https://www.faz.net/-gv6-t0p2

Fonds : Nur wenige Aktienfonds schlagen den Index

  • Aktualisiert am

Wo stehe ich zum Index? Bild:

Nur wenige Aktienfonds schlagen ihren Vergleichsindex, so das Ergebnis einer Untersuchung von e-fundresearch.com. Längerfristig schafft es gerade einmal ein Viertel aller Fonds. Die Kosten aktiver Produkte sind oft nicht gerechtfertigt.

          Nur wenige Aktienfonds schlagen ihren Vergleichsindex. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Fondsanalysehauses e-fundresearch.com. Auf fünf und zehn Jahre betrachtet schafft es gerade einmal ein Viertel aller Fonds, den jeweiligen Vergleichsindex zu schlagen.

          So haben beispielsweise nur 15 Prozent aller Fonds, die in amerikanische Aktien investieren, auf Zehnjahresfrist den Standard&Poor's-Index geschlagen; nur 10 Prozent aller Europa-Aktienfonds haben in diesem Zeitraum den MSCI Europe übertroffen.

          Viele Fondsmanager sind „zu passiv“

          Einen Grund für das schlechte Abschneiden vieler Fonds sieht Christian Schreckeis, Analyst bei e-fundresearch, in der Passivität vieler Fonds: "Viele Fonds folgen ihrem Vergleichsindex so nahe, daß man eigentlich nicht mehr von aktivem Fondsmanagement sprechen kann." Das läßt sich sogar messen: Der sogenannte Tracking Error, der die Abweichung eines Fondsportfolios vom Vergleichsindex angibt, liegt beispielsweise für Europa-Aktienfonds gemessen am MSCI Europe über zwei Jahre gerechnet bei 3,8 Prozent. Mit anderen Worten: Die jährliche Differenz zwischen der Fondsrendite und der Rendite des Index liegt zwischen minus und plus 3 Prozent. Noch vor zwei Jahren lag dieser Wert bei fast 8 Prozent.

          Die europäischen Fondsmanager haben sich also in den vergangenen Jahren immer weniger von ihrem Vergleichsindex entfernt. Ein Grund für dieses Verhalten kann Schadensbegrenzung seitens des Fondsmanagements sein. Denn wer sich zu weit vom Index entfernt und scheitert, verliert rasch seinen Arbeitsplatz, wer sich aber in der Nähe des Vergleichsindex bewegt, glänzt nicht, fällt aber auch nicht negativ auf. Allerdings ist der sinkende Tracking Error auch den Marktumständen geschuldet: "In den vergangenen Jahren haben sich die meisten Aktien im Gleichklang entwickelt - das hat es für Fondsmanager schwerer gemacht, sich vom Index abzusetzen. Der niedrige Tracking Error ist auch ein Resultat der Marktentwicklung", sagt Ferdinand Haas vom Maklerpool BCA.

          Was es den Fonds noch erschwert, mit ihren Indizes mitzuhalten, sind die in den Wertentwicklungszahlen enthaltenen Kosten - diese müssen Fonds zunächst einmal verdienen, bevor die Wertentwicklung des Vergleichsmaßstabes in Reichweite rückt. Zum Vergleich: Ein passiver börsengehandelter Indexfonds (ETF) auf große Aktienindizes weist Schreckeis zufolge eine Gesamtkostenbelastung von 0,3 bis 0,4 Prozent auf; aktiv geführte Aktienfonds hingegen bringen es auf rund 1,6 Prozent. "Obwohl viele Fonds sehr indexnah investieren und in die Nähe passiver Produkte rücken, haben sie eine deutliche höhere Kostenbelastung", sagt Schreckeis. In der Gesamtkostenbelastung nicht enthalten sind zudem die sogenannten Transaktionskosten, die durch den Kauf und Verkauf von Wertpapieren entstehen. Auch hier sind die Fonds Schreckeis zufolge teurer geworden: "Anfang der achtziger Jahre hielten Fondsmanager einen Titel noch im Schnitt fünf Jahre, jetzt ist es noch knapp ein Jahr. Die dabei entstehenden höheren Transaktionskosten machen es für Fonds noch schwerer, ihren Index zu schlagen."

          Nischenfonds haben Chancen, den Index zu schlagen

          Die Studie von e-fundresearch zeigt allerdings auch, daß es Fonds gibt, die ihren Index schlagen. Als Faustformel gilt dabei, daß aktiv geführte Fonds um so eher ihren Index schlagen können, je intransparenter und ineffizienter der Markt ist, in den diese Produkte investieren. "Nischenmärkte bieten Fondsmanagern immer wieder Gelegenheit, Ineffizienzen auszunutzen und dadurch ihren Index zu schlagen", sagt Detlef Glow vom Fondsanalysehaus Lipper. Diese Überlegungen werden auch von Zahlen von Lipper bestätigt: Die meisten Fonds haben im laufenden Jahr im Schnitt schlechter abgeschnitten als die passiv verwalteten ETFs - ausgenommen in kleineren, ineffizienteren Marktsegmenten wie Nebenwerten oder in kleinen Aktienmärkten wie Belgien oder den Niederlanden.

          Aktiv verwaltete Fonds haben einen weiteren Nachteil: Sie können die oftmals hohe Gewichtung einzelner Aktien aufgrund rechtlicher Regelungen nicht komplett nachvollziehen - zieht eine einzelne, im Index stark gewichtete Aktie den Index nach oben, so müssen diese Fonds dann zwangsläufig dem Index hinterherhinken. Freundlicher als bei den Aktienfonds ist das Bild ausweislich der Lipper-Zahlen bei Rentenfonds. Hier schneiden die meisten aktiv verwalteten Fonds besser ab als die ETFs. "In fallenden Märkten zeigt sich einer der Nachteile von ETFs deutlich: Sie sind dem Index schutzlos ausgeliefert", sagt Glow.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wie geht es weiter im Verfahren gegen Matteo Salvini?

          Abstimmung beendet : Salvini behält seine Immunität

          Gegen Matteo Salvini, den Vorsitzenden der rechtsnationalistischen Lega, wird wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung ermittelt. Doch die Fünf Sterne verhindern einen Prozess gegen den Lega-Chef.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.