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Fondsbericht : Deutsche Staatsanleihen als Renditetreiber

Bild: F.A.Z.

Die Flucht in die Sicherheit treibt die Kurse deutscher Staatsanleihe in die Höhe. Mit ihnen wachsen die Renditen von Anleihefonds, die schwerpunktmäßig in Deutschland anlegen.

          Staatsanleihen wie die der Bundesrepublik Deutschland gelten seit jeher als Inbegriff der Langeweile unter den Finanzprodukten: sicher, liquide, aber mit nur bescheidener Rendite.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Selbst eherne Gesetze können jedoch ins Wanken geraten. So wird zum Beispiel der Ausfall von Staatsanleihen aus Ländern des Euro-Raums mittlerweile für denkbar (Portugal, Irland) oder sogar für wahrscheinlich gehalten (Griechenland). Viele Papiere, die zuvor von Ratingagenturen mit Höchstnoten bedacht wurden - der Definition nach also mit einem Ausfallrisiko von nahe Null -, sind mittlerweile wertlos, einst für liquide gehaltene Märkte sind ausgetrocknet und die Renditeträume vieler Aktionäre endeten im Albtraum.

          Mit Langeweile zum Anlageerfolg

          Die Zeiten haben sich geändert. Plötzlich versetzt ein bislang als langweilig empfundenes Produkt die Börsianer in Aufregung. Denn Bundesanleihen bieten ihnen genau das, was die meisten Finanzprodukte in dieser Krise nicht zu leisten vermochten: Sie sind, solange das kapitalistische Wirtschaftssystem nicht völlig zusammenbricht, ausfallsicher und liquide handelbar.

          Bliebe jedoch der Nachteil der meist dürftigen Rendite. Und genau an diesem Punkt mag manch Börsianer sein Glück kaum fassen: Bundesanleihen entwickeln sich in diesem Jahr zum Renditerenner. Einen jährlichen Kupon von 3,25 Prozent schrieb die Finanzagentur des Bundes Ende 2009 auf eine Anleihe mit zehn Jahren Laufzeit bis Januar 2020. Wer damals zu 100 gekauft hat, kann sich aktuell über Kurse von fast 109 Prozent freuen.

          Da 2020 die Rückzahlung zu 100 erfolgt, schmälert dies die Rendite für Neukäufer auf nur noch 2,22 Prozent, Käufer der ersten Stunde könnten nun jedoch fast 9 Prozent Kursgewinn in nicht einmal einem Jahr realisieren - oder auf weitere Kursgewinne hoffen.

          2016, 2020, 2024 - da legen wir alles an

          Von dem starken Zuspruch für Bundesanleihen aller Art profitieren auch Fonds, die sich auf Bundesanleihen spezialisiert haben. In unserer Rangliste der Rentenfonds mit der besten Wertentwicklung hat sich daher der DWS Vorsorge Rentenfonds 15Y auf Platz 6 vorgeschoben. In unserer jüngsten Veröffentlichung der Tabelle Anfang August konnte sich der Fonds noch gar nicht unter den besten 30 plazieren.

          Die Tabelle wird auf Basis der Wertentwicklung in den vergangenen drei Jahren erstellt. Im vergangenen halben Jahr weist der Fonds mit einem Plus von 16,5 Prozent die beste Wertentwicklung aller 30 Fonds der Rangliste auf. Fondsmanager Sascha Kayser investiert das Fondsvermögen von aktuell rund 250 Millionen Euro vor allem in länger laufende deutsche Staatsanleihen. So sind drei Viertel des Fondsvermögens derzeit in deutschen Staatsanleihen angelegt.

          Größte Positionen sind Bundesanleihen mit Laufzeiten bis 2024, 2016 und 2020. Morningstar bewertet den Fonds mit seiner Höchstnote von 5 Sternen, Lipper vergibt die Höchstnote für den Gesamtertrag und konsistenten Ertrag und schätzt die Kosten von 0,79 Prozent im Jahr als eher niedrig ein. Der zweitbeste Fonds in den vergangenen sechs Monaten hat seine überdurchschnittliche Wertentwicklung ebenfalls dem enormen Zulauf in deutsche Staatsanleihen zu verdanken.

          Auch die Schweizer sind dabei

          Bei dem iShares eb.rexx Government Germany 10.5+ handelt es sich um einen Indexfonds. Die Titelauswahl erfolgt somit nicht durch ein Fondsmanagement. Der Fonds bildet stattdessen genau den Index nach, indem er die entsprechenden Wertpapiere in ihrer Gewichtung im Index kauft. Mit einer Gesamtkostenquote von 0,16 Prozent ist der Indexfonds günstiger als entsprechende aktiv gemanagte Fonds.

          Der Index eb.rexx Government Germany 10.5+ bildet die Wertentwicklung in Euro begebener deutscher Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von mindestens 10,5 Jahren und einem ausstehenden Mindestvolumen von 4 Milliarden Euro ab. Derzeit beträgt die durchschnittliche Restlaufzeit der Staatsanleihen im Index gut 22 Jahre. Am schwersten gewichtet sind Bundesanleihen mit Laufzeiten bis 2037, 2034, 2031 und 2040. Der durchschnittliche jährliche Kupon beträgt derzeit gut 5 Prozent, die Effektivverzinsung knapp 3 Prozent. Der Index wird monatlich angepasst.

          Den beiden Fonds mit Schwerpunkt auf deutschen Staatsanleihen ist es durch die jüngsten Wertgewinne geglückt, in eine Phalanx aus global oder in Schwellenländern anlegenden Anleihefonds vorzustoßen. Daneben konnten sich lediglich Fonds mit dem Schwerpunkt Schweizer Staatsanleihen behaupten. Auch für sie gilt dasselbe Argument wie für die deutschen Schuldtitel: Die oft als langweilig empfundene Sicherheit ist plötzlich gefragt. Mit den gestiegenen Kursen ist aber die Wahrscheinlichkeit von Kursrückschlägen gestiegen. Auch mit deutschen Staatsanleihen können Anleger in überschaubarem Rahmen Verluste erleiden.

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