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Fondsbericht : Ein Fonds aus der Provinz setzt sich an die Spitze

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Fondsgesellschaft Kepler-Fonds hat sich mit einem mündelsicheren Rentenfonds nach oben gearbeitet. Das zeigt, dass für Spitzenleistungen nicht immer hohe Risiken eingegangen werden müssen.

          Es weht ein Hauch von Bundesliga durch die deutsche Fondsbranche. Genauso wie es überrascht, dass der FSV Mainz 05 nach neun Spieltagen noch an der Tabellenspitze steht und der FC Bayern auf Rang 12, erstaunt die jüngste Rangliste der Rentenfonds mit dem geringsten Verlustrisiko.

          Auch hier führen nicht die Schwergewichte, etwa der Allianz Pimco Rentenfonds oder der Allianz Pimco Euro Renten, das Feld an, sondern das Produkt einer Fondsboutique aus der österreichischen Provinz, die rund 9,5 Milliarden Euro verwaltet. Die Kepler-Fonds Kapitalanlagegesellschaft hat ihren Sitz nicht in Wien, sondern in Linz. Sie gehört der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, der Hypo Oberösterreich und der Oberösterreichischen Versicherung.

          Beharrlich an die Spitze

          Dass sich der Kepler Vorsorge Rentenfonds mit einer Rendite von kumuliert 25 Prozent in den vergangenen drei Jahren an die Spitze unserer Rangliste setzt, kündigte sich in den vergangenen Monaten schon an. Beharrlich hat sich der Fonds nach oben gearbeitet. Im Februar rangierte er auf Rang 23 unseres Vergleichs, den das Fondsanalysehaus Lipper regelmäßig erstellt.

          Im Juni war es Rang vier und Ende August Rang drei. Der Fonds investiert schwerpunktmäßig in österreichische Staatsanleihen. Diese ergänzt Fondsmanager Kurt Eichhorn um Pfandbriefe und, wie er es nennt, „fundierte Bankanleihen“. Obwohl das Produkt eine höhere Rendite aufweist als die Konkurrenz, stellt Kepler die Mündelsicherheit des Fonds in den Vordergrund.

          Als mündelsicher gilt eine Anlage, wenn Wertverluste so gut wie ausgeschlossen werden können. Solche Investitionen sind gesetzlich vorgeschrieben, wenn ein Vormund, Pfleger oder Betreuer für das Vermögen eines Mündels verantwortlich ist, also für jemanden, der seine Vermögensgeschäfte nicht selbst ausüben kann und deshalb auf rechtliche Betreuung angewiesen ist. Dies kann der Fall sein bei einer geistigen oder seelischen Behinderung oder aufgrund einer psychischen Krankheit.

          Risiko ist nicht zwingend

          Der Kepler-Fonds zeigt, dass ein Fondsmanager nicht zwingend riskante Wetten eingehen muss, um sich an der Spitze zu positionieren. Auffallend ist dagegen, dass Eichhorn viel lange Laufzeiten im Fonds hält. 37 Prozent des Fondsvermögens von 337 Millionen Euro waren per Ende September in Anleihen mit einer Restlaufzeit von mehr als zehn Jahren investiert, knapp 12 Prozent in einer 2012 fälligen österreichischen Staatsanleihe.

          Ähnlich vorsichtig agiert die Schoellerbank, eine österreichische Tochtergesellschaft der italienischen Großbank Unicredit. Ihr auf dem 2. Rang plazierter Vorsorgefonds verfolgt ein ähnliches Konzept wie Kepler und positioniert ihn ebenfalls als mündelsichere Anlage.

          Enges Feld

          Allerdings muss zur Ehrenrettung der anderen Fondsmanager in unserer Rangliste gesagt werden, dass der Abstand zwischen dem Besten und dem Letzten denkbar gering ist. Er beträgt nur 5 Prozentpunkte. Bei Aktienfonds mit der besten Wertentwicklung kommt der erstplazierte Falcon Gold Equity Fund auf eine Drei-Jahres-Rendite von 73 Prozent (Schwellenländer-Fonds für alle). Der Gamax Funds Maxi-Fonds Asien International auf Rang 30 schafft 18 Prozent. Der Renditeabstand beträgt somit 55 Prozentpunkte.

          Dass bei Rentenfonds die Renditen zurzeit nicht weit auseinanderliegen, könnte auch daran liegen, dass die Rangliste der Rentenfonds mit geringem Verlustrisiko traditionell von Fonds dominiert wird, die ihren Anlageschwerpunkt im Euro-Raum haben. Die Rentenfonds mit der besten Wertentwicklung dagegen sind tendenziell die Domäne jener Fonds, die global, in Fremdwährungen oder in Anleihen aus den Schwellenländern anlegen. Hier bewegten sich die Renditen zuletzt (Deutsche Staatsanleihen als Renditetreiber) zwischen 53 Prozent für den Ersten und 36 Prozent für den 30. Rang.

          Sicherheit ohne Rendite

          Eine andere Frage jedoch ist, ob sich Euro-Rentenfonds im aktuellen Marktumfeld noch lohnen. „Wer Sicherheit kaufen möchte, erhält praktisch keine Rendite mehr“, sagt Asoka Wöhrmann, Leiter der Rentenmanagements der DWS.

          Er rät davon ab, jetzt Bundesanleihen zu kaufen und bis zur Fälligkeit zu halten. Die Anleger müssten bereit sein, ihre Anleihen aktiv zu managen und unter Umständen vor Endfälligkeit zu verkaufen. Zehnjährige Bundesanleihen werfen derzeit eine Rendite von nur 2,5 Prozent ab. Viele institutionelle Anleger, vor allem Lebensversicherer oder Sozialversicherungsträger, können aber nur eingeschränkt in andere Anlagen investieren. Wie sehr diese nun in Not geraten, zeigt sich darin, wie die Rendite der vergangenen sechs Monate für die Rentenfonds unserer Rangliste geschmolzen ist.

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