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Fondsbericht : Deutsche Nebenwerte ziehen an die Spitze

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Bild: F.A.Z.

Ein Aktienfonds der Union Investment für Nebenwerte übernimmt die Führung unter den Aktienfonds mit stabilem Ertrag. Doch ansonsten sind deutsche Fondsgesellschaften wenig vertreten. Sie haben die Anlageklasse vernachlässigt.

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          Jetzt beginnt es sich zu rächen, dass die deutschen Fondsgesellschaften in den vergangenen Jahren deutsche Nebenwerte vernachlässigt haben. Der Uni Deutschland XS der Union Investment ist der neue Spitzenreiter unter den besten Aktienfonds mit stabilem Ertrag.

          Dank einer Wertsteigerung von kumuliert 82 Prozent in den vergangenen drei Jahren übernimmt der Aktienfonds aus der Welt der Volks- und Raiffeisenbanken die Führung. Das ist umso bemerkenswerter, als Nebenwerte-Fonds ohnehin unsere Rangliste prägen. Sie stellen neun Fonds in der Tabelle der besten Aktienfonds mit stabilem Ertrag, die das Fondsanalysehaus Lipper regelmäßig für diese Zeitung berechnet. Lipper sucht dabei die 30 besten Aktienfonds auf Basis der Drei-Jahres-Rendite und wertet in dieser Kategorie ein Anlageuniversum von mehr als 3800 Fonds aus.

          Deutsche Gesellschaften nur mit Nischenfonds erfolgreich

          Drei Nebenwerte-Fonds sind auf Japan spezialisiert, drei weitere auf die Vereinigten Staaten. Hinzu kommt ein Nebenwerte-Fonds mit europäischer Ausrichtung von Standard Life und ein weiterer Deutschland-Fonds, dieses Mal von der UBS. Die deutschen Konkurrenten der Union Investment fehlen völlig.

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          Dabei wären deutsche Nebenwerte ein Heimspiel für sie. Doch viele Fondsgesellschaften haben Nebenwerte völlig vernachlässigt und sich stattdessen im Aktienbereich auf Unternehmen mit großer Marktkapitalisierung konzentriert. Immerhin sind hier noch die DWS mit dem DWS German Small and Mid Cap vertreten und Allianz Global Investors mit dem Allianz RCM Nebenwerte sowie mit dem Allianz RCM Adiselekt.

          Doch auch diese Fonds fristen eher ein Nischendasein. Der DWS-Fonds kommt auf ein verwaltetes Vermögen von gut 130 Millionen Euro. Der RCM Nebenwerte erreicht immerhin gut 400 Millionen Euro, investiert aber auch in Schwergewichte wie EADS. Und den Adiselekt stellt die Allianz im April komplett ein.

          Gesellschaften scheuen den Aufwand

          Investmentbanken und Spezialisten für Börseneinführungen beklagen regelmäßig, wie schwer es in Deutschland ist, Fondsmanager auch für kleinere Börsenkandidaten zu interessieren. Liegt die Marktkapitalisierung des Neulings dann auch noch bei weniger als 100 Millionen Euro, was häufig der Fall ist, winken die meisten Fondsmanager von vornherein ab. Börsenneulinge lassen sich in Deutschland im Prinzip nur noch bei Vermögensverwaltern und kleineren institutionellen Anlegern plazieren.

          Eine Ausnahme ist die bankenunabhängige Fondsgesellschaft Lupus Alpha, die längst zu groß ist, um noch als Fondsboutique tituliert zu werden. Die Anfänge von Lupus Alpha vor gut zehn Jahren liegen bei deutschen Nebenwerten. Dann weitete die Fondsgesellschaft ihr Angebot auf Absolute Return und Alternative Investments aus. Zwar weist auch der Lupus Alpha Smaller German Champions eine hohe Rendite für die vergangenen drei Jahre aus. Doch erst im vergangenen Jahr begann die Fondsgesellschaft, wieder größeres Interesse an dem Fonds zu sehen.

          Deutsche Nebenwerte fristen zu Unrecht ein Schattendasein. In den vergangenen drei Jahren stieg der Dax, der Leitindex für deutsche Standardwerte, zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Stand um 107 Prozent. Noch stärker entwickelte sich dagegen der M-Dax. Der Gradmesser für mittelschwere Aktien an der deutschen Börse stieg in den vergangenen drei Jahren zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Stand um 155 Prozent. Die Schwierigkeit für die Fondsmanager ist, dass es mit viel Mühe verbunden ist, die besten Nebenwerte zu finden. Lupus Alpha analysiert gut 6000 Unternehmen in Europa. Dieser Aufwand ist vielen Fondsgesellschaften zu teuer.

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