsmanager in Bangkok, Hongkong, Kuala Lumpur und Sydney. Sein Investmentprozess beruht auf einigen wenigen Grundregeln: „Wir investieren nie in Aktien von Unternehmen, die wir nicht besucht haben, und wir fühlen uns nie gezwungen, eine Aktie zu kaufen, weil es so aussieht, als sollten wir es tun“, beschreibt eine Aberdeen-Sprecherin das Prozedere. Darüber hinaus meidet Young Unternehmen, deren Geschäftsmodell er nicht nachvollziehen kann oder die nicht alle Aktionäre gleich behandeln.

          Typische Tücken

          Youngs Vorsicht hat gute Gründe. Die asiatischen Aktienmärkte gelten als kompliziert und nicht immer sehr transparent. Für Nebenwerte, in die Young für diesen Fonds investiert, gilt dies noch mehr. Auf ein Fondsvermögen von immerhin gut 900 Millionen Dollar kommt der Aberdeen Global Asian Smaller Companies, was für solch ein Nischenprodukt eine beachtliche Größe ist. Allein daran zeigt sich, wie populär die asiatischen Aktienmärkte geworden sind.

          Allerdings warnen auch die Fondsmanager der amerikanischen Fondsgesellschaft Fidelity, die mit ihrem Malaysia-Fonds in unserer aktuellen Rangliste vertreten ist, vor den typischen Tücken von Schwellenländern. „Wer auf Indizes dieser stark wachsenden Wirtschaftsnationen setzt, könnte schnell enttäuscht werden“, heißt es in einer Studie vom Mittwoch. „Die Entwicklung der jeweiligen Kursbarometer wird weitaus stärker von Einzelwerten beeinflusst, als dies in entwickelten Märkten der Fall ist“, heißt es weiter unter Berufung auf eine Auswertung der unterschiedlichen MSCI-Welt-Aktienindizes für Schwellenländer in den vergangenen zehn Jahren.

          Schwell und Grenze

          Dieses Ergebnis deckt sich mit Erfahrungen, die beispielsweise Alexander Shalash, Leiter Schwellenländer der Schweizer Fondsboutique Bellevue Asset Management, machte. Er ist beispielsweise mit Fonds in Zentralasien und Afrika engagiert und sieht dort, wie die Leitindizes der jeweiligen Börsen von einigen wenigen Werten dominiert werden und die Qualität der Unternehmen mit sinkender Marktkapitalisierung relativ rasch abfällt.

          Insofern ist die Unterscheidung, die viele Finanzprofis mittlerweile machen, gerechtfertigt. Zunehmend trennen sie zwischen relativ etablierten Schwellenländern wie China, Brasilien oder Indien und „Frontier Markets“ genannten Grenzmärkten wie Zentralasien oder Afrika.

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