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Fondsbericht : Die Rendite eines Fonds sollte nicht alles sein

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Das Wichtigste ist dem Fondsanleger letztlich die Rendite. Doch das greift ein wenig kurz. Und die herkömmlichen Kennziffern zur Messung des Risikos haben im aktuellen Marktumfeld ihre Tücken.

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          Die Rendite sollte nicht das einzige Kriterium bei der Auswahl der Geldanlage sein. Denn die Veränderung des Werts über einen bestimmten Zeitraum sagt nichts darüber aus, auf welche Weise ein Fondsmanager Gewinne erzielt hat oder nicht. Manche suchen den schnellen Kick, anderen agieren mit ruhiger Hand. Wie groß die Unterschiede sind, zeigt unser aktueller Vergleich der besten Mischfonds mit geringem Verlustrisiko, wie das Fondsanalysehaus Lipper ihn regelmäßig für diese Zeitung berechnet.

          Auf Rang 3 unserer Bestenliste findet sich der Fonds Ariqon Konservativ T, mit knapp 90 Millionen Euro ein eher kleiner Fonds der kleinen österreichischen Fondsgesellschaft Ariqon. Mit einer Rendite von 24,2 Prozent über den Zeitraum von drei Jahren, auf dem dieser Fondsvergleich beruht, liegt der Fonds gleichauf mit dem UBS (Lux) Strategy Fund - Yield (CHF) B, der ebenfalls auf eine Rendite von 24,2 Prozent kommt. Allerdings sind die Unterschiede für die vergangenen sechs Monate beträchtlich: Da weist das Ariqon-Produkt ein Plus von 4,3 Prozent aus, der UBS-Fonds mit 11,8 Prozent mehr als doppelt so viel.

          Maß für Schwankungen

          Der Grund dafür ist, dass die beiden Produkte unterschiedliche Ziele verfolgen. Der Ariqon-Fonds investiert bis zu 100 Prozent in festverzinsliche Wertpapiere und ist im Rahmen eines Absolute-Return-Ansatzes auf einen absoluten Ertrag ausgerichtet. Der 2,4 Milliarden Franken schwere UBS-Fonds in der Yield-Variante legt zwar auch den Fokus auf Festverzinsliche, sucht seine Chancen jedoch stark im Schweizer Franken, so dass deutsche Anleger hier die Chancen und Risiken von Geldanlagen in Fremdwährungen erhalten, auch wenn das Fondsmanagement verspricht, Wechselkursrisiken „mehrheitlich abzusichern“.

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          Weil die Rendite allein für eine qualifizierte Anlageentscheidung nicht ausreicht, haben die Finanzmathematiker im Laufe der Zeit weitere Kennzahlen entwickelt. Sie sollen Auskunft über die Zuverlässigkeit geben, mit der sich die Rendite einer Geldanlage entwickelt hat. Ein gängiges Maß für das Risiko eines Wertverfalls ist die Standardabweichung. Für unseren Fondsvergleich misst Lipper, wie stark die täglichen Renditen der vergangenen drei Jahre um ihren Mittelwert schwankten. Eine hohe Standardabweichung zeigt eine starke Streuung - die einzelnen Renditen können also kräftig von der Durchschnittsrendite abweichen, was Anleger nicht mögen. Eine niedrige zeigt, dass sich die Rendite beständiger entwickelt hat.

          Das Minusgeschäft

          Eine weitere Kennziffer zur Beurteilung einer Geldanlage ist die Sharpe Ratio. Sie steht in engem Zusammenhang mit der Standardabweichung, da sie sich aus dem Verhältnis der Überschussrendite zur Standardabweichung ergibt. Doch gerade die Überschussrendite ist in jüngster Zeit stark in die Kritik geraten. Diese Kennzahl soll die Frage beantworten: Wirft meine Geldanlage eine höhere Rendite ab, als ich sie mit einer risikolosen Geldanlage hätte erzielen können? Lohnt es sich also, das höhere Risiko eines bestimmten Fonds einzugehen?

          Je höher die Sharpe Ratio ausfällt, desto besser hat sich die Geldanlage, gemessen am eingegangenen Kursrisiko, entwickelt. Denn in diesem Fall ist die Überschussrendite hoch und die Schwankungsanfälligkeit des Fonds niedrig. Bei einer negativen Sharpe Ratio ist zwangsläufig die Überschussrendite negativ, weil die Standardabweichung stets über null liegt. Daran gemessen ist unser Spitzenreiter Swisscanto (LU) Capital Protect mit einer Sharpe Ratio von 0,01 noch akzeptabel. Der zweitplazierte Fonds, LGT Strategy 3 Years, dagegen war ein Minusgeschäft.

          Kritik an der risikolosen Geldanlage

          So überzeugend das Konzept der Überschussrendite in der Theorie ist, so schwierig ist die konkrete Anwendung. Zu ihrer Berechnung wird von der Rendite des Fonds die Rendite einer risikolosen Geldanlage abgezogen. Dabei ist es für die Berechnung ziemlich gleichgültig, welches Produkt als Maß für die Risikolosigkeit gewählt wird. In der Regel werden der Geldmarktzins oder die zehnjährige Bundesanleihe gewählt.

          Allerdings ist es fraglich, ob es risikolose Geldanlagen überhaupt noch gibt. Bundesanleihen rentieren derzeit auf historischen Tiefständen von kaum mehr als 2 Prozent - das Risiko eines Zinsanstiegs mit entsprechendem Kurssturz ist somit enorm. Wie sicher es am Geldmarkt zugeht, weiß jeder Anleger, der vor der Finanzkrise einen Geldmarktfonds gekauft hatte, der mit ABS-Papieren vollgestopft war. Früher hieß es: Für eine höhere Rendite muss der Anleger mehr Risiko akzeptieren. Heute dagegen scheint die Regel bei der Geldanlage eher zu lauten: Für Risiko gibt es nicht zwingend eine angemessene Rendite.

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