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Fonds : Hedge Fonds sind vor allem risikoeffizient

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Bild: dit

Anleger tendieren dazu, bei der Beurteilung von Aktien, Anleihen, Fonds oder anderen Instrumenten zuerst auf die Performance zu blicken. Dabei sollten sie vor allem auch das Risiko stärker berücksichtigen.

          2 Min.

          „Allein die Rendite zählt,“ so lautet oft das Motto von Anlegern. Sie lassen sich nicht selten verlocken von vollmundigen Versprechen, mit denen Angebote des grauen Kapitalmarktes auf sich aufmerksam machen wollen. Und selbst wenn sie sich bei seriösen Anbietern umschauen, achten sie vor allem auf die Renditeentwicklung der Vergangenheit.

          Kostenaspekte und die beschränkte Prognosequalität von Daten aus der Vergangenheit für die Zukunft werden oft nicht so richtig berücksichtigt. Genauso wenig wie die Tatsache, daß Vertriebs- und Bestandsprovisionen und regelmäßig anfallende Gebühren beim Verkauf ganz gerne großzügig „übersehen“ werden. Dabei fällt nicht nur der oft sehr üppige Ausgabeaufschlag massiv ins Gewicht, sondern langfristig vor allem die regelmäßig anfallenden Gebühren. Denn über den Zinseszinseffekt machen sich selbst auf den ersten Blick harmlos erscheinende Prozent- oder gar Promillesätze deutlich bemerkbar.

          Risikoaspekte werden oft nicht genügend berücksichtigt

          Auch Risikoaspekte werden oft nicht genügend berücksichtigt. Wenn ein Fonds in der Vergangenheit mit einer hohen Rendite glänzte, so ist das erstens keinerlei Garantie für die Performance in der Zukunft. Denn das Umfeld ändert sich ständig und kann unter Umständen selbst den erfahrendsten Fondsmanager auf dem falschen Fuß erwischen. Zweitens steht eine hohe Rendite in der Regel auch in Verbindung mit einem hohen Risiko. Wer eine gute Rendite erzielen will, muß am Markt etwas riskieren. Aus diesem Grund sollten zur Beurteilung von Fonds nicht „schnöde“ Fondsranglisten herangezogen werden, sondern „risikobereinigte“. Kennziffern wie beispielsweise die Sharpe Ratio können unter diesem Aspekt weiterhelfen.

          Dieser Ansatz hilft auch, Hedge Fonds besser zu beurteilen. Sie werden oft nicht als das dargestellt oder wahrgenommen, was sie sind. Die einen betrachten sie nach wie vor als „Teufelszeug“, für die anderen sind sie die „Wunderanlagen“ schlechthin. „Satte Gewinne in jeder Börsenlage - und das mit Garantie,“ lautet gelegentlich das Motto. Solche Versprechen können allerdings selten gehalten werden und führen dann zu Schlagzeilen wie „Hedge Fonds enttäuschen“. Dabei richtet sich die Beurteilung in der Regel wieder naiv nach der reinen Performance.

          Risikomanagement ist entscheidend

          Tatsächlich sind Hedge Fonds kaum mit einem Blick zu erfassen. Ihre Manager haben oft viele Freiheiten und verfolgen sehr unterschiedliche Strategien. Grob lassen sie sich nach Anlagestilen kategorisieren. Gemeinsam haben sie in der Regel ein starkes Risikomanagement, welches hilft Verluste zu vermeiden oder wenigstens zu begrenzen, und die Orientierung am absoluten Erfolg. Daher kommt der Mythos, in jeder Börsenlage Geld verdienen zu können.

          Denn im Unterschied zu konventionellen Fonds können sie sich in schwachen Märkten entweder ganz aus dem Markt verabschieden oder gar auf fallende Kurse setzen. Auf diese Weise gelingt es, im Durchschnitt - risikobereinigt - besser als die Börsen abzuschneiden und dabei weniger Risiken einzugehen, als die Manager breit streuender „konventioneller“ Aktienfonds. In Phasen fallender Zinsen können auf risikobereinigter Basis Rentenfonds interessant sein. Zumindest in den Industriestaaten dürften die Zinsen im aktuellen Umfeld allerdings künftig eher steigen als fallen. Bei Rentenfonds dürften Kursverluste damit kaum vermeidbar sein.

          Anleger könnten mit dem Kauf gut gewählter Rentenpapiere - die Bonität muß gut, die Laufzeit auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten und der Wille vorhanden sein, das Papier nicht vorzeitig zu verkaufen - besser fahren. Bei Aktienfonds dürften sich nur jene empfehlen, die möglichst schon Jahrzehnte am Markt sind und dabei immer gut abgeschnitten haben. Durchschnitt reicht nicht, denn dafür sind Indexfonds idealer und vor allem günstiger. Hedge Fonds dürften sich nur als Direktanlage empfehlen, für den, der die Mittel und das nötige Knowhow hat.

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