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Fonds : Indexfonds machen kein Window Dressing

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Auch Fonds versuchen sich ins rechte Licht zu setzen Bild: dpa

Bei Fonds interessieren sich Anleger oft in erster Linie für die Performance der Vergangenheit. Dabei läßt sie sich durch portfolio pumping, style drift und andere Phänomene optisch kurzfristig beeinflussen. Ein Ausweg: Indexfonds.

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          Geldanleger werden umworben. Die Werbung verspricht vieles und das Produktangebot ist längst unübersichtlich geworden. Wer soll da noch durchblicken?

          Auf dieser Basis dürfte es ratsam sein, kritisch zu bleiben und eher zu einfachen und leicht verständlichen Produkten zu tendieren, als zu anspruchsvollen komplexen. Denn nicht selten bergen genau diese den Anbietern jede Menge Möglichkeiten, um interessante Gewinnspannen unauffällig zu verstecken. Wie sollte sich der Boom mit strukturierten Produkten sonst auch erklären lassen?

          „Window Dressing“ - Tricks, um die Perormance zu frisieren

          Was für Zertifikate gilt, läßt sich bis zu einem gewissen Grade auch auf das Fondsgeschäft übertragen. Untersuchungen zeigen, daß die Mehrheit hoch bezahlter Fondsmanager nicht nur keinen risikoadjustierten Mehrertrag im Vergleich mit dem jeweiligen Markt erzielen können, sondern alleine aufgrund der eigenen Existenz und der dadurch verursachten Kosten dahinter zurückbleiben müssen. Wieso sollte man in solche Fonds investieren, wenn man den Markt auf günstige Weise in Form von Indexfonds erwerben kann?

          Um nicht von vorne herein aus dem Rennen geworfen zu werden, greifen Fondsgesellschaften und ihre Manager zu allen nur denkbaren Tricks. Dazu zählen bei der Präsentation nach außen Dinge wie die bewußte Wahl für sie vorteilhafter Vergleichszeiträume oder auch das so genannte „Window Dressing“. So werden Maßnahmen von Investmentfonds bezeichnet, die sie ergreifen, um ihre Jahresperformance zumindest optisch aufzubessern.

          Eine beliebte Methode des Window Dressings ist der aggressive Kauf marktenger Wertpapiere kurz vor oder am Bewertungsstichtag. Auf diese Art des „portfolio pumpings“ kann durch den Einsatz von wenig Kapital eine vorhandene Wertpapierposition gemessen am Börsenkurs erheblich aufgewertet und damit die Fondsperformance optisch aufgebessert werden. Die Kurswirkung solcher Käufe macht sich jedoch nur kurzzeitig und vorübergehend bemerkbar, und auf die längerfristige Performance des Fonds wirken sich die Käufe zu möglicherweise überhöhten Kursen sogar negativ aus. Von den entstandenen, an sich überflüssigen Transaktionskosten nicht erst zu reden.

          Nach einer Analyse von Professor Richard Deaves von der Michael DeGroote School of Business im kanadischen Hamilton dürfe man bei der Betrachtung von Fonds zwei Dinge nicht außer Acht lassen. Erstens entspräche die Entlohnung eines Fondsmanagers normalerweise einem festen Prozentsatz des Fondsvolumens. Ausgehend von einem Satz von einem Prozent und einem Fondsvolumen von 100 Millionen Dollar liege die Entlohnung bei einer Million Dollar, während bei einem Fondsvolumen von einer Milliarde Dollar zehn Millionen Dollar anfallen würden. Offensichtlich bestehe aus diesem Grund ein starker Anreiz dazu, mehr Gelder hereinzuholen.

          Fondsmanager haben viele Spielräume

          Wie aber holt man mehr Geld herein? Am einfachsten wohl über die Performance. Studien für die Vereinigten Staaten zeigten, daß Investmentfonds, die in der Vergangenheit mit den besten Ergebnissen glänzen konnten, die meisten Gelder anziehen können. Während dem besten Quartil, das sind die 25 Prozent der Fonds mit dem besten Ergebnis, nahezu alles neue Geld zufließt, erhalten die anderen nur wenige neue Mittel. So ist es kaum verwunderlich, daß Fonds versuchen, so gut wie möglich dazustehen und im Top- Quartil zu erscheinen.

          Wie können Fondsmanager das erreichen? Sie haben gewisse Spielräume, denn sie müssen nicht jederzeit die genaue Zusammenstellung ihres Portfolios bekannt geben. Dazu sind sie aus regulatorischen Gründen nur zu bestimmten periodischen Zeitpunkten verpflichtet. Und genau hier können sie das Bild schönen, zum Beispiel zum Jahresende hin.

          So versuchen sie neben dem „portfolio pumping“ die so genannten „dogs“, also die schlecht gelaufenen Papiere, loswerden, um das positive Erscheinungsbild zu wahren. Ein weiteres Phänomen ist der so genannte „style drift“: Ein Fonds verkauft sich nach außen hin als wertorientiertes, konservatives Produkt, obwohl er zwischen den Berichts-Stichtagen insgeheim unter Umständen aggressiv in spekulative Werte investiert.

          Auf diese Weise werden alle jene Anleger veräppelt, die ihre Depots diversifizieren möchten, indem sie sich Fonds unterschiedlicher Stile ins Depot legen. Wie soll jedoch diese Rechnung aufgehen, wenn in einem Fonds nicht das darin ist, was auf der „Verpackung“ draufsteht? Der Kauf von günstigen Indexfonds dürfte die einfachste Möglichkeit sein, um solchen Konflikten aus dem Weg zu gehen.

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