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Fonds : Fondsbranche mit TER transparenter - aber nicht transparent genug

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Die „Total Expense Ratio“ verbessert für Anleger die Kostentransparenz bei der Fondswahl. Allerdings haben die Fondsgesellschaften noch jede Menge Hintertürchen, um in die Tasche der Anleger zu greifen.

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          Wer noch bis vor kurzem die Fonds nicht nur anhand ihrer Wertentwicklung, sondern auch auf Basis ihrer Kostenstruktur vergleichen wollte, der hatte es nicht leicht. Denn die Fondsgesellschaften veröffentlichten zwar Einzelgrößen wie den Ausgabeaufschlag, die Depotbank- und auch die Verwaltungsvergütung. Aber eben nicht alles.

          Mit etwas Aufwand ließ sich jedoch problemlos herausfinden, daß das bei weitem nicht alle Kosten sind, die der Anleger übernehmen muß und die die Fondsgesellschaften einfach von den verwalteten Mitteln abziehen. Und zwar in guten als auch in schlechten Tagen. Also völlig unabhängig davon, ob die Fondsmanager das verwaltete Geld kräftig vermehrt haben oder ob sie in einem fallenden Markt möglicherweise noch schlechter abgeschnitten haben als ein einfacher Vergleichsindex.

          „Total Expense Ratio“ verbessert die Transparenz...

          Seit Jahresbeginn sind die Gesellschaften nun verpflichtet, die so genannte TER zu veröffentlichen. Damit ist die sogenannte „Total Expense Ratio“ gemeint oder auf deutsch: die Gesamtkostenquote. Um sie zu berechnen wird die Summe der wesentlichen Kosten, die in einem Geschäftsjahr für die Verwaltung eines Fonds angefallen sind, ins Verhältnis zum durchschnittlichen Fondsvermögen gesetzt. Die TER ist damit nichts anderes, als die Zusammenfassung bestimmter Einzelkosten - von Aufwendungen für die Verwaltung und das Fondsmanagement, über Kosten für die Rechtsberatung, Druck und Veröffentlichung von Rechenschaftsberichten bis hin zu den Ausgaben für die Wirtschaftsprüfer - zu einer Zahl.

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          Das klingt nicht schlecht. Denn damit sollte es zumindest theoretisch möglich sein, die Kostenseite eines Fonds auf einen Blick zu erfassen und mit ähnlichen Fonds vergleichen zu können. So schön die Zahl allerdings auch sein mag und so intensiv ihre Einführung als bahnbrechender Fortschritt der Branche gefeiert werden mag - es kann lediglich ein Schritt in die richtig Richtung sein. Die Transparenz ist zwar etwas erhöht worden, allerdings ist der Gebührendschungel trotz allem noch groß genug.

          ... allerdings nur im Vergleich mit der Vergangenheit

          Das fängt schon damit an, daß selbst in der TER nicht alle Kosten enthalten sind. Im Gegensatz zu amerikanischen Fondsgesellschaften weigern sich die deutschen Gesellschaften bisher, nähere Auskünfte über ihr Handelsgebaren zu geben. Dabei geht es um die Frage, wann sie welche Wertpapiere in welchen Stückzahlen zu welchen Preisen im Markt ge- oder verkauft haben. Hier können sich gut verwaltete Gesellschaften nicht nur Lorbeeren verdienen, sondern hier gibt es jede Menge Spielraum, um Gelder, die eigentlich den Anlegern zustehen, unter der Hand an andere Stellen zu transferieren. Gerade bei banknahen Instituten können die Handelsabteilungen oft fette Sondergewinne einfahren, da sie die Wertpapieraufträge auch dann erhalten, wenn sie nicht die besten Preise im Markt stellen.

          Und das ist nicht alles. Denn Größen wie Ausgabeaufschläge, die eigentlich nicht begründet sind, Managementvergütungen und erfolgsabhängige Gebührenbestandteile fließen nicht in die TER ein. Das wird zwar mit dem „Bemühen um eine einheitliche Vergleichsbasis begründet“. Allerdings öffnen sich damit wieder jede Menge an Hintertürchen, über die sie in die Tasche der Anleger greifen können, ohne sie richtig offen zu kommunizieren. Auf diese Weise wird die Vergleichbarkeit sofort wieder ad absurdum geführt. Der Anleger muß nun auf der Suche nach Informationen wieder nachbohren, nur an anderer Stelle als zuvor. Dabei wird er von den Fondsgesellschaften nicht selten ziemlich unhöflich abgebügelt. Vor allem dann, wenn er Genaueres über erfolgsabhängige Bestandteile wissen will.

          Indexfonds unschlagbar günstig

          „Gebühren spielen doch keine Rolle, die Performance entscheidet,“ lautet eines der Kernargumente. Der (willkürliche) Vergleich der Performance verschiedener Deutschlandfonds in den vergangenen fünf Jahren mit den verbuchten Gebühren zeigt jedoch recht deutlich, daß es nicht die Erfolgreichsten sind, die am kräftigsten absahnen (siehe Tabelle und Graphik). Oft wäre ein Indexfonds die bessere Wahl gewesen. Denn jeder Prozentpunkt des verwalteten Geldes, der in der Verwaltung pro Jahr verpraßt wird, kostet den Anleger auf Sicht von zehn Jahren etwas mehr als zehn Prozent seines ursprünglich investierten Kapitals. Und Indexfonds sind nicht nur unschlagbar günstig, sondern sie sind nie schlechter als der Markt. Sie sind der Markt.

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