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Der Fondsbericht : Das große Rätsel um die Rendite

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Bild: FAZ.NET

Ranglisten sind bei Anlegern aber auch in der Fondsbranche beliebt. Doch keine gleicht der anderen. Meist stimmen weder die Zusammensetzung noch die Renditen überein. Ein Beispiel dafür liefert die Auswertung der besten Rentenfonds.

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          Ranglisten sind in der Fondsbranche beliebt, doch keine gleicht der anderen. Meist stimmen weder die Zusammensetzung noch die Renditen überein. Ein Beispiel dafür liefert die Auswertung der besten Rentenfonds.

          Unsere aktuelle Rangliste, die auf Daten des Fondsanalysehauses Lipper beruht, zeigt die besten Rentenfonds mit stabilem Ertrag auf Basis der kumulierten Rendite in den vergangenen drei Jahren.

          Berechnung einer Rendite scheint einfach zu sein, ist jedoch hoch umstritten

          Spitzenreiter ist hier der Fonds Templeton Global Bond der amerikanischen Fondsgesellschaft Franklin Templeton mit 50,5 Prozent Rendite. Die Fondsanalysten von Morningstar dagegen plazieren unter den besten international anlegenden Rentenfonds für die vergangenen drei Jahre den Templeton Global Total Return ganz oben. Der Templeton Global Bond kommt an dritter Stelle nach dem Thames River Global Bond, den auch Lipper auf Rang zwei einsortiert.

          Bei Morningstar weist der Templeton Global Bond auf Drei-Jahres-Basis eine Rendite von 14,25 Prozent auf. Diese Ratingagentur zieht die durchschnittliche Jahresrendite heran, so dass der Anleger drei Mal den Wert 1,1425 multiplizieren muss, um ihn mit den Lipper-Zahlen vergleichen zu können. Das ergibt jedoch eine kumulierte Rendite von 49,1 Prozent - ein Unterschied von mehr als einem Prozentpunkt.

          Die Berechnung einer Rendite scheint einfach zu sein, ist jedoch hoch umstritten. Die Rendite einer Geldanlage ergibt sich aus dem Verhältnis des Gewinns (oder Verlusts) zum eingesetzten Kapital. Entgegen einer landläufigen Ansicht muss die Rendite jedoch nicht als Jahreswert ausgedrückt werden. Bei einem jährlichen Durchschnittswert wird meist unterstellt, dass sich der jährliche Gewinn gleichmäßig über die Jahre verteilt. Dies muss nicht so sein. Bei vielen Anlageformen ist es sogar sinnvoller, die Rendite nicht in einen Jahreswert zu fassen, beispielsweise bei einer unternehmerischen Beteiligung, bei der ein Anleger seinen eventuellen Gewinn auf einen Schlag am Ende der Laufzeit ausbezahlt bekommt. Die annualisierten Renditen dagegen haben den Vorteil, dass sich so unterschiedliche Anlageformen mit verschiedenen Anlagehorizonten vergleichen lassen.

          Die Berechnungstücken liegen im Detail

          So eingängig die Renditeformel ist, so viele Tücken hat sie im Detail. So ist oft gar nicht klar, welchen Betrag der Anleger tatsächlich anlegt. Hier sind die Ratingagenturen gefordert. Die Analysten vergleichen nicht einfach den Wert eines Fondsanteils am Tage X mit dem am Tage Y. Sie versuchen vielmehr, die Rendite um die Kosten, die dem Anleger aufgebürdet werden, zu bereinigen. So wollen sie die Rendite herausfinden, die der Anleger tatsächlich auf sein eingesetztes Kapital erzielt. Wenn der Bankberater beim Kauf von Fondsanteilen einen Ausgabeaufschlag von 5 Prozent erhebt, ist die Basis richtigerweise nicht 100 Prozent des eingesetzten Kapitals, sondern 95 Prozent. Je nachdem, auf welche Bezugsgröße der Anleger die Rendite berechnet, also ob er vor oder nach Kosten rechnet, fällt das Ergebnis anders aus.

          Genauso schmälern die jährlichen Verwaltungsgebühren die Rendite, die der Anleger mit seiner Fondsanlage erzielt. Erhebt eine Fondsgesellschaft nur eine jährliche Verwaltungsgebühr, bleibt die Rechnung vergleichsweise einfach. Doch wie verhält es sich, wenn eine Fondsgesellschaft ihre Gebühren nach Anlagebetrag, nach Erfolg oder einem anderen Kriterium staffelt? Hier müssen sich die Fondsanalysten entscheiden, ob sie sich beispielsweise an einen Großanleger oder an einen Kleinsparer richten. Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, verändert sich die ausgewiesene Rendite. Anleger sollten somit bei den Renditeangaben eine gewisse Unschärfe einkalkulieren.

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