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Investmentfonds : Anlegern könnten höhere Steuern drohen

  • Aktualisiert am

Ungemach droht aus den Fluren des Finanzministeriums. Bild: Frank Röth

Ein neuer Entwurf zur Reform des Investmentsteuergesetzes könnte für deutsche Fondsanleger sehr unerfreulich werden.

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          In der vergangenen Woche hat das Bundesfinanzministerium einen Diskussionsentwurf zur Reform des Investmentsteuergesetzes vorgelegt. Bislang wurden Investmentfonds in Deutschland nicht besteuert, sondern lediglich die Anleger, die Fondsanteile hielten. Das hatte vor allem zur Folge, dass in Deutschland beheimatete Publikumsfonds die im Gesetz vorgesehene Kapitalertragssteuer in Höhe von 15,825 Prozent (einschließlich Solidaritätszuschlag) auf Dividenden deutscher Unternehmen und Einkünfte aus deutschen Immobilien zurückerstattet erhielten.

          Nach dem neuen Entwurf sollen die Fonds künftig diese Steuer von 15,825 Prozent auf Dividenden und Immobilieneinkünfte zahlen, berichtet das Branchenmagazin „Fonds professionell“. Dafür sollen Anleger wiederum Steuererleichterungen erhalten. So könnten bei Aktienfonds 20 und bei Immobilienfonds 40 bis 60 Prozent der Erträge steuerfrei bleiben, sofern die betreffenden Fonds mehrheitlich in Aktien bzw. Immobilien investiert sind.

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          Mit dieser Reform werde das sogenannte Transparenzprinzip aufgegeben und sich die Besteuerung von Fonds oder. Anteilseignern erheblich verkomplizieren, schreibt „Fonds professionell“. Zudem würden Investments in deutsche Fonds unattraktiver. Die Verbände könnten bis 1. September Stellung beziehen.

          Grund der Reform sei europäisches Recht. Denn die Steuerbefreiung gilt nur für deutsche Fonds. Ausländische Fonds, die in die gleichen Vermögenswerte investieren, seien steuerpflichtig. Laut dem Europäischen Gerichtshof stellt dies eine unzulässig Benachteiligung dar. Doch will der deutsche Fiskus offenkundig nicht auf diese Einnahmen verzichten. Branchenkenner sähen in dem Entwurf, mit dem noch kein Gesetzesvorhaben verbunden ist, ein Testen der Reaktion.

          Nicht betroffen wären auf Antrag nach dem Entwurf Riester- und Rürup-Fonds, kurz alle Anteile, die im Rahmen von Altersvorsorge- oder Basisrentenverträgen gehalten würden, so der Entwurf.

          Gelten soll die Steuerpflicht dagegen auch für Spezialfonds für institutionelle Investoren, wobei diese die gezahlten Kosten in aller Regel wahrscheinlich vom Fiskus wieder erstattet bekämen, so das Branchenmagazin. Die steuerliche Behandlung der institutionellen Fonds würde sich daher sehr wahrscheinlich faktisch kaum ändern. Die Steuerexperten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC befürchteten daher, dass vermögende Kunden ihr Geld aus Publikums- in Spezialfonds oder in freie Mandate transferieren könnten.

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