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Fondsbericht : Für Rentenfonds wird die Luft dünner

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Bild: F.A.Z.

Staatsanleihen sind derzeit bei Anlegern ganz besonders gefragt. Das hat deren Kurse rasant steigen lassen. Davon haben viele Fondssparer recht wenig. Denn diese Aufwärtsbewegung ist nun wohl ausgelaufen.

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          Mehr als zwei Jahre lang - von Anfang 2006 bis Mitte 2008 - haben Rentenfonds ihren Anlegern wenig Freude gemacht. An den Märkten für sichere Staatsanleihen fraßen die Kursverluste regelmäßig die Kuponzahlungen auf. Das risikoscheue Zielpublikum, das vor allem in der Zeit der Aktienbaisse nach der Jahrtausendwende eingestiegen war, musste plötzlich feststellen, dass man auch mit Anleihen Kursverluste machen kann.

          Selbst die Rentenfonds, die noch vor einem halben Jahr in unserer Rangliste aufgeführt wurden, weil sie zuvor besonders wenig Verlustmonate ausweisen mussten, brachten ihren Anlegern nur enttäuschende Ergebnisse: Bei einem Wertzuwachs über drei Jahre hinweg von 4 bis 7 Prozent blieb nach Steuern und Inflation nichts übrig.

          Staatsanleihen-Boom macht sich bemerkbar...

          Über die vergangenen sechs Monate hinweg hat sich das Bild komplett gewandelt. Mit der Zuspitzung der Finanzkrise nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers setzte ein Ansturm auf den vermeintlich „sicheren Hafen“ der Staatsanleihen ein. Inzwischen müssen die auf das Marktsegment spezialisierten Fondsmanager schon einen zweistelligen Wertzuwachs über den für die Plazierung in unserer Rangliste relevanten Zeitraum von drei Jahren vorweisen, um sich einen Platz in der Spitzengruppe zu sichern.

          Allerdings kommt dieser für die Zinsanlage ungewöhnlich kräftige Wertzuwachs für die meisten Fondssparer zu spät. Viele Anleger haben im Laufe der beiden Vorjahre die Geduld verloren und ihre Anteile verkauft. Selbst im vergangenen Herbst überwogen laut Absatzstatistik des Bundesverbandes Investment (BVI) die Abflüsse aus Rentenfonds.

          ...geht aber schon wieder vorbei

          Nun könnte es wiederum schon zu spät für einen abermaligen Einstieg sein. Selbst in der zu Berufsoptimismus neigenden Fondsbranche sind die warnenden Stimmen, die vor einer Korrektur an den Märkten für sichere Staatsanleihen warnen, nicht mehr zu überhören. „Erste Anzeichen auf eine Normalisierung der Finanzmärkte, die nun etwas höhere Risikobereitschaft der Anleger und die Aussichten auf einen massiven Anstieg der Neuemissionen von Anleihen stellen den jüngsten Kursaufschwung in Frage“, heißt es beispielsweise in einem aktuellen Marktkommentar der amerikanischen Fondsgesellschaft Franklin-Templeton.

          Die niederländische Fondsgesellschaft Fortis Investments hat sogar schon damit begonnen, Staatsanleihen in ihren gemischten Portfolios unterzugewichten. „Staatsanleihen profitierten sehr vom niedrigen oder gar negativen Wachstum, von fallenden Zinsen und zurückgehender Inflation, doch erscheinen weitere Renditerückgänge unwahrscheinlich“, sagt Fortis-Anlagestratege Joost van Leenders.

          Unübersehbare Warnsignale

          Aus seiner Sicht gibt es schon eine ganze Reihe von Warnsignalen. Von Mitte September bis Ende Oktober hätten sich die amerikanischen Renditen von den fallenden Aktienmärkten und den sinkenden Bundesanleiherenditen abgekoppelt, als klargeworden sei, dass das amerikanische Haushaltsdefizit im Jahr 2009 mehr als eine Billion Dollar betragen würde. Mitte September lagen die Bundesanleiherenditen noch 60 Basispunkte über den Renditen der Staatsanleihen in den Vereinigten Staaten, Ende Oktober hatte sich das vollständig umgekehrt.

          Als weiteres Warnsignal verweist van Leenders auf die neue Bundesanleihe, von der statt der geplanten 8 Milliarden Euro nur 6 Milliarden Euro plaziert werden konnten. „Dies ist außerordentlich besorgniserregend, da der Bundesanleihemarkt eigentlich sehr groß und liquide ist.“ Ein drittes Warnsignal seien schließlich die Herabstufungen der Ratingnoten griechischer und spanischer Staatsanleihen sowie die deutliche Ausweitung des Renditeabstands von Euro-Raum-Staatsanleihen zu Bundesanleihen.

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