https://www.faz.net/-gvf-121y4

Fondsbericht : Mischfonds im Abwärtssog der Märkte

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Das Steuersparargument konnte 2008 dank eines passablen Absatzes von Dach- und Mischfonds den massiven Umsatzeinbruch in der deutsche Fondsbranche etwas dämpfen. Die Wertentwicklung hat den Umsatz dagegen sicher nicht angeregt.

          2 Min.

          Die Botschaft, dass sich mit Dachfonds oder Mischfonds die Folgen der Abgeltungsteuer abmildern lassen, ist im vergangenen Jahr bei einigen Fondssparern trotz der Verwerfungen an den Finanzmärkten auf offene Ohren gestoßen.

          Dachfonds, die das Geld ihrer Anleger in anderen Investmentfonds investieren, sammelten nach der in dieser Woche veröffentlichten Absatzstatistik des Bundesverbandes Investment (BVI) im Jahresverlauf 9,3 Milliarden Euro an zusätzlichem Geld ein. Mischfonds, die in Aktien wie auch in Anleihen investieren können, verzeichneten einen Zufluss an neuem Anlegergeld von 2,4 Milliarden Euro.

          Das scheue Anlegerwild floh in Scharen

          Damit konnten diese beiden Fondskategorien den Umsatzeinbruch, den die deutsche Fondsbranche im vergangenen Jahr hinnehmen musste, etwas dämpfen. Unter dem Strich zogen Anleger aus Publikumsfonds 27,8 Milliarden Euro mehr ab, als sie gleichzeitig einzahlten. „Es gab durchaus Impulse durch die Übergangsregelung bei der Abgeltungsteuer, aber bei weitem nicht im erhofften Ausmaß“, kommentierte BVI-Präsident Wolfgang Mansfeld das Zahlenwerk.

          Vor allem Geldmarkt- und Rentenfonds, die sich an ein risikoscheues Zielpublikum wenden, verzeichneten eine Flucht der Investoren in noch nie zuvor gesehenem Ausmaß. Aus diesen beiden Produktkategorien wurden zusammen rund 35 Milliarden Euro abgezogen.

          Ausgelöst wurde diese Absetzbewegung zum einen durch die Staatsgarantie für Spareinlagen, die eine teilweise sogar bessere Verzinsung bieten - und das ohne Marktrisiko. Zum anderen gab es Irritationen um die künftige Behandlung der steueroptimierten Rentenfonds, die in den Jahren 2006 und 2007 zweistellige Milliardenzuflüsse verzeichnet hatten. 2008 floss das Geld fast ebenso schnell wieder ab - obwohl die Irritationen ausgeräumt werden konnten. Im Vergleich zu dieser Größenordnung wirkt der Mittelabzug aus Aktienfonds von netto 2,3 Milliarden Euro fast schon überschaubar.

          Keine 30 mit geringem Risiko

          Tatsächlich muss der steuerliche Aspekt im Geschäft mit Mischfonds im Vordergrund gestanden haben. Denn mit ihrer strategischen Ausrichtung konnten sie sich im vergangenen Jahr nur teilweise dem Kursabsturz am Aktienmarkt entziehen. Wie sich die Lage inzwischen zugespitzt hat, macht auch ein Blick in unsere aktuelle Rangliste deutlich.

          Erstmals sind in dieser Woche nur 29 statt 30 Fonds aufgeführt. Unter insgesamt 1485 in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Mischfonds, die die Datenbank des Fondsanalysehauses Lipper aufführt, erfüllen derzeit also nur 29 die Kriterien, um Eingang unter die „Mischfonds mit geringem Verlustrisiko“ zu finden. Nur zwölf von ihnen weisen über die vergangenen drei Jahre überhaupt einen Wertzuwachs aus. Nach der BVI-Wertentwicklungsstatistik verloren Mischfonds 2008 im Durchschnitt 22 Prozent. Über die vergangenen drei Jahre liegt das Minus bei 5,5 Prozent.

          Rückzugsgefechte

          Über die vergangenen sechs Monate war der Kapitalerhalt in Mischfonds eigentlich nur durch einen kompletten Rückzug aus dem Aktienmarkt möglich. So geschehen beispielsweise im Deka-Euroland Balance. Die Anlageentscheidungen in diesem Fonds stützen sich auf ein Trendfolgesystem, das die Kursbewegungen an den Märkten analysiert und Kauf- beziehungsweise Verkaufssignale liefert.

          Im vergangenen Herbst kam rechtzeitig das Signal, in sichere Staatsanleihen umzuschichten. Mit einem Wertzuwachs von 5,7 Prozent seit der Zuspitzung der Finanzkrise im Spätsommer hat er sich inzwischen zu einem Vorzeigeprodukt der Sparkassen-Fondsgesellschaft entwickelt.

          Weitere Themen

          Richtig sparen ohne Zins

          Zum Abschied von Mario Draghi : Richtig sparen ohne Zins

          Wird EZB-Präsident Mario Draghi in die Geschichte eingehen als der Mann, der die Zinsen abgeschafft hat? Verbraucherschützer Niels Nauhauser über die wahren Ursachen der Niedrigzinsen, die Herausforderungen für die Sparer - und die Tricks der Banken.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.