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Fondsbericht : Immobilienaktien reihen sich in der Spitzenliga ein

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Bild: FAZ

Lange war dies nicht mehr zu sehen: Immobilienaktienfonds unter den Spitzenprodukten. Gleich drei global ausgerichtete Aktienfonds sind erstmals dabei.

          Immobilienaktien haben sich in Deutschland nie richtig etablieren können. Börsennotierte Immobiliengesellschaften gibt es relativ wenige. Und auch Reits, steuerlich begünstigte Investmentvehikel für Immobilien, haben sich in Deutschland nie durchsetzen können.

          Immobilien fehlten eben an der Börse in Deutschland bisher starke Fürsprecher. Auch haben sich die meisten Angebote der deutschen Fondsgesellschaften in Deutschland bei Privatanlegern nie wirklich durchgesetzt.

          In Deutschland vernachlässigt

          Diese Nachlässigkeit in den Führungsetagen der Fondsgesellschaften könnte sich als Versäumnis erweisen. In unserer aktuellen Rangliste der besten Aktienfonds mit stabilem Ertrag haben sich gleich drei Fonds etabliert, die auf Immobiliengesellschaften ausgerichtet sind. Der Sicav Global Reit von Standard Life, der Global Property Securities von First State und der Property Equities der niederländischen Fondsgesellschaft Robeco sind zudem erstmalig in unsere Rangliste aufgestiegen. In unserer letzten Auswertung der Aktienfonds mit stabilem Ertrag Mitte Januar waren die drei Produkte allesamt nicht vertreten.

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          Im Ausland zählen globale Aktienfonds, die sich auf Immobiliengesellschaften konzentrieren, zum Standardrepertoire. Es gibt entsprechende Vehikel von Anbietern wie Franklin, Invesco, Russell, Aviva, Henderson, Axa, JP Morgan Asset Management, BNP Paribas, Schroders oder BNY Mellon, um nur einige zu nennen.

          Immerhin haben sich unter den deutschen Fondsgesellschaften auch die Deka der Sparkassen und die DWS der Deutschen Bank dieses Themas angenommen. Auch die Union Investment führt einen Fonds, der in Reits investiert. Doch mit einem Fondsvolumen von gerade einmal 21 Millionen Euro führt dieses Produkt in der Produktpalette der Fondsgesellschaft der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken bisher ein Schattendasein.

          Aktienanleger scheuen die Immobilien

          Mit einem Fondsvolumen von umgerechnet rund 108 Millionen Euro ist auch der Global Property von First State nach internationalem Maßstab kein allzu großer Fonds, doch spürbar größer als der Uni Reit der Union Investment, als der Deka Immoflex Global oder als der DWS Invest Rreef Global Real Estate.

          Viele Aktieninvestoren mögen Immobilien nicht und Aktien von Immobiliengesellschaften schon gar nicht. Denn die Immobilienmärkte folgen eigenen Gesetzen und bieten eine geringere Transparenz als die Aktienmärkte. Auch blieben die Immobilienmärkte - global gesehen - zuletzt spürbar hinter den internationalen Aktienmärkten zurück.

          Breiter als Immobilienfonds

          Dafür bieten Aktienfonds, die auf Immobilien spezialisiert sind, breitere Investitionsmöglichkeiten als viele andere Anlagen in Immobilien. Während offene Immobilienfonds beispielsweise meist auf Gewerbeimmobilien ausgerichtet sind, ist der First-State-Fonds viel breiter investiert. So sind 18 Prozent des Fondsvermögens in Wohnimmobilien investiert, nur 16 Prozent in Bürogebäuden und nur knapp 35 Prozent in Einzelhandelsflächen. Außerdem haben die Fondsmanager Industriegebäude, Hotels und andere Immobilien ins Portefeuille genommen.

          Diese Vielfalt und die konsequent internationale Ausrichtung hat dem First-State-Fonds in den vergangenen drei Jahren einen Wertzuwachs von kumuliert mehr als 160 Prozent gebracht. In den vergangenen zwölf Monaten legte er um weitere 8 Prozent zu, während beispielsweise der auf deutsche Nebenwerte spezialisierte Uni Deutschland XS im selben Zeitraum um 10 Prozent zurückfiel. Allerdings legte auch dieser in den vergangenen sechs Monaten wieder kräftig zu.

          Amerika ist wieder im Kommen

          Auch der Property Equities von Robeco weist eine beeindruckende Wertentwicklung auf: Gut 155 Prozent in den vergangenen drei Jahren, und dies als nachhaltig geführter Fonds, wo doch nachhaltigen Geldanlagen gerne nachgesagt wird, der Anleger tausche hier Rendite gegen ein gutes Gewissen. Zuletzt war Fondsmanager Folmer Pietersma stark im Fernen Osten engagiert.

          Diese Engagements hat er etwas reduziert und sich stattdessen stärker in Richtung Vereinigte Staaten orientiert. Zudem mag er offenbar Schwergewichte an der Börse. 60 Prozent des Fondsvermögens sind in Unternehmen investiert mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 7,5 Milliarden Euro. Das ist für Aktienfonds eine ungewöhnliche Orientierung.

          Anlegern, die sich für das Thema Immobilien interessieren, bietet sich so eine gewisse Auswahl: Neben offenen Immobilienfonds, von denen viele eingefroren sind oder sich in der Abwicklung befinden, können sie auch eine Direktinvestition, einen geschlossenen Fonds, Immobilienaktien, Reits oder eben einen Immobilienaktienfonds wählen. Doch Anlegern sollte zugleich bewusst sein, dass ein Immobilienaktienfonds kein gleichwertiger Ersatz für ein Investment in Immobilien ist. Denn Immobilienaktien sind Aktien, keine Immobilien.

          Anleger sollten genau unterscheiden: Immobilienaktien sind Aktien, keine Immobilien.

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