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Fondsbericht : Mit amerikanischen Hypotheken gut durch die Krise

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Bild: F.A.Z.

Ausgerechnet mit Hypothekenanleihen aus den Vereinigten Staaten setzt sich ein Fonds aus Wien an die Spitze der Rentenfonds. Offenbar trifft die Krise nicht alle gleichermaßen. Der Fondsbericht.

          3 Min.

          Die Finanzkrise trifft offensichtlich nicht alle Marktsegmente gleichermaßen. Pikanterweise hält sich ausgerechnet ein Fonds ganz oben in unserer Rangliste der Rentenfonds mit geringem Verlustrisiko, der in amerikanische Hypothekenanleihen investiert. Dabei ging die globale Finanzkrise vom amerikanischen Immobilienmarkt aus, wo über Jahre hinweg mit hohen Krediten einkommensschwachen Haushalten Häuser verkauft wurden.

          Dessen ungeachtet belegte der Espa Bond Mortgage schon im Sommer 2008, also vor der Lehman-Insolvenz, die im September die Finanzkrise dramatisch verschärfte, den Spitzenplatz. Auch danach führte das Produkt der österreichischen Fondsgesellschaft Erste Sparinvest in Wien unsere Rangliste an. Auf eine Rendite von 10 Prozent kommt der Fonds sogar in den vergangenen zwölf Monaten.

          Fonds für Mittelstandskredite

          „Das ist fast schon sensationell“, sagt Fondsmanager Thomas Oposich. In der Tat ist es bemerkenswert, dass sich dieser Fonds der Krise auf den amerikanischen Immobilienmärkten entziehen konnte. Denn Oposich investiert ausschließlich in Hypothekenanleihen der Ginnie Mae, wie in den Vereinigten Staaten die Government National Mortgage Association (GNMA) nur genannt wird. Dies ist eine staatliche Finanzagentur, die beispielsweise dem amerikanischen Mittelstand in den Vereinigten Staaten oder Veteranen günstige Kredite bereitstellen soll.

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          Diese Kredite refinanziert Ginnie Mae durch die Begebung von Schuldtiteln, die das Institut an den Kapitalmärkten plaziert und in die der Espa Bond Mortgage investieren kann. Insofern ähnelt Ginnie Mae in vielerlei Hinsicht der deutschen Förderbank KfW. Anders als die beiden ebenfalls staatlich geförderten Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac kam Ginnie Mae bisher unbeschadet durch die Krise.

          Klein, aber fein

          Im Zuge der Finanzkrise sind viele Wertpapiere notleidend geworden, die von den Ratingagenturen zuvor ein „Triple-A“ und somit die bestmögliche Bonitätsnote erhalten hatten. Doch dem Espa Bond Mortgage kam zugute, dass im Fall von Ginnie Mae das Triple-A-Rating direkt durch eine Garantie des amerikanischen Staates abgesichert ist.

          Diese Ausrichtung hatte lange Zeit nur wenige Investoren angesprochen, weil ihnen die Ausrichtung auf Ginnie-Mae-Anleihen zu langweilig vorkam. So kommt es auch, dass der Fonds mit einem Volumen von 103 Millionen Euro relativ klein geblieben ist. „Die Historie des Fonds spricht für sich“, sagt Oposich dennoch über das Produkt, das vor genau acht Jahren auf den Markt kam.

          Viel Unbrauchbares

          Vom Spitzenreiter abgesehen, wirbelte die Finanzkrise unsere Rangliste gründlich durcheinander. Viele Fonds haben sich nicht bewährt und fielen zurück, andere mussten vom Markt genommen werden. Die Vermarktungsfachleute in den Fondsgesellschaften scheinen ein Faible für Produktbezeichnungen zu haben, das nur noch von Heizungsbauingenieuren mit ihren Produktnamen für Wärmegeräte übertroffen werden dürfte.

          Da passte der K 2000 T genau ins Bild. Lange belegte der Fonds in unserer Rangliste von Rentenfonds mit einem geringen Verlustrisiko einen vorderen Rang - bis die Finanzkrise vor etwas mehr als einem Jahr ausbrach. Heute ist das Produkt aus der Rangliste gefallen, nachdem es im Dezember vergangenen Jahres umklassifiziert wurde.

          Selbst Absolute-Return-Konzepte, die eigentlich den Anleger vor Verlusten bewahren sollten, erwiesen sich oft als unbrauchbar. Zu den wenigen Fondsmanagern, die sich auch in der Krise bewährten, zählt Daniel Sheard von Swiss & Global Asset Management in London, dem Verwalter der Julius-Bär-Fonds. Sheard managt den Julius Bär BF Absolute Return Bond Fund Plus. „Wir suchen unsere Investments aus einer ziemlich großen Bandbreite an Möglichkeiten aus“, sagt Sheard. Sechs verschiedene Gebiete deckt er ab, und annähernd 300 Anleihen hat er derzeit im Portfolio. Hinzu kommen etwa 50 Wandelanleihen, aber auch Terminkontrakte auf Währungen und Swap-Geschäfte. „Insgesamt haben wir schätzungsweise 400 verschiedene Positionen in unserem Portfolio“, sagt Sheard, der diesen Fonds zusammen mit Tim Haywood verwaltet.

          Dieser Managementansatz stützt sich auf aufwendige Computermodelle, um mit Hilfe einer Risikomatrix die Korrelationen zwischen den einzelnen Positionen zu analysieren und das Verhältnis zwischen Rendite und Risiko zu optimieren. Absolute Return lautet in der Vorgabe für Sheard nicht nur, dass der Anleger zu keinem Zeitpunkt einen Wertverlust mit seiner Anlage erleiden soll. Vielmehr lehnt er sich an die heute gängige Forderung für Absolute Return an, dass der Fonds stets eine höhere Rendite erzielen soll, als der Anleger mit einer risikolosen Anlage auf dem Geldmarkt erhalten könnte. Deshalb soll der Fonds stets besser abschneiden als der Geldmarktzins Euribor.

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