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Fondsbericht : Die Domäne der Vermögensverwalter

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Individualisten beherrschen die Liste der besten Mischfonds. Das liegt wohl nicht zuletzt, daran dass Mischfonds-Manager freiheitsgrade brauchen - zum Unbill der Gesellschaften, die standardisierte Produkte vorziehen.

          3 Min.

          Mischfonds haben sich im Laufe der vergangenen Jahre zu einer Domäne der bankunabhängigen Vermögensverwalter entwickelt. Kleinere Fondsboutiquen wie Carmignac Gestion aus Frankreich oder aus Österreich C-Quadrat, Ariqon und Dr. Höller belegen in der Kategorie der Mischfonds mit der besten Wertentwicklung die vorderen Ränge.

          Eine Zeitlang waren Mischfonds recht unbeliebt in der Fondsbranche. Das war in jener Zeit, als sich die Fondsgesellschaften die Forderung „Produktwahrheit und Produktklarheit“ auf die Fahne geschrieben hatten. Im Zuge dieser Welle sollten Aktienfonds eindeutig mit Aktien angefüllt sein, Rentenfonds mit Anleihen. Die Fondsmanager sollten sich an einer klaren Richtschnur - im Finanzjargon „Benchmark“ genannt - orientieren und nur geringfügig von diesen Vorgaben abweichen.

          Ungeliebtes Kind

          Bei Mischfonds dagegen hat das Fondsmanagement ungleich größere Spielräume. Es kann relativ ungezwungen den Aktienanteil nach Belieben auf null oder auf 100 Prozent hoch- oder runterfahren und dabei in Renten genauso wie in Bargeld wechseln.

          Das Konzept der Produktwahrheit und Produktklarheit war wohltuend auf dem Weg zu einer größeren Disziplinierung und Professionalisierung der Branche. Doch glücklicherweise für den Anleger blieb den Mischfonds in dieser Welt dennoch eine kleine Nische. Die großen Fondsgesellschaften können sich mit Mischfonds immer noch wenig anfreunden, vermutlich weil sie den Fondsmanagern zu große Freiräume einräumen müssten.

          Dafür haben die Individualisten die Domäne der Mischfonds erobert und diese Anlagegattung wieder populär gemacht. Hinzu kam, dass Anbieter wie Universal Investment es kleineren Fondsgesellschaften erleichtern, mit überschaubarem Verwaltungsaufwand einen Publikumsfonds aufzulegen. So wird der Berenberg-Produkt, der es in unserer Rangliste auf Platz 27 geschafft hat, von der Universal Investment verwaltet, was an der Abkürzung „UI“ im Fondsnamen ersichtlich ist.

          Viele andere dieser eher kleinen Mischfonds werden von anderen Fondsgesellschaften in Form verwaltet, ohne dass es für den Anleger schon im Fondsnamen ersichtlich wäre, so auch der Degussa-Bank-Universal-Rentenfonds. Doch für die Vermögensverwaltung lassen sich dadurch die Kosten für die Administration eines Publikumsfonds beträchtlich senken.

          Von Sicherung zur Aggression

          Viele der Mischfonds in unserer Rangliste verfolgen einen vermögensverwaltenden Ansatz: Sie orientieren sich weniger an einer Benchmark, sondern versuchen wie ein Anlageberater das Vermögen des Anlegers gegen Verluste zu sichern und bei günstiger Marktlage zu mehren. Auch wertgesicherte Konzepte finden sich in dieser Kategorie wie der C-Quadrat Arts Total Return Global, der es immerhin auf Rang zwei schafft.

          Andere Fondsmanager wie Carmignac gehen immer wieder sehr aggressive und somit riskante Wetten auf Marktentwicklungen ein, von denen der französische Fondsmanager Edouard Carmignac glaubt, dass er sie früher als andere erkannt hat. Manche wie die kleine, gerade 233 Millionen Euro verwaltende Fondsgesellschaft Ariqon in Graz verfahren nach einem quantitativen Ansatz. Mit Hilfe von Computerprogrammen analysieren die Fondsmanager des Ariqon Konservativ systematisch die Finanzmärkte, um Trends herauszufinden. Dabei wollen sie weniger die Rendite maximieren, sondern in erster Linie bei Anleihen wie auch bei Aktien die Marktrisiken so gering wie möglich halten.

          „Gewinne laufen lassen, Verluste reduzieren“, bezeichnen die Verantwortlichen von Ariqon ihre Maxime, was auf den ersten Blick ein bisschen wie die alte Börsen-Binsenweisheit „Buy low, sell high“ (Kaufe billig, verkaufe teuer) klingt. Tatsächlich hat sich der Fonds mit seiner kumulierten Rendite der vergangenen drei Jahre von knapp 20 Prozent für Rang fünf unserer Rangliste qualifiziert. Mit einer Standardabweichung von gerade einmal 2 Prozent weist der Fonds eine erstaunlich geringe Schwankungsanfälligkeit auf.

          Spezialitäten

          Ähnlich gut liegen hier nur der Select-Income-UI-Fonds der Hamburger Privatbank Berenberg mit 2,1 Prozent und der Deka-S-Rendite 1/2008 (5 Jahre Roll-over) mit 2,3 Prozent, der jedoch ein so spezieller Rentenfonds ist, dass die Fondsanalysten von Lipper ihn unter die Mischfonds einsortierten.

          Der Deka-Fonds ist ein fünfjähriger Laufzeitfonds, der zuletzt im Januar 2008 fällig geworden ist und den die Fondsgesellschaft der Sparkassen dann für weitere fünf Jahre neu aufgelegt hat. Er investiert ausschließlich in Zinstitel guter Bonität: in Bundesanleihen, in Anleihen der Bundesländer und in Schuldverschreibungen des deutschen Sparkassensektors. Dem Fonds kam zugute, dass er erst im zweiten Quartal 2008 den größten Teil seines Vermögens investierte und somit zu einem Zeitpunkt, zu dem die Renditen an den Zinsmärkten relativ hoch waren.

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