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Fondsbericht : Rentenfonds verdienen stark an Wechselkursen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die internationale Rentenanlage erfordert viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl im Management eines Fonds. Dafür winkt ein Rendite-Kick vom Devisenmarkt.

          3 Min.

          Aktien bringen Nervenkitzel ins Leben, Anleihen einen gesunden Schlaf. Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig unter Anlegern. Wie falsch diese Behauptung ist, zeigen derzeit die Zitterprämien, die auf griechische Staatsanleihen gezahlt werden. Anleihen sind nicht zwingend die ruhige Variante der Kapitalanlage.

          Noch weniger gilt das Vorurteil für Rentenfonds. Denn bei diesen können die Wertschwankungen besonders heftig ausfallen. Anleger, die selbst Anleihen kaufen, können ihre Papiere zur Not bis zur Endfälligkeit behalten, wenn sich der Kurs ungünstig entwickelt.

          Der Kick vom Wechselkurs

          Rentenfonds dagegen leben nicht nur von den Zinsen, die der Anleiheschuldner regelmäßig zahlt. Sie unterliegen den Kursschwankungen an den Anleihemärkten, allein weil sich das Fondsvolumen ständig ändert. Ziehen die Anleger unter dem Strich Mittel ab, muss der Fondsmanager Positionen verkaufen. Steigt das Fondsvolumen, muss der Fondsmanager kaufen, auch wenn er dies gar nicht für so angebracht hält.

          Internationale Rentenfonds, wie sie unsere Rangliste der Rentenfonds mit der besten Wertentwicklung dominieren, unterliegen noch größeren Schwankungen. Sie agieren häufig auf den Devisenmärkten und holen sich dort den Rendite-Kick, der sie an die Spitze bringt.

          Australische Dollar statt Euro

          Als erfolgreich erwiesen sich im Drei-Jahres-Zeitraum, den das Fondsanalysehaus Lipper seiner Auswertung zugrunde legt, Fonds, die ihren Schwerpunkt auf den australischen Dollar, den Schweizer Franken oder den kanadischen Dollar legen. So schafft der UBS (Lux) Medium Termin Bond in australischen Dollar eine Wertsteigerung von kumuliert 33 Prozent in den vergangenen drei Jahren - das sind rechnerisch 11 Prozent im Jahresdurchschnitt.

          Viele Rentenfonds sind in den vergangenen zwölf Monaten aus unserer Liste der Besten gefallen. So erging es dem Carmignac Sécurité der Pariser Fondsboutique Carmignac Gestion, der sich vor einem Jahr noch mit einer Drei-Jahres-Rendite von 14,7 Prozent für die besten 20 Fonds qualifiziert hatte und jetzt nicht mehr in der Rangliste vertreten ist.

          Das liegt jedoch nicht an einem etwaigen Unvermögen der Fondsmanagerin Rose Ouabah, sondern an der Ausrichtung des Fonds. Der Sécurité ist vor allem in kurzlaufende Euro-Anleihen investiert, einem Segment, in dem die Renditen in den vergangenen Monaten besonders kräftig gesunken sind.

          Korea und Israel

          Die Rendite in unserer Rangliste ist insgesamt gestiegen. Fast 52 Prozent schaffte dieses Mal der Spitzenreiter. Vor einem Jahr genügten 27 Prozent. Dennoch gibt es Fonds, die sich beständig oben halten. Vor einem Jahr teilten sich der Templeton Global Bond und der Templeton Global Total Return die Plätze eins und drei. Nun liegen sie auf den Rängen zwei und vier.

          Das Erfolgsgeheimnis? Michael Hasenstab, Fondsmanager des Templeton Global Bond, verzichtet ganz auf amerikanische, britische und japanische Staatsanleihen. Im Euro-Raum ist er „begrenzt engagiert“ und stärker in kurzlaufenden koreanischen Anleihen.

          Ansonsten setzt er auf Währungen: „Wir suchen auch nach Möglichkeiten, um von steigenden Zinsen zu profitieren, wie zum Beispiel an den Devisenmärkten“, sagt Hasenstab. So setzt er auf eine Abwertung des Yen zum Dollar. Auch erwartet Hasenstab, dass viele Schwellenländer wirtschaftlich besser abschneiden werden als die Vereinigten Staaten, der Euro-Raum oder Japan. „Für uns dürften sich dabei einige interessante Währungsmöglichkeiten ergeben“, sagt Hasenstab. Zu seinen Favoriten zählt Israel mit einer relativ geringen Staatsverschuldung und recht guten Wachstumsaussichten.

          Euro zu teuer

          Star-Fondsmanager Bill Gross geht davon aus, dass die starken Kursanstiege auf den Rentenmärkten vorerst der Vergangenheit angehören. Dabei hatte Gross, dessen Stimme auf den internationalen Rentenmärkten großes Gewicht hat, vor allem die Vereinigten Staaten und den Euroraum im Blick.

          Gross leitet das Anleihemanagement der amerikanischen Fondsgesellschaft Pimco, die zum Allianz-Konzern gehört. Die ist in Deutschland mit dem Allianz Pimco Internationaler Rentenfonds vertreten, den Allianz Global Investors verwaltet. Dessen Fondsmanager Thomas Kressin ist genauso wie Bill Gross sehr skeptisch gegenüber dem Euro eingestellt. Er hält den Euro für fundamental zu teuer und erwartet deshalb, dass er generell gegen die meisten anderen Währungen schwächer wird. „Das ist eine gute Nachricht für Käufer eines internationalen Rentenfonds“, sagt Kressin.

          Diese Investmentgattung zählt ohnehin zur hohen Schule des Fondsmanagements und braucht viel Erfahrung. „Es gibt alte Piloten, und es gibt kühne Piloten“, sagte einmal der 1999 verstorbene Altmeister der Börse André Kostolany. „Aber es gibt keine alten, kühnen Piloten.“ Vielleicht dachte er dabei auch an Manager internationaler Rentenfonds.

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