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Fondsbericht : Hedge-Fonds-Strategien halten Einzug

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Unter den besten Mischfonds mit stabilem Ertrag finden sich immer mehr Absolute-Return-Produkte. Das sind im wesentlichen Hedge Fonds, die den negativ besetzten Namen nicht führen.

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          Mit großem Werbeaufwand vermarktet die Finanzbranche derzeit Hedge-Fonds-Strategien. Freilich werden diese gegenüber den Privatanlegern selten so tituliert. Denn der Begriff „Hedge-Fonds“ ist in Deutschland überwiegend negativ besetzt. Fonds, deren Anlagestrategie aus der Welt der Hedge-Fonds stammt, werden am liebsten unter der Bezeichnung Absolute Return verkauft.

          Das Versprechen, dem Anleger absolute Renditen zu liefern, hört sich erstens besser als Hedge-Fonds an und weckt zweitens Vertrauen. Denn welcher Anleger will keine absolute Rendite? Absolut richtig geraten. Jeder will sie. Fondsmanager, die gleichzeitig eine Ausbildung in Finanzmathematik absolviert haben, sprechen gerne von asymmetrischen Fonds: Eine Aufwärtsbewegung auf den Märkten sollen sie voll abbilden, einen Kursverfall dagegen möglichst gar nicht.

          Vorreiter C-Quadrat

          Unter den 30 besten Mischfonds mit stabilem Ertrag, die das Fondsanalysehaus Lipper unter mehr als 1800 Produkten herausgefiltert hat, finden sich derzeit fünf Absolute-Return-Fonds. Drei davon verwaltet die österreichische Fondsboutique C-Quadrat in Wien.

          Dass C-Quadrat unsere Auswahl der Absolute-Return-Fonds so stark dominiert, liegt nicht nur am guten Abschneiden der Fonds, sondern auch daran, dass viele Fondsgesellschaften erst jetzt auf das Thema aufspringen. Lipper jedoch berücksichtigt für den Vergleich nur Fonds, die mindestens drei Jahre alt sind.

          Schwer vergleichbar

          Ein direkter Vergleich der unterschiedlichen Absolute-Return-Produkte fällt jedoch schwer, weil jede Fondsgesellschaft einen anderen Ansatz wählt. So brachte die Bank of America Merrill Lynch zusammen mit AQR Capital Management im Februar einen Relative-Value-Fonds auf den deutschen Markt, der gleich mehrere Hedge-Fonds-Strategien kombiniert. Er nutzt Arbitrage, aktienorientierte Hedge-Fonds-Ansätze und Global Macro gleichzeitig.

          Die amerikanische Fondsgesellschaft Invesco wiederum bleibt ihrer Abneigung gegenüber Terminmarktinstrumenten und Hedge-Fonds treu. Sie vertreibt in Deutschland Total-Return-Fonds, deren Schwankungsanfälligkeit einfach nur durch eine geschickte Kombination der verschiedenen Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Währungen) reduzieren will.

          Die Frage des richtigen Maßes

          Um mehr Licht in die Welt der Absolute-Return-Fonds zu bringen, greift Lipper auf das Konzept des Value at Risk (VaR) zurück, genauer auf den Conditional Value at Risk (CVaR). Das Value at Risk gibt den maximalen Verlust an, den eine bestimmte Risikoposition (zum Beispiel eine Aktie im Depot) mit einer gegebenen Wahrscheinlichkeit in einem bestimmten Zeitraum erleiden kann.

          Als Zeitraum wählte Lipper ein Jahr. Ein Value at Risk von 1 Million Euro bei einer Haltedauer von einem Tag und einem Konfidenzniveau (Wahrscheinlichkeit) von 95 Prozent bedeutet, dass der potentielle Verlust aus dieser Risikoposition von einem Tag auf den nächsten Tag nicht mehr als 1 Million Euro betragen wird - somit läge die Wahrscheinlichkeit, dass diese Schadenshöhe nicht überschritten wird, bei 95 Prozent.

          Dieses Konzept ist nicht unumstritten. Value at Risk sei ein Airbag, der immer funktioniert, außer wenn man einen Autounfall hat, kritisierte einmal der Hedge-Fonds-Manager David Einhorn. Das Konzept des Conditional Value at Risk, in der Ökonomie auch als Expected Shortfall oder Expected Tail Loss bekannt, soll die Mängel des Value at Risk beheben und die allgemeinen Marktbedingungen einbeziehen. Lipper teilt die Absolute-Return-Fonds nach ihrem CVaR in drei Kategorien ein: Das beste Drittel wird als geringes Risiko eingestuft, das schlechteste als hohes Risiko.

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