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Fondsbericht : Anleger fliehen aus Aktienfonds

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Langfristige Sparpläne liefern derzeit ernüchternde Ergebnisse: Aus 12.000 Euro, die Anleger in Aktienfonds einzahlten, sind im Durchschnitt weniger als 5000 Euro geworden. Versprechen der Fondsbranche verfangen nicht mehr.

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          Die kräftigen Kursabschläge an den Aktienmärkten machen auch Fondsanlegern, die langfristig in Sparpläne einzahlen, zunehmend zu schaffen. Die kürzlich veröffentlichte Sparplan-Statistik des Bundesverbandes Investment (BVI) liefert ein ernüchterndes Bild. Wer beispielsweise über die vergangenen zehn Jahre Monat für Monat 100 Euro in einen Aktienfonds mit dem Anlageschwerpunkt Deutschland eingezahlt hat, musste im Durchschnitt je Jahr ein Minus von 9,7 Prozent hinnehmen. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass von den insgesamt eingezahlten 12.000 Euro ganze 4683 Euro übriggeblieben sind.

          Über die vergangenen zwanzig Jahre hellt sich das Bild nur unwesentlich auf. Zwar steht über diesen Zeitraum für Deutschland-Aktienfonds ein jährlicher Wertzuwachs von 3,2 Prozent zu Buche, so dass aus den eingezahlten 24 000 Euro mittlerweile 33 611 Euro geworden sind. Wird jedoch die Inflation berücksichtigt, bleibt danach kaum noch etwas übrig.

          Manche Fondsgattungen heben sich ab

          Fondssparer mit einem Fokus auf den Heimatmarkt schneiden damit sogar noch ganz gut ab. Europa-Aktienfonds weisen selbst über 20 Jahre einen leichten Verlust von 0,4 Prozent aus. Risikoärmere Rentenfonds oder offene Immobilienfonds heben sich davon ab. Rentenfonds-Sparpläne legten nach der BVI-Statistik über die vergangenen zehn Jahre um jährlich 2,8 Prozent und über die vergangenen 20 Jahre um 4,6 Prozent zu. Bei Immobilienfonds waren es über zehn Jahre 2,8 Prozent und über 20 Jahre 3,9 Prozent.

          Dass Aktien langfristig eine lohnende Anlageform sind, wie es Fondsanbieter gern behaupten, erweist sich vor diesem Hintergrund als zu großes Versprechen. Der Ernüchterung folgte in den vergangenen Monaten eine Fluchtbewegung. Nach einer Erhebung des Deutschen Aktieninstituts hat sich im zweiten Halbjahr 2008 jeder siebte Anleger in Aktienfonds von seinen Anteilen getrennt.

          Im Vergleich zum ersten Halbjahr sank die Zahl der Besitzer von Anteilen an Aktienfonds oder Mischfonds, die in Aktien wie auch Anleihen investieren können, von 7,7 auf 6,6 Millionen. Ursprünglich hatte die Fondsbranche vor der Einführung der Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge, die die Aktienanlage ab 2009 steuerlich schlechter stellt, mit der entgegengesetzten Entwicklung gerechnet.

          Vorsicht vor falschen Schlüssen

          Angesichts der starken Schwankungen an den Aktienmärkten in der Welt ist derzeit auch die Gefahr groß, aus den Anlageergebnissen der Vergangenheit die falschen Schlussfolgerungen für die Neuanlage zu ziehen. So weist der Fidelity Malaysia als führender Fonds in unserer aktuellen Rangliste über die vergangenen drei Jahre einen Wertzuwachs von 18 Prozent bei einer geringen Anzahl von Verlustmonaten auf.

          Mit Blick auf die vergangenen zwölf Monate relativiert sich das Bild allerdings wieder. So steil, wie es 2006 und 2007 mit den Kursen an der Börse Kuala Lumpur nach oben ging, so steil ging es im vergangenen Jahr wieder nach unten. Weil die Fondsanteile auf Dollar lauten, hat immerhin die zuletzt wieder erstarkte amerikanische Währung die Verluste etwas gedämpft. Ohne diesen Effekte hätten sich die Verluste über die vergangenen zwölf Monate auf 40 Prozent statt der ausgewiesenen 30 Prozent summiert.

          Verluste zu vermeiden ist für Fondsmanager derzeit so gut wie unmöglich. Ihr Erfolg bemisst sich vielmehr an der Verringerung des Wertabschlags. Dabei ist es einigen Portfoliokonstrukteuren mit einer Spezialisierung auf defensive Branchen in den vergangenen Monaten durchaus gelungen, sich von dem allgemeinen Abwärtstrend etwas abzusetzen. Dafür spricht beispielsweise die zunehmende Zahl von Branchenfonds mit einem Schwerpunkt in Pharmatiteln sowie Aktien aus dem Gesundheitswesen in unserer Rangliste.

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