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Fonds : Globale Aktiendachfonds sind selten ihr Geld wert

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Bild: FAZ.NET

Das Dachfonds-Konzept, Risiken zu streuen und sich gleichzeitig Chancen offen zu halten, klingt theoretisch gut und wurde in Deutschland im Hedge-Fonds-Bereich vorgeschrieben. In der Praxis kann es kaum überzeugen.

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          Die Geldanlage ist selten richtig einfach. Denn die Anleger müssen nicht nur wissen, welche Renditeerwartungen sie haben, sondern vor allem auch, welche Risiken sie eingehen wollen. Das ist einfacher gesagt als getan, da viele verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Angefangen vom zeitlichen Anlagehorizont bis hin zur Höhe des absoluten Vermögens.

          Lassen sich diese Kriterien bei einem Beratungsgespräch nicht richtig herauskristallisieren, dann könnte die Neigung vorhanden sein, den Anlegern so genannte Dachfonds zu empfehlen. Das sind solche Fonds, die selbst in andere Fonds investieren. Hintergrund ist die Überlegung, daß Fonds an sich schon vergleichsweise breit gestreut seien und aus diesem Grund das Risiko starker Kursverluste bei einzelnen Wertpapiere nicht zu stark ins Gewicht fielen.

          Dachfonds-Konzept klingt theoretisch gut ...

          Bei einem Dachfonds könne dieser Effekt kombiniert werden mit der Möglichkeit, in unterschiedlich Wirtschafts- und Börsenphasen auf unterschiedliche Fondsarten zu setzen. Eine Idee könnte beispielsweise sein, bei steigenden Aktienkursen auf aggressive Aktienfonds zu setzen und bei einer aufkommenden Rezession in den Rentenfonds zu wechseln. Denn sie müßten in dieser Phase von den dann sehr wahrscheinlich steigenden Rentenkursen profitieren zu können.

          Das Konzept, das Risiko durch Streunung zu mininmieren und sich gleichzeitig Chancen zu eröffnen, klingt theoretisch gut und wurde in jüngster Zeit sogar verbindlich für den Hedge-Fonds-Bereich vorgeschrieben. Zumindest für die Privatanleger in Deutschland. Die Frage ist allerdings, ob es in der Praxis auch aufgeht. Denn es gibt einige kritische Punkte.

          So läßt sich die Frage stellen, ob die Dach-Fonds-Manager in der Lage sind, die unterschiedlichen Marktphasen immer rechtzeitig zu erkennen, um sich zum richtigen Zeitpunkt richtig positionieren zu können. Aktuell dürfte es große Probleme geben, denn im Prinzip sind die meisten Wertpapiergattungen in vielen Märkten schon sehr hoch bewertet. Das gilt auf jeden Fall für die Rentenmärkte und die amerikanischen Börsen.

          ... kann sich allerdings in der Praxis nur bedingt bewähren

          Eine andere Frage ist die der Kosten. So sind aktiv verwaltete Fonds im Vergleich mit günstigen Indexfonds schon recht teuer. Wird darüber noch eine zweite Struktur gestülpt, nämlich die des Dachfonds, so treibt das die Kosten weiter in die Höhe und geht zusammen mit den zusätzlichen Vertriebskosten zu Lasten der Rendite des Anlegers. Das führt sowohl bei normalen als auch bei Hedge-Fonds unmittelbar zur Vermutung, Dachfonds müßten alleine auf Grund der Kostenstruktur große Mühe haben, überhaupt so gut wie der Markt abschneiden zu können.

          Und diese Vermutung wird auch tatsächlich bestätigt. Denn bei einer von e-fundresearch durchgeführten Analyse unter 46 globalen Aktiendachfonds war das Ergebnis enttäuschend. Nur elf Prozent aller Dachfonds liegen gemessen an der risikoadjustierten Performance, der Sharpe Ratio, über den Zeitraum der vergangenen fünf Jahre vor dem MSCI World Index.

          Intereressant ist auch die Tatsache, daß die Performance der Dachfonds zumeist relativ nahe am MSCI World Index liegt. Von den größten zwölf reinen Aktiendachfonds schaffte es einzig der Raiffeisen-Dachfonds-Wachstum, sich mit einer Outperformance von 18,7 Prozent seit Anfang des Jahres 2000 nachhaltig vom Index abzuheben. Zwei kleinere Fonds - der Siemens/portfolio four von Innovest und der SAM Vermögensverwaltung Global - liegen auch deutlich über dem MSCI World. Alle anderen Fonds liegen zwischen kumuliert plus einem Prozent und minus 11,6 Prozent nahe am MSCI World.

          Dazu kommt dann noch der Kostenaspekt. Wie eine Studie im vergangenen Jahr zeigte, sind kleine Fonds gemessen an der Total Expense Ratio (TER) teurer als große. Während das durchschnittliche Volumen der 46 untersuchten Aktiendachfonds bei 45,1 Millionen Euro liegt, weisen herkömmliche globale Aktienfonds eine Durchschnittsgröße von 287,5 Milliarden Euro auf.

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