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Der Fondsbericht : Erste Rentenfonds reagieren auf niedrige Zinsen

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Flucht in sichere Staatsanleihen hat Rentenfonds mit einem Schwerpunkt in diesem Bereich in den vergangenen Monaten zu einer starken Wertentwicklung verholfen. Das Niedrigzinsumfeld bedroht aber langsam ihr Geschäftsmodell.

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          Die Flucht in sichere Staatsanleihen hat Rentenfonds mit einem Schwerpunkt in diesem Marktsegment in den vergangenen Monaten zu einem kräftigen Schub in der Wertentwicklung verholfen. Im Durchschnitt legten Euro-Rentenfonds über zwölf Monate um rund 4 Prozent zu.

          Die besten Fonds erwirtschafteten sogar 10 Prozent und mehr, wie aus unserer aktuellen Rangliste hervorgeht. Damit sollte nach Steuern und Inflation für die investierten Anleger tatsächlich noch etwas übrigbleiben. Bis Mitte vergangenen Jahres war das angesichts eines durchschnittlichen Wertzuwachses von lediglich 2 Prozent überwiegend nicht der Fall.

          Frage nach dem Mehrwert von klassischen Euro-Rentenfonds

          Es ist allerdings nur eine Frage der Zeit, bis sich für Fondssparer erneut die Frage nach den Mehrwert von klassischen Euro-Rentenfonds im Vergleich zur Direktanlage oder zu den billigeren Börsen-Indexfonds stellt. Die jüngsten Wertzuwächse sind vor allem auf Kursgewinne angesichts der deutlich gestiegenen Nachfrage nach sicheren Wertpapieren zurückzuführen. Dieser Effekt läuft demnächst aus. Stattdessen wird der Blick frei auf die inzwischen extrem niedrige Verzinsung von Staatstiteln. Schon jetzt wirft eine Bundesanleihe mit zehn Jahren Restlaufzeit nur noch 3 Prozent ab.

          Dabei kostet allein die jährlich fällige Verwaltungsgebühr Fondssparer normalerweise gut ein Prozent des Wertzuwachses. Hinzu kommt die Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag. Auch die Inflation von derzeit rund einem Prozent sollte nicht aus den Augen verloren werden. Wird dann noch der volle Ausgabeaufschlag von normalerweise 3 Prozent berücksichtigt, der als Provision an den Fondsverkäufer fließt, fallen Rentenfonds im Vergleich zur Direktanlage in festverzinslichen Staatstiteln wie Bundesanleihen und Schatzbriefen hoffnungslos zurück.

          Niedrigzinsumfeld bedroht das Geschäftsmodell der Rentenfonds

          Die ersten Fondsgesellschaften nehmen die Bedrohung durch das Niedrigzinsumfeld für das Geschäftsmodell der Rentenfonds durchaus ernst. Der entscheidende Hebel, den sie in der Hand halten, ist dabei eine Veränderung der Gebührenstruktur. Unter den deutschen Fondsanbietern hat kürzlich der Marktführer DWS Investments die Rolle des Schrittmachers übernommen. Mit einem Verweis auf die niedrigen Zinsen kündigte die Gesellschaft an, die Verwaltungsgebühren um bis zu 20 Prozent zurückzunehmen.

          Den Anfang machte allerdings schon vor knapp einem Jahr mit der britischen Fondsgesellschaft Schroders ein ausländischer Anbieter. "Mit der Gebührensenkung kommt mehr Gewinn bei den Anlegern an", begründete damals Achim Küssner, verantwortlich für das Deutschland-Geschäft von Schroders, die Entscheidung. "Zudem vergrößert es die Chancen für das Fondsmanagement, besser als der Marktdurchschnitt abzuschneiden." Der Anbieter nahm dabei für drei seiner am weitesten in der Anlegerschaft verbreiteten Fonds die jährliche Verwaltungsgebühr von dem marktüblichen einen Prozent auf 0,75 Prozent zurück. Es handelte sich dabei um zwei auf Unternehmensanleihen spezialisierte Rentenfonds - Schroder ISF Euro Corporate Bond und Schroder ISF Global Corporate Bond - sowie den Schroder ISF Absolute Return Bond.

          Allerdings versucht Schroders derzeit, die beiden Fonds mit Unternehmensanleihen nicht nur über das Kostenargument zu verkaufen. "Wenn die Inflation zurückkehrt, wird sie eher ein Problem für Staatsanleihen als für Unternehmensanleihen sein, weil Letztere durch ihre höheren Renditen mehr Spielraum haben, die Inflation zu übertreffen", sagt Fondsmanager Adam Cordery. In jedem Fall sollten Unternehmensanleihen 2009 besser abschneiden als die staatlichen Schuldpapiere. Vorsicht ist jedoch beim Ausgabeaufschlag geboten, der bei den Schroders-Rentenfonds bis zu 5,26 Prozent betragen kann.

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