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Fonds : Fondsanbieter ganz groß oder ganz klein

  • -Aktualisiert am

Je stärker sich Banken auf ihre Kernkompetenzen zurückziehen, umso häufiger stellen einige das Fondsgeschäft in Frage.

          3 Min.

          Die Anbieter auf dem deutschen Fondsmarkt beweisen ein ungewöhnliches Standvermögen. Seit knapp drei Jahren fallen die Kurse an den Aktienmärkten und parallel mit ihnen die Erträge der Fondsgesellschaften. Seit mindestens einem Jahr wird in regelmäßigen Abständen über eine Marktbereinigung schwadroniert.

          Doch bis auf die Sonderfälle Franken-Invest, wo der Mutterkonzern Schmidt-Bank zuvor abgestürzt war, und Zürich-Invest, die im Rahmen eines größer angelegten Tauschs zwischen der Zürich-Versicherung und der Deutschen Bank an die Frankfurter fiel, ist noch kein nennenswerter Anbieter vom Markt verschwunden.

          Die Konsolidierung einer ganzen Branche sei ein langer Prozeß, sagt Martin Huber von der Beratungsgesellschaft McKinsey. Viele Fachleute sprechen auch davon, daß es mittlerweile tatsächlich nur noch eine Frage der Zeit sein könnte, bis spektakuläre Marktverschiebungen auf dem Fondsmarkt zu beobachten sind.

          McKinsey-Studie zeigt Handlungsdruck

          Wie hoch der Druck mittlerweile ist, machte erst kürzlich wieder eine von McKinsey veröffentlichte Studie über die europäische Vermögensverwalterbranche deutlich. Die Rentabilität habe sich allein im Jahr 2001 halbiert, heißt es in der umfangreichen Arbeit, die sich auf Daten von 80 europäischen Anbietern stützt, welche insgesamt ein Vermögen von 3,3 Billionen Euro verwalten.

          Ein Fünftel der untersuchten Gesellschaften machten zu diesem Zeitpunkt Verluste. Und das schon vor dem eigentlichen Horrorjahr 2002, in dem der Absatz margenträchtiger Aktienfonds nur noch ein Schatten seiner selbst in den besten Jahre 1999/2000 war und die Einnahmen aus der Verwaltungsgebühr wegen sinkender Fondsvolumen noch einmal deutlich zurückgingen.

          Daß immer noch nahezu alle Anbieter in Deutschland dem Druck standhalten, bringt der für die Studie verantwortliche McKinsey-Partner Huber mit der Struktur der Branche in Zusammenhang. Die meisten Fondsgesellschaften seien Bestandteil eines Bankkonzerns. "Solange Finanzdienstleister Fonds als strategisches Geschäftsfeld betrachten, trennen sie sich nicht davon", sagt er.

          Doch je stärker sich die Banken auf ihre Kernkompetenzen zurückziehen, um so häufiger werden einige das Investmentgeschäft in Frage stellen. Bis zu einer gewissen Größenordnung ist mit dem Vertrieb fremder Fonds schlicht mehr zu verdienen als mit der Pflege einer eigenen Produktpalette.

          Der Markt dürfte sich polarisieren

          Das Drehbuch für eine Marktkonsolidierung ist bereits geschrieben. Der Markt werde sich polarisieren in wenige große, global aktive Fondsgesellschaften auf der einen Seite und viele kleine Spezialanbieter auf der anderen. Die mittelgroßen Gesellschaften, die mit den Großen mithalten wollen, ohne auch nur annähernd deren Skaleneffekte bei Produktion und Vertrieb auf die Waagschale werfen zu können, werden vom Markt verschwinden.

          In diesen Punkten ist sich McKinsey sowohl mit einem weltweiten Schwergewicht wie UBS Global Asset Management wie auch mit einem kleinen deutschen Spezialisten wie Mainfirst Asset Management einig. Lediglich die betroffenen mittelgroßen Gesellschaften, die Huber mit einem verwalteten Fondsvermögen zwischen 20 und 50 Milliarden Euro definiert, dürften etwas gegen die Argumentation hervorzubringen haben.

          Ein Drittel der Vermögensverwalter arbeitet unprofitabel

          Der Wettbewerb geht nun in eine entscheidende Runde. Zwar können die unrentablen Anbieter noch mit tiefen Kostenschnitten ihr Dasein verlängern. Doch geht dabei die Leichtigkeit verloren, mit der etwa der Chef von UBS Global Asset Management, John Fraser, ankündigen kann: "Mit einer guten Wertentwicklung und einer wettbewerbsfähigen Kostenstruktur geht es jetzt darum, Marktanteile zu gewinnen."

          Auch können sie nicht bei der Gelassenheit eines Stefan Michler von der Mainfirst-Bank mithalten, dessen Institut mit Hans-Peter Schupp einen Spitzenfondsmanager von Julius Bär abgeworben hat, sich schwerpunktmäßig dessen Können stützt und bis auf die Anlageentscheidungen nahezu alles auslagert: "Wir sind kein Discount-Fonds."

          Wenn in einem solchen Umfeld plötzlich ein Preiskampf um sich greift, bei dem die Kundengebühren niedriger und die Bestandprovisionen an den Vertrieb höher werden, kann einzelnen mittelgroßen und unrentablen Anbietern schnell die Luft ausgehen. Schon jetzt rechnet McKinsey damit, daß in diesem Jahr über ein Drittel und Ende 2004 knapp die Hälfte der in ihrer Studie erfaßten Vermögensverwalter unprofitabel arbeitet.

          Wie schnell sich die Zeiten doch wandeln. Noch Ende der neunziger Jahre war der Fondsverkauf ein einfaches Geschäft, mit dem offensichtlich kein Geld zu verlieren war. Doch wie das Geschäft parallel zum Anstieg der Märkte wuchs, so geht es jetzt mit den Märkten nach unten. Jetzt gilt John Frasers Wort: "Das goldene Zeitalter im Asset Management ist vorüber."

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