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Fonds : Den Schiffsfonds stehen stürmische Zeiten bevor

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Für die Geldanlage in Schiffen gibt es ein Leben nach der Verlustzuweisung. Renditeprognosen von7 Prozent nach Steuern locken. Doch der Wind dreht sich: Höhere Zinsen, ein schwacher Dollar und ein Rückgang der Charterraten.

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          Schiffsbeteiligungen haben die Umstellung vom Steuersparmodell zum Renditeobjekt in den vergangenen drei Jahren ohne größere Verwerfungen vollzogen. Während die Medienfonds zur Finanzierung von Filmen mit der Streichung der steuerlichen Verlustzuweisungen inzwischen komplett von der Bildfläche verschwunden sind, erfreuen sich die Schiffsfonds in der Anlegerschaft weiterhin einer großen Beliebtheit.

          "Vermittler messen Schiffsbeteiligungen für 2007 die größten Wachstumspotentiale zu", hat die Berliner Ratingagentur Scope in einer Umfrage ermittelt. Auch Torsten Teichert, Vorstandsvorsitzender des Initiators Lloyd Fonds, sieht einen Nachfrageüberhang: "Das ist ein Anbietermarkt." Nach der jüngsten Absatzstatistik von Scope haben Schiffsfonds in den ersten sechs Monaten des Jahres Eigenkapital in Höhe von 1,2 Milliarden Euro eingesammelt. Das entspricht knapp einem Viertel des Gesamtmarkts für geschlossene Fonds. Nur Immobilienfonds wurden mit 2,4 Milliarden Euro stärker plaziert. Auf der anderen Seite hat sich der Abstand zu den Fonds mit Unternehmensbeteiligungen (Private Equity), die 0,7 Milliarden Euro an Eigenkapital einwarben, wieder deutlich ausgeweitet. Im vergangenen Jahr waren die Private-Equity-Fonds im Absatz noch bis auf 200 Millionen Euro an die Schiffsfonds herangekommen.

          Schiffe müssen erst einmal Gewinne erwirtschaften

          Als zugkräftiges Argument für den Einstieg in Schiffsbeteiligungen erweist sich offensichtlich der Verweis auf die Globalisierung und ihre Folgen. Davon sollten Schiffe als günstiger Transportweg in besonderem Maße profitieren, ist regelmäßig in den Fondsprospekten zu lesen. Daneben ist vor allem die sogenannte Tonnagesteuer ein Grund für die andauernde Beliebtheit. Diese Steuer orientiert sich nicht an den tatsächlich erwirtschafteten Erträgen des Schiffsbetriebs, sondern an der Größe eines Schiffs. Für Privatanleger sind deshalb die Gewinne aus ihrer Schiffsbeteiligung weitgehend steuerfrei. Auch die künftige Abgeltungssteuer von 25 Prozent greift bei dieser Form der Geldanlage nicht, so dass sich die Fondsverkäufer von 2009 an angesichts ihrer steuersensiblen Anlegerschaft über ein neues Argument freuen können.

          Lohnt sich das „Projekt”?
          Lohnt sich das „Projekt”? : Bild: dpa

          Allerdings müssen erst einmal Gewinne erzielt werden, um in den Genuss dieses Effekts zu kommen. Bis in die neunziger Jahre hinein schien das noch ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. In den Anfangszeiten der Schiffsfonds waren Verlustzuweisungen von bis zu 300 Prozent der eingezahlten Summe möglich. Schon als die Verlustzuweisungen auf 150 Prozent halbiert wurden, sahen viele das Ende dieser Beteiligungsform voraus. Zunächst retteten sich die Fondsinitiatoren mit dem sogenannten Kombimodellen, bei denen erst die Verlustzuweisung und dann die Tonnagesteuer griff. In dieser Phase zeigte sich, dass unter dem Strich über die Laufzeit einer Schiffsbeteiligung durchaus eine Rendite von durchschnittlich 7 Prozent im Jahr nach Steuern möglich ist - trotz der weiterhin sehr großzügigen Vertriebsvergütung, die bei 15 bis 20 Prozent des eingezahlten Geldes liegen kann. "Wir müssen einen Aufschlag zu Bundesanleihen in der Nachsteuerrendite liefern, das ist unser Maßstab", sagt der Lloyd-Fonds-Vorstandsvorsitzende Teichert.

          Wertverfall der amerikanischen Währung schlägt negativ auf die Rendite durch

          Inzwischen nehmen jedoch die warnenden Stimmen zu, dass es in Zukunft schwieriger werden könnte, diesem Anspruch gerecht zu werden. Dabei wird vor allem auf die sinkenden Frachtraten bei gleichzeitig hohen Einkaufspreisen verwiesen. "Wir sind auf dem Höhepunkt angelangt", sagt Christian Harreiner, der bei der Bank Delbrück Bethmann Maffei für die Auswahl von Beteiligungsprodukten verantwortlich ist. Weil die Frachtraten zurückgingen, sei vor allem in der Containerschifffahrt mit nachgebenden Erträgen zu rechnen. Deshalb betrachte er Schiffsfonds derzeit mit Zurückhaltung. Auch in den Reihen der Fondsinitiatoren ist die Stimmung derzeit eher gedämpft. "Die guten Zeiten mit niedrigen Zinsen und einem starken Dollar gehören der Vergangenheit an", sagt Thomas Böcher, Geschäftsführer der Norddeutsche Vermögen.

          Gerade der schwache Dollar schmerzt derzeit viele Anleger. Da das Geschäft mit Schiffen hauptsächlich in Dollar abgerechnet wird, die Auszahlungen jedoch meist in Euro erfolgen, schlägt ein Wertverfall der amerikanischen Währung unmittelbar auf die Rendite durch. Auch höhere Betriebskosten drücken inzwischen deutlich auf die prognostizierten Erträge. Von den Charterraten könnten diese Bewegungen nicht ausgeglichen werden, merkt Böcher an. Eine gute Schiffsbeteiligung könne seiner Ansicht nach derzeit eine Rendite von 6 bis 6,5 Prozent auf das eingezahlte Kapital erwirtschaften. "Darüber hinaus wird es sehr schwierig." Das Angebot an Schiffsfonds ist breit gefächert. Die Vertriebsplattform Efonds 24 hat derzeit 22 unterschiedliche Beteiligungen im Angebot. Als entscheidend für die Auswahl gilt allgemein die Leistungsbilanz der schon bestehenden Fonds eines Anbieters. An diesen Zahlen lässt sich ablesen, inwieweit ein Initiator tatsächlich in der Lage ist, die gegebenen Prognosen auch einzuhalten.

          Verbessert hat sich in den vergangenen Monaten die Handelbarkeit der Beteiligungen. Einzelne Börsen und auch Initiatoren selbst bieten einen Zweitmarkt an, auf dem Angebot und Nachfrage für laufende Beteiligungen zusammengebracht werden sollen. Zu dieser Entwicklung trug nicht zuletzt das Ende der Verlustzuweisungen bei, weil sie die steuerliche Handhabbarkeit während der Laufzeit einer Beteiligung vereinfacht.

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