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Fonds : Ist die Party der Hedge Fonds vorbei?

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Bild: FAZ.NET

Enttäuscht vom mäßigen Erfolg „normaler Fondsmanagern“ strömen vor allem insitutionelle Anleger wie die Lemminge in die Hedge-Fonds-Arena. Doch die Party könnte längst vorbei sein, denkt Amy Borrus von BusinessWeek Online.

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          Zwei Jahre brauchte Peter Gilbert, Chef-Investment-Officer des Pensionssystems für die Mitarbeiter des Staates Pennsylvania, um seinen Aufsichtsrat davon zu überzeugen, in das kalte Wasser der Hedge Fonds einzutauchen.

          Als der Pensionsfonds 1999 den Sprung wagte, tummelten sich nur wenige große Institutionen in dem Pool des Privatkapitals, der überwiegend von wohlhabenden Einzelpersonen und Familien dominiert war. Doch „wir waren enttäuscht von den Fähigkeiten der normalen Fondsmanager, die Benchmark über einen längeren Zeitraum zu schlagen“, erinnert sich Gilbert.

          Enttäuscht von „normalen Fondsmanagern“ ...

          Dies erwies sich als kluger Schachzug. Hedge Fonds, die inzwischen 20 Prozent der Vermögenswerte des Pensionsplans von Pennsylvania ausmachen, haben dem 26 Milliarden Dollar schweren Pensionsfonds allein 500 Millionen Dollar an zusätzlichem Gewinn gebracht. Im vergangenen Jahr brachten die Investments in Hedge Fonds ein Plus von 15,6 Prozent im Vergleich zu 10,9 Prozent beim Standard & Poor's 500.

          Bild: Bloomberg

          Heutzutage ist der Pennsylvania-Fonds kein Außenseiter mehr. Angelockt von den Aussichten auf ähnliche Gewinne, drängen sich Pensionsfonds und andere institutionelle Anleger in das Geschäft mit Hedge Fonds.

          Amerikanische Institutionen haben die Vermögenswerte der Hedge Fonds im vergangenen Jahr um 50 Prozent auf mehr als 100 Milliarden Dollar gesteigert. Nach Einschätzung der Investment-Management-Berater Casey, Quirk & Associates sollen sie bis 2008 weiter bis auf 300 Milliarden Dollar wachsen.

          Doch viele institutionelle Investoren setzen wie im Blindflug auf Hedge Fonds. In einer Umfrage unter 45 Top-Institutionen gaben 59 Prozent an, sie befürchteten einen größeren Kollaps der Hedge Fonds innerhalb der kommenden zwei Jahre. 97 Prozent rechneten damit, daß die zukünftigen Renditen der Hedge Fonds nicht die Performance in der Vergangenheit erreicht.

          Mehr als ein Drittel oder 35 Prozent gaben an, sich auf eine Strategie des Hedgens zu beschränken, während vier Prozent der Meinung waren, ihre Aufsichtsräte seien nicht in der Lage, bei Investitionen in Hedge Fonds ihrer treuhänderischen Pflicht zu genügen. Trotzdem beabsichtigten 43 Prozent, ihre Anlagen in Hedge Fonds innerhalb von fünf Jahren auf mehr als 20 Prozent des Vermögens zu steigern. Gegenwärtig sind es gerade einmal 23 Prozent, die auf diesen Anteil an Hedge Fonds-Investitionen kommen.

          ... ergibt sich ein scheinbarer Zwang zu Hedge-Fonds-Investments ...

          Diese zwiespältigen Ansichten spiegelten den immensen Druck auf die Investoren - vor allem von unterinvestierten Pensionsfonds - wider, ihre Renditeziele in glanzlosen Märkten einzuhalten, sagt David J. Rothkopf, Vorsitzender von National Strategic Investment Dialogue, das die Umfrage durchgeführt hat.

          „Wenn sich die Masse in die Hedge Fonds bewegt, will niemand draußen bleiben und riskieren, zurückzufallen“, sagt Rothkopf. Bei der anonymen Umfrage auf einer zweitägigen, von der Arlingtoner Investmentberatung Strategic Investment Group gesponserten Konferenz wurden 45 Fondsmanager, die ein Vermögen von insgesamt 350 Milliarden Dollar verwalten, um ihr Feedback gebeten. Unter den Teilnehmern waren die Verantwortlichen der Pensionsfonds, Stiftungen und Studienstiftungen von General Motors, Lockheed Martin, der Harvard Universität und der Ford-Foundation.

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