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Fonds/Strategie : Institutionelle setzen Strategien mit ETFs um

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Börsengehandelte Fonds setzen sich bei institutionellen Anlegern immer mehr durch. Sie scheinen ideale Instrumente zu sein, um spezifische Strategien umzusetzen. Die Leerverkäufe haben deutlich zugenommen.

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          Börsengehandelte Fonds (ETF) mögen es zwar noch nicht so richtig ins Bewußtsein der Privatanlegern geschafft haben, aber bei institutionellen werden die immer beliebter. Denn zumindest die Indexfonds sind deutlich kostengünstiger, als die mit aktivem Management. Gleichzeitig sind sie nie schlechter als der Markt. Denn sofern sie sich auf einen breiten Index beziehen, entsprechen sie dem Markt.

          Das Interessante besteht nicht nur in den günstigeren Kosten. Sondern die Auswahl an mehr als 290 börsengehandelten Fonds mit Branchen-, Anlagestil-, Länder- oder Regionalbezug erleichtert den Zugang zu verschiedenen Märkten. Ein Anleger kann sich auf diese Weise auf breit diversifizierter Basis dort einkaufen, wo die Wirtschaft auf makroökonomischer Ebene besonders gut läuft und wo er besonders starkes Gewinnwachstum bei den Unternehmen generell erwartet. Das könnte insbesondere für Schwellenländerbörsen gelten, wo in direkter Einstieg für den Normalanleger nicht so einfach sein dürfte.

          ETFs ideale Instrumente, um spezifische Strategien umzusetzen

          Gleichzeitig kann er sich kleinere Nischen oder Segmente konzentrieren, um dem eigenen Depot noch den „besonderen Pep“ zu verleihen. Sei es mit der sorgfältigen Auswahl besonders viel versprechender Einzelwerte - etwa im Segment der „Börsenwinzlinge“. Oder bei der Spekulation auf besondere Gelegenheiten mit Optionsscheinen, Zertifikaten oder Ähnlichen. Eine solche Möglichkeit bot sich beispielsweise noch vor ein paar Tagen, als die Volatilitäten an den Aktienmärkte mehrjährige Tiefs erreichten. Der VDax beispielsweise lag bei 16,5 Prozent. Am Dienstag liegt er mit 26,25 Prozent knapp 60 Prozent darüber. Der Kauf von Volatilität hätte sich demnach bezahlt gemacht.

          Institutionelle Anleger nutzen die Instrumente immer mehr, um so genannte „Long-Short-Strategien“ zu etablieren oder um sich einfach nur gegen fallende Kurse abzusichern. Grund dafür ist ihre Ähnlichkeit mit Indizes, ihre hohe Liquidität in Amerika aber vor allem auch der Wegfall der so genannten „Up-Tick-Rule“. Im Gegensatz zu Einzelaktien können Anteile an ETFs deswegen jederzeit ausgeliehen und verkauft werden, um sich beispielsweise gegen fallende Kurse abzusichern.

          „Short Interest“ deutlich zugenommen - vor allem bei Anleihefonds

          Glaubt ein Fondsmanager etwa, klein kapitalisierte Werte würden nach der exzellenten Kursentwicklung der vergangenen Monate künftig schlechter abschneiden, als die großen Standardwerte, so verkauft er einen auf die „Kleinwerte“ bezogenen Fonds leer und erwirbt dagegen einen Fonds auf den S&P 500, den Dax oder andere. Er kann auf diese Weise auch so genannte „Value-Aktien“ gegen Wachstumsaktien ausspielen - oder umgekehrt.

          Besonders interessant kann die Entwicklung des so genannten „Short Interests“ sein. Also die Frage, wie stark solche Fonds leerverkauft wurden. Jüngste Daten zeigen nach einer Analyse von Morgan Stanley, daß sich das „Short Interest“ im Februar auf dem höchsten Stand seit zwölf Monaten lag. Besonders ausgeprägt war das Verhältnis für den Nasdaq 100 und den S&P 500. Die „Leerverkaufsquote“, also der Anteil der geliehenen und leer verkauften Fondsanteile an der gesamten Stückzahl lag danach im Nasdaq 100 Index Trackings Stock bei 56 Prozent und beim auf Finanzwerte spezialisierten Financial Select Sector SPDR bei satten 82,86 Prozent.

          Diese Verhältnisse sind damit deutlich höher als bei Einzelaktien, wo die „Short-Ratio“ in der Regel im Durchschnitt nur bei einem bis zwei Prozent liegt. Auffällig ist die Verhältniszahl beim iShares Lehman 20+ Year Treasury Bond Fund: sie lag im Februar bei 301,17 Prozent. Das heißt, es wurden dreimal mehr Anteile leer verkauft, als überhaupt im Umlauf sind. Das dürfte grundsätzlich ziemlich riskant sein. Gleichzeitig ist die Wahrscheinlichkeit wohl nicht sehr groß, daß die Zinsen in Amerika noch einmal massiv fallen werden. Für einzelne Privatanleger mag der Leerverkauf von ETFs nicht möglich sein. Allerdings kann er ausweichen auf Futures oder Optionen, wie sie beispielsweise an der Eurex gehandelt werden.

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