https://www.faz.net/-gvf-15cbx

Fondsbericht : Den Anlegern vergeht der Appetit auf Risiko

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Stimmung unter den Anlegern ist schlecht, die Risikoscheu nimmt zu. Was Wunder, wenn sich die Goldminenfonds vom Rückschlag des vergangenen Jahres zu erholen beginnen.

          2 Min.

          Wie schon in der dreijährigen Aktienbaisse nach der Jahrtausendwende nimmt auch in der laufenden Abschwungphase in der Anlegerschaft die Risikoscheu zu, je länger die Kursverluste an den Börsen andauern. Nach einer Anfang dieses Monats veröffentlichten Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) messen inzwischen fast 90 Prozent der Anleger bei ihrer Anlageentscheidung dem Sicherheitsaspekt eine sehr große beziehungsweise entscheidende Bedeutung zu. Der Renditeaspekt rückt dagegen mit 51 Prozent deutlich in den Hintergrund.

          Auch der Ausblick auf die kommenden Monate ist von Pessimismus geprägt. Nach der Beobachtung der drittgrößten deutschen Fondsgesellschaft Union Investment ist die allgemeine Stimmung unter den deutschen Anlegern schon wieder so schlecht wie im Jahre 2003, als die Jahrtausendbaisse ihren Tiefpunkt markierte. Nur noch knapp jeder Dritte glaubt, dass in nächster Zeit ein Aufwärtstrend an den Aktienmärkten einsetzen könnte, heißt es in ihrer quartalsweise durchgeführten Studie zum Anlegerverhalten.

          Und immer wieder China

          Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass sich in unserer aktuellen Rangliste mit Aktienfonds, die über die vergangenen drei Jahre hinweg die beste Wertentwicklung aufweisen können, die Spezialisten für besonders riskante Märkte ganz oben halten. China-Fonds waren nach den kräftigen Kursverlusten im ersten Halbjahr 2008 im Wettbewerbsvergleich zunächst zurückgefallen und mussten dabei unter anderem Fonds mit einem Anlageschwerpunkt in deutschen Aktien den Vortritt lassen.

          Während sich jedoch auf dem hiesigen Aktienmarkt die Abwärtsbewegung im Herbst nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers beschleunigte, beruhigte sich die Lage an den chinesischen Inlandsbörsen wieder etwas. Seit November weist die Tendenz in Schanghai und Schenzhen wieder leicht nach oben. Dadurch können die ersten China-Spezialisten über die vergangenen drei Jahre sogar wieder einen Wertzuwachs ausweisen.

          Goldminenfonds sind zurück

          Aus der Versenkung tauchen inzwischen auch wieder Aktienfonds mit einer Ausrichtung auf Goldminentitel auf. Den kräftigen Wertzuwächsen in den Jahren 2005 bis 2007 folgte im vergangenen Jahr ein ebenso kräftiger Einbruch, der sämtliche zuvor aufgelaufenen Gewinne wieder zunichtemachte. Goldminenaktien wird nachgesagt, mit einem gewissen Hebel auf die Entwicklung des Goldpreises zu reagieren. Das vergangene Jahr war diesbezüglich ein Musterbeispiel. Während der Goldpreis von seinen Höhen bei knapp über 1000 Dollar auf leicht unter 700 Dollar je Feinunze zurückfiel, halbierten sich zeitweise die Aktienkurse.

          Das schlug sich auch in der Wertentwicklung der entsprechenden Fonds nieder. Der bekannteste unter ihnen, der Blackrock BGF World Gold Fund, verzeichnete im Jahr 2008 ein Minus von 34 Prozent. Über die Wintermonate festigte sich der Goldpreis jedoch wieder, so dass sich die Aktien und damit auch der Fonds von dem Rückschlag wieder etwas erholen konnten. Seit Jahresbeginn verzeichnet der Blackrock-Fonds immerhin einen Wertzuwachs von rund 10 Prozent.

          Weiter aussichtsreich

          Nach Ansicht von Portfoliokonstrukteur Evy Hambro sollte den Kunden seines Fonds ein Schock wie im vergangenen Jahr erst einmal erspart bleiben. Für einen höheren Goldpreis sprächen vor allem die angebotsseitigen Fundamentaldaten. Dazu gehöre beispielsweise die nachlassende Minenproduktion. „Nach einem Minus von 3 Prozent im vergangenen Jahr rechnen wir für 2009 gar mit einem Rückgang um 5 Prozent“, sagt der Fondsmanager. Hinzu käme, dass europäische Zentralbanken nur begrenzt Goldbestände verkaufen würden.

          Auf der Nachfrageseite wiederum dürften zunächst die Finanzkrise und der Inflationsdruck vermutlich für Kaufinteresse sorgen. Langfristig aber sollte der steigende Wohlstand in den aufstrebenden Volkswirtschaften die Nachfrage aus der Schmuckindustrie stimulieren. Schließlich macht der Fondsmanager noch Übernahmespekulationen in der Branche als nicht zu unterschätzenden Kurstreiber aus: „Fehlende Erfolge in der Exploration und die fortschreitende Ausbeutung vorhandener Minen bedeuten, dass Firmenübernahmen trotz Kreditkrise inzwischen eine immer größere Rolle im Goldminensektor spielen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          EU-Unterhändler Michel Barnier

          Europäische Union : Hoffnung auf Gipfel-Deal zum Brexit

          Die EU und Großbritannien sind deutlich vorangekommen - und trotzdem ist ein neuer Brexit-Vertrag beim Treffen der Staats- und Regierungschefs in Brüssel noch keine ausgemachte Sache. Es steht ein schwieriger Gipfel bevor.

          Proteste in Hongkong : China setzt auf Konfrontation

          Der Hass auf Peking hat eine radikale Eigendynamik entwickelt. In Hongkongs Jugend wächst die Sehnsucht nach einer eigenen Nation. Für alle Seiten droht ein bitteres Ende.
          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.