https://www.faz.net/-gvf-14g89

Fondsbericht : Inflationssorgen kommen auch auf Fonds zu

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Rentenfonds mit mittleren Laufzeiten etablieren sich in der Rangliste der Rentenfonds mit stabilem Ertrag weit vorn. Das ist etwas überraschend, zeigt aber die grassierenden Inflationssorgen, die Experten für unbegründet halten.

          2 Min.

          Offenbar fürchten viele Anleger, dass sie die Rechnung für die großzügige Flutung der Kapitalmärkte im Zuge der Bekämpfung der Finanzkrise bald präsentiert bekommen. Ein Zeichen dafür ist, dass Rentenfonds, die auf mittlere Laufzeiten spezialisiert sind, in unserer Rangliste der besten Rentenfonds mit stabilem Ertrag weit nach vorn rücken.

          Sie konkurrieren um die vorderen Ränge mit sehr flexiblen Anlagestrategien, wie sie der Thames River Global Bond fahren kann, und mit Fonds, die schwerpunktmäßig in Unternehmensanleihen anlegen. So findet sich der UBS (Lux) Medium Term Bond Fund mittlerweile auf dem fünften Rang unserer Rangliste.

          Kursgewinne statt Zinsdelle

          Wie mühelos sich mit mittleren Laufzeiten hohe Renditen erzielen ließen, zeigt der Erfolg der börsengehandelten Indexfonds (ETFs): Der iShares-ETF, der sich am Rentenmarktindex Rex im Laufzeitenbereich 5,5 bis 10,5 Jahre engagiert, rangiert weit oben, wie auch der Lyxor-ETF im Laufzeitensegment drei bis fünf Jahre. Diese Fonds sind so konstruiert, dass sie passiv treu ihrem Referenzindex folgen und anders als aktiv gemanagte Fonds gar nicht anstreben, eine höhere Rendite als ihre Zielgröße zu erzielen.

          Bild: F.A.Z.

          Dass mittlere Laufzeiten so weit oben rangieren, ist bemerkenswert. Denn bei einer normal verlaufenden, steigenden Zinsstrukturkurve werfen mittlere Laufzeiten einen geringeren Kupon ab als längere. Die zusätzliche Rendite, die derzeit im mittleren Laufzeitensegment möglich war, kam vor allem aus Kursgewinnen. Je länger die Laufzeit ist, auf die sich ein Anleihekäufer einlässt, desto größer ist das Kursrisiko. Denn bei kürzeren Laufzeiten ist die Gefahr von Kursausschlägen geringer - je weiter die Fälligkeit entfernt liegt, desto größer ist das Zinsänderungsrisiko und damit das Kursrisiko.

          Keine Inflationsgefahr?

          Dass sich Anleger stärker in kürzeren Laufzeiten engagieren, zeigt, dass viele das durchschnittliche Kursrisiko in ihrem Anleiheportfolio senken wollen. Ein Grund dafür ist die Angst vor einer schnelleren Geldentwertung, die auch den Anleihemarkt träfe. „Inflationsängste halten sich überraschend hartnäckig bei Privatanlegern“, sagt Ad van Tiggelen, Senior Strategist bei ING Investment. „Der Druck neuen Geldes, steigende Staatsverschuldung und explodierende Rohstoffpreise werden regelmäßig als Inflationstreiber angeführt.“

          Der einzige längere Zeitraum, in dem Inflation in Europa herrschte, seien 15 Jahre in den siebziger und achtziger Jahren gewesen, deren Rückkehr viele Anleger nun befürchten. Van Tiggelen selbst hält diese Sorgen für unbegründet. „Man sollte längerfristige Staatsanleihen nicht pauschal abtun“, rät er deshalb.

          Geringes Risiko

          Rentenfonds mit stabilem Ertrag fallen nicht nur mit relativ hohen und stabilen Renditen auf. Noch mehr empfahl sich diese Anlageklasse dadurch, dass Anleger unter Berücksichtigung des eingegangenen Risikos mit ihnen mehr verdienen konnten als mit vielen anderen Kategorien. Ob die Rendite eines Fonds hoch oder niedrig ist, muss der Anleger nicht allein seiner persönlichen Einschätzung überlassen. Die Sharpe-Ratio gibt ihm ein objektives Kriterium an die Hand.

          Sie ist das Verhältnis zweier Größen: Im Zähler enthält sie die Überschussrendite, also die Rendite des Fonds im hier betrachteten Zeitraum von drei Jahren abzüglich der Rendite einer risikolosen Geldanlage - das kann der Geldmarktzins oder ein Bundesschuldtitel beliebiger Laufzeit sein. Im Nenner der Sharpe-Ratio geht die Volatilität ein, gemessen anhand der Standardabweichung. Die Sharpe-Ratio bekommt ein negatives Vorzeichen, wenn die Überschussrendite des Fonds negativ wird. Das ist der Fall, wenn die Rendite des Fonds unter den Zinseinkünften liegt, die eine risikolose Geldanlage gebracht hätte. Fast alle Produkte unserer aktuellen Rangliste liegen im positiven Sharpe-Bereich. Das allein schon ist ein kleiner Erfolg.

          Weitere Themen

          Wie die EU sich an Großbanken rächt

          Wegen Regelverstößen : Wie die EU sich an Großbanken rächt

          Weil zahlreiche große Geldhäuser in der Vergangenheit an Marktmanipulationen beteiligt waren, dürfen sie nun nicht am milliardenschweren und lukrativen Wiederaufbauprogramm der EU nach der Corona-Krise verdienen.

          Topmeldungen

          Manuel Neuer vor EM-Start : Raus mit dem Stachel!

          Groß, stark, selbstbewusst: Kapitän Manuel Neuer will bei der Fußball-EM Wiedergutmachung nach dem deutschen Scheitern 2018. Er will in den Händen halten, was er bei der WM nicht zu fassen bekam.

          Corona-Lockerungen vertagt : Hat Johnson die Delta-Mutante unterschätzt?

          Nach dem verschobenen „Tag der Freiheit“ steht Boris Johnson in der Kritik. Der britische Premier habe zu spät auf die Virus-Mutante aus Indien reagiert, sagen manche. Andere fürchten, die Rückkehr zur Normalität falle in diesem Jahr komplett aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.