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Fonds : Europas erfolgreichste Fonds setzten auf Schwellenländer

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Bild: FAZ.NET

In Europa angebotene Aktienfonds haben 2005 die größte Wertsteigerung seit mindestens sechs Jahren eingefahren. Die Nase vorn hatten Fonds, die auf die Schwellenländer setzten.

          3 Min.

          In Europa angebotene Aktienfonds haben 2005 die größte Wertsteigerung seit mindestens sechs Jahren eingefahren. Die Nase vorn hatten Fonds, die auf die Schwellenländer setzten.

          Fünfzehn der 20 erfolgreichsten Fonds in diesem Jahr investierten in Schwellenländer, so auch der diesjährige Spitzenreiter unter den großen Fonds, der in Luxemburg domizilierte Capital International Emerging Markets Fund. Er erzielte einen Wertzuwachs von 35 Prozent. Auf Platz zwei landete der 25 Milliarden Dollar schwere European Growth Fund von Fidelity, der 31 Prozent stieg. Er setzte auf Ölwerte, beispielsweise die in Wien beheimatete OMV AG, deren Kurs sich mehr als verdoppelt hat.

          Der durchschnittliche europäische Aktienfonds gewann per 12. Dezember 23 Prozent an Wert, geht aus Bloomberg-Daten hervor. Hingegen erzielte der durchschnittliche europäische Anleihe- und Geldmarktfonds nur einen Wertzuwachs von 5,2 Prozent. Die europäische Benchmark, der Dow Jones Stoxx 50 Index ist in dem Zeitraum 20 Prozent geklettert. Noch besser machte sich der Morgan Stanley Capital International Emerging Market Index, der 29 Prozent zulegte.

          Börsen in den Schwellenländer weniger verwundbar als früher

          „Die Börsen in den Schwellenländer sind heute weniger verwundbar als noch vor sechs Jahren“, sagt Kim Catechis, Fondsmanager bei Scottish Widows Investment Partnership in Edinburgh. „Dieser Zuwachs ist keine einmalige Sache.“In Brasilien, Mexiko und Argentinien sind die Börsen auf Rekordstände geklettert, nachdem die Erlöse aus dem Export von Rohstoffen an Länder wie China und Indien dabei halfen, die Konsumausgaben im Binnenmarkt anzuheizen.

          Der 6,2 Milliarden Dollar schwere Fonds von Capital International, der in Dollar denominiert ist, profitierte davon, daß er bei Bankenwerten im Vergleich zur Benchmark zwei Prozent übergewichtet war. Der Aktienkurs von Kookmin Bank, Südkoreas größtem Kreditinstitut und die achtgrößte Position des Fonds, schnellte 83 Prozent nach oben. „Banken stehen stellvertretend für ein zunehmendes Wirtschaftswachstum“, erläutert Keith Baker, der den Fonds in London vertreibt.

          Am stärksten investiert war der Fonds bei dem südkoreanischen Halbleiterhersteller Samsung Electronics, das zweitgrößte Engagement war die mexikanische America Movil, Lateinamerikas größter Mobilfunkanbieter. Samsung kletterten 37 Prozent, America Movil legten 68 Prozent zu.

          Unter den Schwellenländern waren nicht nur Lateinamerika und Ostasien attraktiv. Auch die Märkte des Mittleren Osten bescherten einigen Fonds eine Spitzenentwicklung. In diesem Jahr rangierten Dubai, Ägypten, Saudi-Arabien und Jordanien unter den fünf Indizes mit der besten Performance weltweit.

          Der Aktienfonds mit der besten Performance in Europa war der auf Guernsey domizilierte Saudi Arabia Investment Fund mit einem Anlagevolumen von 377 Millionen Dollar. Er legte per 12. Dezember 163 Prozent zu, nachdem Saudi-Arabien von dem rekordhohen Ölpreis profitierte. Der Saudi Tadawul All Share Index hat sich verdoppelt. „Wir waren zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort“, erläutert Fadi Khalid Tabbara, der den Fonds für Samba Financial Group in Riad verwaltet.

          Einige spezialisierte Fonds mit Anlagebeschränkungen

          Im ersten Halbjahr stockte der Fonds Telekomwerte um 2,1 Prozent auf. Die größte Position, Saudi Telecom Co., verzeichnete eine Kurssteigerung von 49 Prozent. Der Fonds hielt aber auch 35 Prozent der Anlagegelder in Bankaktien, beispielsweise die Saudi British Bank, deren Kurs sich verdreifacht hat. Auch russische Aktien bescherten den Fonds eine Superentwicklung. Der Leitindex Russian Trading System Index hat 78 Prozent gewonnen. Acht der zehn Spitzenreiter unter den in Europa vertriebenen Fonds konzentrierten sich auf russische Aktien. Die Nase vorn hatte der 71 Millionen Euro schwere Seligson Prosperity Russian Fund, der in Finnland registriert ist. Er hat seinen Wert mehr als verdoppelt, in dem er auf russische Ölwerte, darunter OAO TNK-BP-Holding, ein Gemeinschaftsunternehmen mit BP Plc, setzte. „Öl hat sich für uns ausgezahlt“, berichtet Alexander Branis, der den Fonds bei Prosperity Capital Management in Moskau betreut.

          Einige der Spezialfonds haben jedoch Anlagebeschränkungen, weil Aktien aus den Schwellenländern in der Regel volatiler sind. Für den Capital International Fund gilt eine Mindesteinlage von 100.000 Euro, beim Saudi Arabian Investment Fund ein Minimum von 100.000 Dollar. Bei Emerging Market Fonds „fehlt es dem Kleinanleger am Verständnis für Risiko und Volatilität“, erläutert Baker von Capital International.

          Sowohl in Bezug auf die Perfomance als auch auf die Zugänglichkeit der Märkte gibt es aber auch immer mehr Alternativen zu den aktiv verwalteten Fonds. Denn es kommen auch immer mehr günstige Indexfonds mit Bezug zu den Schwellenländern auf den Markt. Sie setzen Anleger in die Lage, sich selbst ein Schwellenländer-Portfolio zusammenstellen zu können. Wer sich zum Beispiel vor einem Jahr den Indien-Indexfonds von Prudential ins Depot legte, kann inzwischen auf einen Kursgewinn von 136 Prozent zurückblicken.

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