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Fonds : Private Equity schwimmt im Geld

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Anleger haben dem amerikanischen Investor Blackstone rund 12,5 Milliarden Dollar für einen neuen Fonds zugesagt, heißt es in Finanzkreisen. Auch in Deutschland werden in den nächsten Monaten zahlreiche Übernahmen durch Private Equity erwartet.

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          Die außerbörslichen Beteiligungsgesellschaften können sich vor Geldern kaum noch retten. Angesichts zum Teil hoher zweistelliger Renditen stehen Investoren wie Pensionsfonds, Versicherungen und vermögende Privatleute bei den großen Private-Equity-Häusern derzeit Schlange.

          Dem amerikanischen Finanzinvestor Blackstone haben die Anleger bis dato insgesamt rund 12,5 Milliarden Dollar für einen neuen Fonds zugesagt, ist in Finanzkreisen zu hören. Damit würde die New Yorker Investmentgesellschaft die erst vor kurzem aufgestellten Rekorde der Konkurrenten Goldman Sachs Capital Partners und Carlyle überflügeln und sich den Titel des weltgrößten Private-Equity-Fonds zurückerobern.

          Günstiges Zinsumfeld

          Allerdings sei der Fonds noch nicht geschlossen, hieß es in Finanzkreisen. Blackstone-Sprecher John Ford wollte sich zu dem neuen Fonds nicht äußern. Blackstone gehört mit einem Imperium von 75 Unternehmen in Europa und Nordamerika zu den größten Beteiligungsgesellschaften der Welt. In Deutschland hat sich die Gesellschaft unter anderem den Chemiehersteller Celanese gegriffen - die hierzulande größte Übernahme eines börsennotierten Unternehmens durch einen Private-Equity-Fonds.

          Beteiligungsgesellschaften übernehmen mit einer Mischung aus Fondskapital und Schulden ganze Unternehmen, versuchen, deren Wert zu steigern, und verkaufen sie nach einigen Jahren weiter. Das derzeit günstige Zinsumfeld heizt dieses Geschäft an und lockt immer mehr Wettbewerber. Nach Schätzungen des Forschungsinstituts Private Equity Intelligence werden diese Fonds 2005 die Rekordsumme von 200 Milliarden Dollar einwerben.

          2 Billionen Euro Vermögen

          Schon heute verfügen die 6000 Beteiligungsfonds der Welt nach Angaben der Beratungsgesellschaft Avida Advisers über ein verwaltetes Vermögen von 2 Billionen Euro, mehr als doppelt soviel wie die zunehmend als Wettbewerber auftretenden Hedge-Fonds. Auch in Europa laufen die Finanzinvestoren derzeit eifrig mit dem Klingelbeutel umher.

          CVC, die vor kurzem von Eon den Meßtechnikhersteller Ruhrgas Industries gekauft hat, sammelt mehr als 5,5 Milliarden Euro ein. Und Terra Firma, die vor einigen Monaten mit der ebenfalls von Eon für 7 Milliarden Euro erstandenen Immobiliengesellschaft Viterra die bislang größte deutsche Private-Equity-Übernahme gestemmt hat, bereitet sich Marktgerüchten zufolge nach nur anderthalb Jahren auf den nächsten Fonds im Volumen von 4 Milliarden Euro vor.

          Zahlreiche Übernahmen

          Ein nicht unerheblicher Teil der neuen Fondsgelder wird wohl nach Deutschland fließen. „Wir haben hier rasch expandiert - das ermutigt uns, noch aktiver zu werden“, hatte Blackstone-Gründer Stephen Schwarzman im Februar dieser Zeitung gesagt. Weil immer mehr Fonds um immer weniger Übernahmeobjekte rangeln, könnten ähnlich wie in Amerika auch hier bald große börsennotierte Unternehmen ins Visier der Finanzinvestoren geraten. „Ich kann mir das gut vorstellen, daß bald auch ein Dax-Unternehmen erworben wird“, sagte Michael Boltz, für Deutschland zuständiger Director der britischen Beteiligungsgesellschaft Electra Europe, die am Montag ihren zweiten Fonds im Volumen von 1,25 Milliarden Euro bekanntgab. Den Dax hat Electra aber nicht auf dem Radarschirm, sie konzentriert sich auf Unternehmenswerte bis zu 400 Millionen Euro.

          Von der Größenordnung einer Celanese, die für 3,1 Milliarden Euro über die Ladentheke ging, ist manches Dax-Unternehmen gar nicht weit entfernt. Als Kandidaten werden häufig nicht eng auf ein Geschäftsfeld konzentrierte Konzerne wie MAN, Linde oder TUI genannt. Bei der Münchener MAN sind angeblich bereits mehr als 15 Prozent der Aktien im Besitz von Hedge-Fonds. Boltz erwartet in Deutschland bis zum Jahresende zahlreiche Übernahmen durch Private Equity. „Im zweiten Halbjahr wird noch vieles zum Abschluß kommen.“ Auch aus der Wagniskapitalszene gibt es hierzulande Lebenszeichen: Die Branchengröße Wellington gab bekannt, ihren neuen Fonds im Volumen von 150 Millionen Euro nun endgültig geschlossen zu haben.

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