https://www.faz.net/-gvf-d83

Fondsbericht : Fondsboutiquen bergen ihre eigenen Tücken

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Vermögensverwaltende Produkte passen nicht zu allen Anlegern. Denn das Wichtigste beim Investment ist in diesem Fall das Vertrauen in den Vermögensverwalter.

          2 Min.

          Fondsboutiquen zählen zu den erfolgreicheren Innovationen im Finanzgeschäft. Sie sind so erfolgreich, dass die führende deutsche Fondsgesellschaft DWS zwar nicht selbst Boutique werden will, aber eine Boutique innerhalb der Fondsgesellschaft einrichtet.

          Fondsmanager Klaus Kaldemorgen, seit Jahren Garant für verlässlich gut laufende Aktienfonds und mittlerweile im Rang eines Doyens unter Deutschlands Fondsmanagern, soll künftig mehr Freiheiten innerhalb der DWS bekommen.

          Mehr Freiheit in der Boutique

          Der Erfolg der Fondsboutiquen beruht darauf, dass sich ihre Fondsmanager eben gerade nicht den starren Vorgaben, Regeln und Prozessen einer großen Fondsgesellschaft unterwerfen. Deshalb lassen sie sich in ihren Vorgaben auch regelmäßig großzügige Freiräume einräumen.

          Sie wollen häufig nicht nur relativ frei zwischen Anleihen und Aktien wählen können, sondern auch innerhalb dieser Anlageklassen ihre individuellen Vorlieben ausleben können. Wie ein klassischer Vermögensverwalter setzen sie sich zum Ziel, das Geld ihrer Anleger nach bestem Wissen und Gewissen zu mehren.

          Deshalb sind Mischfonds auch ihre klassische Domäne. Hier dominieren die kleineren Vermögensverwalter: Flossbach von Storch, die Veritas Investment Trust mit ihrem ETF-Dachfonds P, Walser, C-Quadrat, Ariqon, Prime Values oder auch Carmignac.

          Der Fonds Patrimoine der Pariser Fondsgesellschaft Carmignac allerdings führte vor einem Jahr noch unumstritten unsere Rangliste der Mischfonds mit der besten Wertentwicklung an und rangiert nun im Mittelfeld unserer Rangliste der besten 30, die das Fondsanalysehaus Lipper jede Woche berechnet.

          Nicht für jeden Typus

          Dessen ungeachtet erleben Fondsboutiquen zum Teil einen atemberaubenden Erfolg. Die Fondsboutique C-Quadrat in Wien meldete diese Woche, dass ihre Erträge im vergangenen Jahr um 76 Prozent auf 66,5 Millionen Euro gestiegen sind und das Ergebnis vor Steuern sogar um 298 Prozent auf 16,1 Millionen Euro.

          Doch vermögensverwaltende Fonds sind nicht für jeden Anleger geeignet. Denn in den meisten Fällen kann der Käufer kaum im Voraus einschätzen, wie sein Fondsmanager die jüngsten Turbulenzen auf den Devisenmärkten einschätzt, welche Aktiendispositionen er für die richtigen hält und wie er in Zukunft auf neue Marktlagen reagieren wird. Auch die Nachfolge ist bei diesen Produkten in den meisten Fällen ein kritischer Moment.

          In der Regel erfährt der Käufer dieser Fonds erst im Nachhinein, wenn der Fondsmanager über seine Anlagestrategie berichtet, ob er gerade eine Hochrisikopolitik fährt oder ob er vielleicht aus übertriebener Vorsicht Anlagechancen verpasst.

          Das zeigt sich auch beim FvS Strategie Sicav Multiple Opportunities. In unserem letzten Vergleich der Mischfonds mit der besten Wertentwicklung von Ende Januar war dieser Fonds von Flossbach von Storch Spitzenreiter. Jetzt ist er auf den zweiten Rang zurückgefallen, weil Fondsmanager Bert Flossbach den starken Anstieg des Euro im Vergleich zum Dollar so nicht erwartet hatte.

          Vertrauensfrage

          Das ist kein Beinbruch, denn jeder Fonds, der sich in unserer Auswahl befindet, zählt ungeachtet seiner exakten Positionierung zur Spitzengruppe. Immerhin wählt Lipper diese aus einem Universum von mehr als 1800 Fonds aus. Doch klar ist auch, dass vermögensverwaltende Fonds nur dann für einen Anleger geeignet sind, wenn dieser dem Fondsmanager ein großes Vertrauen entgegenbringt.

          Bezeichnenderweise richten sich diese Produkte zum großen Teil auch nur an private Anleger. Institutionelle Investoren wie Versicherer oder die verschiedenen Altersvorsorgeeinrichtungen meiden in der Regel Mischfonds. Sie wollen die Entscheidung über die Verteilung ihrer Anlagegelder auf die einzelnen Vermögensklassen nicht ganz aus der Hand geben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Deal : Kein Tag der Entscheidung

          Auch Boris Johnson ist nicht immun gegen das, was seiner Vorgängerin Theresa May widerfahren war. Mehr als drei Jahre nach dem Referendum liegt der Austritt des Vereinigten Königreichs weiter im Nebel. Vielleicht kann das bei einem Thema von dieser Bedeutung nicht anders sein.
          Berlin regelt das Wohnen neu.

          Mietendeckel und mehr : Vermieter, hört die Signale!

          Was der rot-rot-grüne Senat in Berlin ausgeheckt hat, ist der wohl drastischste Eingriff in die deutsche Eigentumsordnung seit Jahrzehnten.

          Zukunft der Menschheit : Eine Batterie für alles!

          Mit einem Handy fing alles an, inzwischen geben Autohersteller jährlich dutzende Milliarden dafür aus: Lithium-Ionen-Akkus treiben heute zahllose Geräte an. Die größte Zeit der Batterien steht aber noch bevor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.