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Fondsbericht : Die verrückte Welt der Rentenfonds

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Rentenfonds-Manager haben jetzt mit Strategien Erfolg, die vor Jahren undenkbar gewesen wären. Beispielsweise damit, dass sie das Ausfallrisiko von Staatsanleihen aus Schwellenländern für niedriger halten.

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          Es ist verrückt. Allseits beklagen die institutionellen Anleger - Versicherer, Banken und Altersvorsorgeeinrichtungen - den Rückgang der Renditen. Und tatsächlich werfen zehnjährige Bundesanleihen mit aktuell weniger als 3 Prozent denkbar wenig ab.

          In dieses Bild passt jedoch nicht die Wertentwicklung von Rentenfonds. Vor einem Jahr genügte eine Dreijahresrendite von kumuliert 50 Prozent, um sich an die Spitze unserer Rangliste der besten Rentenfonds mit stabilem Ertrag zu setzen. Heute muss ein Rentenfonds eine Wertsteigerung von mehr als 80 Prozent bringen, um es nach oben zu schaffen.

          Hohe Renditen mit Schwellenländern

          Gut 1660 Fonds führt das Fondsanalysehaus Lipper in der Kategorie der Rentenfonds mit stabilem Ertrag. Die Wertentwicklung der 30 besten Fonds veröffentlichen wir jeweils. Um in die Rangliste aufgenommen zu werden, genügte vor einem Jahr eine Wertsteigerung von 30 Prozent in den drei Jahren zuvor. Heute müssen es mehr als 40 Prozent sein.

          Bild: F.A.Z.

          Grund für dieses Auseinanderklaffen - niedrige Renditen mit Bundesanleihen, hohe Renditen mit Rentenfonds - liegt darin, dass viele Rentenfondsmanager kaum noch in Staatsanleihen entwickelter Länder anlegen. Michael Hasenstab, Leiter Rentenfonds bei Franklin Templeton, hält in seinem 44,3 Milliarden Dollar (31,6 Milliarden Euro) schweren Templeton Global Bond kaum noch Staatsanleihen aus den Vereinigten Staaten oder Kerneuropa. Gut 15 Prozent des Fondsvermögens liegen derzeit in Südkorea und gut 10 Prozent in Australien. Nennenswerte Positionen hält er auch in Malaysia, Polen, Großbritannien, Schweden und selbst in Israel mit gut 4 Prozent des Fondsvermögens.

          Schwankungsanfällig

          Unser Spitzenreiter, der ZZ1, ist ohnehin auf eher riskante Hochzinsanleihen ausgerichtet. Verwaltet wird er von Peter Pühringer und Christian Hirschmann. Neben dem ZZ1 hat Pühringer zwei andere Fonds, den ZZ2 und den ZZ3, wobei der ZZ1 auf internationale Hochzinsanleihen spezialisiert ist, besonders aus Schwellenländern.

          Ein wichtiges Maß für das Risiko, das ein Anleger trägt, ist die Schwankungsanfälligkeit. Diese wird mit Hilfe der Standardabweichung erfasst, die beim ZZ1 mit 14,8 die zweithöchste unserer aktuellen Rangliste ist. Das bedeutet, dass die einzelnen Renditen des Fonds in den vergangenen drei Jahren stärker um ihren Mittelwert schwankten als bei den 28 anderen Fonds der Rangliste. Hohe Kursschwankungen meiden viele Anleger.

          Schwellenländer haben mehr Spielraum für Schulden

          Allerdings beziehen sich diese Werte nur auf das Kursschwankungsrisiko. Andere Risiken, die sich unter Umständen als gefährlicher für den Anleger erweisen können, lassen sich statistisch oft gar nicht erfassen. Darunter fällt beispielsweise das Emittentenausfallrisiko, das kein Anleger gerade im Bereich der Hochzinsanleihen vernachlässigen sollte. Denn meist hat es einen guten Grund, wenn ein Emittent einen besonders hohen Zins auf das Geld zahlen muss, das er auf den Kapitalmärkten aufnimmt.

          Schwellenländer wiederum sind derzeit groß in Mode. Acht der 30 Fonds in unserer aktuellen Rangliste weisen diese ausdrücklich als ihren Anlageschwerpunkt auf. Andere, die Lipper formal dem Anlagesegment „Global“ zugeordnet hat, dürften - wie Hasenstab - einen großen Teil ihres Fondsvermögens in Anleihen aus Schwellenländern investiert haben. Ihr Argument lautet: In entwickelten Ländern beträgt die Staatsverschuldung längst mehr als 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in Schwellenländern dagegen liegt sie bei rund 30 Prozent. Damit sei das Risiko einer Staatsschuldenkrise in Schwellenländern geringer. Auch diese Argumentation wäre vor einigen Jahren noch für verrückt gehalten worden.

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