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Fondsbericht : C-Quadrat kommt Carmignac bedrohlich nahe

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Der österreichische Dachfonds von C-Quadrat zeigt sich derzeit besonders stark, während der Lorbeer der französischen Gesellschaft Carmignac zu welken scheint.

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          Noch steht der Carmignac Patrimoine mit einer Wertentwicklung von 30 Prozent über drei Jahre an der Spitze unserer Rangliste der Mischfonds mit der besten Wertentwicklung.

          Doch er steht dort nicht mehr unangefochten. Der C-Quadrat Arts Total Return Global Ami kommt dem Paradeprodukt der französischen Fondsboutique in großen Schritten näher und erreicht für denselben Zeitraum eine Rendite von 28 Prozent.

          Historische und andere Vorsprünge

          Seinen entscheidenden Renditevorsprung holte sich der Carmignac Patrimoine im Herbst vergangenen Jahres, als die Aktienmärkte im Zuge der Insolvenz von Lehman Brothers einen historisch heftigen Kurseinbruch erlebten und die Finanzwelt einen Augenblick lang in den Abgrund schaute. Er habe zu diesem Zeitpunkt die Krise schon kommen sehen und sei rechtzeitig in sichere europäische Staatsanleihen gewechselt, erklärt der Pariser Star-Manager Edouard Carmignac seinen Renditevorsprung.

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          Das jedoch kann nicht die ganze Erklärung sein. Denn schon damals maß sich das Fondsvolumen des heute 9,4 Milliarden Euro schweren Patrimoine in Milliardenbeträgen, und da braucht es naturgemäß Zeit, um einen derart schweren Fonds in eine andere Richtung zu drehen. Auch kann ein Wechsel in Bundesanleihen allein nicht den Renditevorsprung erklären. Andere Instrumente und andere Spekulationen müssen hinzugekommen sein.

          Es ist verständlich, wenn sich ein Fondsmanager nur ungern in die Karten schauen lässt und seinen Verfolgern nicht unnötig Einblick in seine Strategie gewähren will. Doch die Zeiten haben sich dahin gehend geändert, dass die Anleger von den Fondsgesellschaften eine klare Kommunikation und größtmögliche Transparenz erwarten. Da passt Geheimniskrämerei schlecht ins Bild (vgl. "Wir sind kein Hedge-Fonds").

          Österreich holt auf

          In den vergangenen sechs Monaten jedenfalls hat sich die Rendite des Carmignac Patrimoine auf knapp 8 Prozent normalisiert. Der Arts Total Return Global Ami dagegen holt derzeit mächtig auf. Eine Rendite von gut 25 Prozent konnte der Fonds in den vergangenen sechs Monaten aus der Aufwärtsbewegung an den Weltbörsen herausholen.

          Gemanagt wird das Anlagevehikel von Leo Willert, einem österreichischen Fondsmanager, der einen ganz eigenen Investmentstil geprägt hat. Mit der Fondsgesellschaft Arts hatte er sich schließlich selbständig gemacht. An dieser ist seit einigen Jahren die österreichische Fondsgesellschaft C-Quadrat zu 45 Prozent beteiligt.

          Der ausgeruhte Trendfolger

          102 Millionen Euro sind derzeit im Global Ami angelegt, dem ersten Dachfonds, den Willert aufgelegt hatte. Alle 14 Arts-Fonds zusammen kommen laut Willert auf 930 Millionen Euro. Individualität ist Willerts Markenzeichen. Seine Anlagestrategie beruht auf einem Trendfolgesystem, das er selbst entwickelt hat und dessen Möglichkeiten er ohne Einschränkungen ausnutzen kann.

          Nur einmal die Woche, immer donnerstags, handelt er überhaupt. „Ich kann die Aktienfondsquote von 0 bis 100 Prozent fahren, genauso auch die Rentenfondsquote und die monetäre Quote“, sagt Willert. „Wir sind frei von jeder Benchmark.“

          Im vergangenen Jahr beispielsweise senkte er die Aktienquote von mehr als 80 Prozent auf weniger als 20 Prozent, zeitweise sogar auf 0 Prozent. Da hatte er die maximal erlaubten 20 Prozent in bar auf dem Konto und den Rest in Geldmarktfonds. Aktuell ist er zu 95,8 Prozent in Aktien engagiert, nachdem er vorübergehend sogar bei 100 Prozent lag. Den Anlageschwerpunkt legt er derzeit in Asien.

          Und wie geht es weiter? „Das dürfen Sie einen Trendfolger nicht fragen“, antwortet Willert. „Das System sagt mir derzeit: Man muss nicht unbedingt Aktien kaufen, aber wenn man welche hat, muss man sie nicht unbedingt verkaufen.“

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