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Fonds : „Talents Fund“ von Axa sticht Rivalen aus

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Bild: FAZ.NET

Der „Talents Fund“ von Axa SA hat das Anlagekapital seiner Kunden in den vergangenen drei Jahren verdoppelt. Der Fondsmanager vertraut mir Erfolg auf aktive, dominante Unternehmenseigner. Allerdings geht die Rechnung nicht immer auf.

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          Der „Talents Fund“ von Axa SA hat das Anlagekapital seiner Kunden in den vergangenen drei Jahren verdoppelt. Damit weist das 318 Millionen Euro schwere Portefeuille die beste Performance aller in Frankreich vertriebenen globalen Aktienfonds auf.

          Das Geheimnis von Fondsmanager Charles Firmin Didot: Er setzt auf Talente der Investmentbranche, darunter Warren Buffett, Edward Lampert und Vincent Bolloré.

          Vertrauen auf aktive, dominante Unternehmenseigner

          „Ich vertraue Unternehmern, die Großaktionäre sind und bewiesen haben, daß sie langfristig Wert schöpfen können“, sagt Firmin Didot, der den Fonds 2001 aufgelegt hat. Rund 50 Millionen Dollar hat er in Unternehmen investiert, die Buffett, Lampert und Bolloré entweder gehören oder von ihnen geleitet werden. „Wir stellen sicher, daß es bei dem Unternehmen und seinem Manager keinen Unterschied gibt.“

          Buffett, mit einem von Forbes auf 40 Milliarden Dollar geschätzten Vermögen der zweitreichste Mann der Welt, ist Chairman und Vorstandschef von Berkshire Hathaway. Lampert, Chairman von Sears Holding, war im vergangenen Jahr der bestbezahlte Hedge-Fondsmanager: Nach Informationen von Institutional Investor soll er eine Milliarde Dollar verdient haben. Bolloré ist auch Chairman von Havas.
          Die Tatsache, daß Axa Talents auf Talente setzt, zeigt sich auch an seiner Wertentwicklung. In den vergangenen drei Jahren hat der Fonds 97 Prozent zugelegt, verglichen mit einem Plus von 58 Prozent für seine Benchmark, den MSCI World Index.

          Für Firmin Didot zählen Unternehmen mit einem dominierenden Anteilseigner oder Gründer, weil das die Entscheidungsprozesse beschleunigt und vereinfacht. Buffett hält etwa 38 Prozent der A-Aktien von Berkshire. Sie haben in den 20 Jahren bis 2004 fast das Dreißigfache an Wert gewonnen. Seitdem ist der Kurs 3,2 Prozent auf 85.100 Dollar abgebröckelt. Druck kam von Befürchtungen, daß der Konzern in die Ermittlungen gegen American International Group wegen unsauberer Bilanzierungspraktiken hineingezogen werden könnte.

          Trotzdem ist Buffett, das so genannte „Orakel aus Omaha“, ein Star. Zur Hauptversammlung von Berkshire kommen jedes Jahr Zigtausende, um sich Anlageratschläge vom Milliardär zu holen. „Wir kaufen Talente, wenn sie günstig zu haben sind, und das ist bei Buffett im Moment der Fall“, sagt Firmin Didot. Allerdings bergen Großaktionäre auch Risiken, wenn sie ein Unternehmen zum Nachteil der Kleinaktionäre führen. „Wenn die Kontrolle in einer einzigen Hand liegt, dann hat der Fondsmanager wenig Einflußmöglichkeiten“, warnt David Somerlinck von Pensions & Investment Research Consultants in London. Ein Anteilseigner, dem mehr als 50 Prozent am Unternehmen gehören, sei ein „Steuerungsrisiko“.

          Allerdings geht es nicht immer auf

          Diese Erfahrung mußte Axa mit GOME Electrical Appliance Holdings machen. Vor etwa sechs Monaten investierte Firmin Didot in Chinas größten Hersteller von Haushaltsgeräten. Damals stand der Kurs bei sieben Hongkong-Dollar, inzwischen ist er 34 Prozent auf 4,62 Dollar in lokaler Währung eingebrochen. Huang Guangyu, Chairman von GOME und Chinas reichster Mann, hält zwei Drittel des Aktienkapitals.

          Sears-Aktien hat Firmin Didot deshalb ins Portefeuille genommen, weil er Ähnlichkeiten zwischen den Strategien von Buffett und Lampert sieht. Letzterer hatte die Investorenbriefe von Buffett studiert, als er im Risikomanagement von Goldman Sachs Group arbeitete. Heute leitet Lampert nicht nur Sears, sondern ist auch Chairman von ESL Investments.

          Zu den größten und besten Investments in diesem Jahr gehört Financière de l'Odet, die Holdinggesellschaft von Bolloré. Ihr Kurs hat sich seit Jahresbeginn verdoppelt. Darüber hinaus ist der Axa Talents in Inter Parfums investiert. Der Aktienkurs des Parfümherstellers, der sich auf Modeketten spezialisiert hat, ist dieses Jahr um 26 Prozent gestiegen. Softbank, gegründet von Vorstandschef Masayoshi Sun, ist eine weitere Top- Position im Portefeuille. Die Aktie von Japans zweitgrößtem Internet-Provider hat 31 Prozent an Wert gewonnen.

          Firmin Didot, der in seiner Freizeit einen Kunstbuchverlag leitet, hat die Ecole Polytechnique in Paris besucht, wo er Naturwissenschaften, Geschichte, Philosophie und Malerei studierte. Nach seinem Abschluß an der Elite-Hochschule ging er als Fondsmanager zu JPMorgan Chase & Co. 2003 wechselte er in die Vermögensverwaltung von Axa, Europas zweitgrößtem Versicherungskonzern. Dort verwaltet er den Fonds, den er selbst 2001 aufgelegt hat.

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