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Fonds : China-Fonds sind die Spitzenreiter

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Im Jahresrückblick auf die Entwicklung von internationalen Aktienfonds schneiden Indexfonds relativ gut ab. Am erfolgreichsten waren 2006 die Aktienfonds aus dem Reich der Mitte, die Japan-Fonds bescherten einen Verlust.

          Die deutschen Fondsanleger können mit dem Fondsjahrgang 2006 zufrieden sein: Immerhin 70 Prozent aller rund 9300 in Österreich, Deutschland oder der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen Fonds haben das vergangene Jahr mit einem Gewinn beendet. Im Durchschnitt verbuchten alle Fonds auf zwölf Monate ein Plus von rund 6 Prozent. Die Spitzenreiter unter den Fonds brachten es auf mehr als 70 Prozent.

          Die größten Verlierer unter den Fondsprodukten bescherten ihren Anlegern Verluste von bis zu 40 Prozent. Verglichen mit dem Vorjahr allerdings schneidet das vergangene Fondsjahr etwas schlechter ab: Im Jahr 2005 legten Fonds im Durchschnitt noch um 18,4 Prozent zu; und rund 98 Prozent aller Fonds haben das Jahr damals mit einem Plus beendet. Diese schlechtere Bilanz rührt aus dem im Vergleich zu 2005 schlechteren Kapitalmarktumfeld her, sagt Christian Schreckeis vom Fondsanalysehaus E-fundresearch.com.

          „Immobilienpreise nach oben getrieben“

          Die absoluten Spitzenreiter unter den Fonds waren Aktienfonds, die in China investierten: Auf den ersten 13 Plätzen der von E-fundresearch erstellten Fondsrangliste des Jahres 2006 finden sich nur China-Fonds; der Spitzenreiter des Jahres 2006, der JF China, brachte es auf ein Plus von 78,7 Prozent. Erst auf Platz 14 findet sich der erste Nicht-China-Fonds, der Bac Mining Regions Managed Vol South Africa, der in südafrikanische Gold- und Platinminen investiert.

          Genauso auffällig wie die Dominanz der China-Fonds unter den besten Produkten ist auch das schlechte Abschneiden von Fonds, die auf Japan setzten: Japan-Aktienfonds verloren im Durchschnitt 10,5 Prozent, Fonds mit japanischen Nebenwerten gaben fast 30 Prozent nach, und japanische Immobilienaktien-Fonds verloren fast 15 Prozent.

          Dabei war generell auch mit Immobilienaktien-Fonds im vergangenen Jahr viel Geld zu verdienen, sie sind hinter den China-Fonds im positiven Sinne die renditeauffälligsten Produkte. „Viele Investoren haben angesichts der schwachen Rentenmärkte auf der Suche nach alternativen Investments die Immobilienpreise nach oben getrieben - davon haben Immobilienaktien profitiert und damit natürlich auch die Fonds, die in diese Aktien investieren“, sagt Thomas Portig von HCM.

          „Privatanleger springen in der Regel zu spät auf“

          Als Investmentempfehlung allerdings wollen Fondsprofis solche Rückblicke nicht verstanden wissen: „Solche Listen sind erstens nur eine Momentaufnahme, die nichts über die Zukunft aussagt, und zweitens berücksichtigen sie nicht das Risiko, mit dem die jeweilige Rendite erzielt worden ist“, sagt Schreckeis. Letzteres kann man auch sehr gut aus der aktuellen Rangliste für das Jahr 2006 ablesen: In der Regel sind es - exakt wie im vergangenen Jahr - ganze Anlagesegmente, die mehr oder weniger geschlossen an der Spitze stehen oder das Ende der Rangliste zieren. Es sind immer ganze Branchen, Regionen oder andere Anlagethemen, die aufgrund ihres hohen Risikos und der damit verbundenen hohen Kursschwankungen entweder ganz oben auf den Listen oder ganz unten stehen.

          Korea-Fonds beispielsweise, die 2005 zu den erfolgreichsten Produkten zählten, finden sich im vergangenen Jahr eher auf den hinteren Rängen wieder. Die eher solideren Basisinvestments - breite Aktien- oder Rentenfonds - weisen, was ihre Ergebnisse betrifft, geringere Wertschwankungen auf und finden sich deswegen eher in der Mitte solcher Ranglisten.

          Weltweit investierende Aktienfonds haben im vergangenen Jahr rund 7,4 Prozent zugelegt, europäische Aktienfonds sogar 17 Prozent, wohingegen weltweit investierte Rentenfonds ein Minus von 3,4 Prozent verbuchten. „Aus solchen Ranglisten können Sie recht gut die jeweilige Branchen- und Themenrotation des vergangenen Jahres ablesen - und die lässt sich im Voraus nur schwer erahnen. Als Privatanleger springen Sie auf den jeweiligen Zug in der Regel immer zu spät auf“, sagt Portig.

          Siebzehnmal in Folge geschlagen

          Bemerkenswert ist auch das Abschneiden der ganz großen Fonds, die im vergangenen Jahr wegen hoher Mittelabflüsse ins Schlingern geraten waren: Der zum Jahresende mit einem Volumen von fast 20 Milliarden Euro größte Fonds, der Templeton Growth Fund, brachte es 2006 auf ein Plus von 9 Prozent, sein Vergleichsindex, der MSCI World, hingegen weist nur ein Plus von 7,9 Prozent auf. Der zweitgrößte Aktienfonds, der Fidelity Fund - European Growth, war mit einem Plus von 15,1 Prozent absolut gesehen zwar besser, sein Vergleichsindex, der MSCI Europe Index, allerdings beendete das Jahr 20 Prozent im Plus.

          Dieses im Vergleich zum Index schlechtere Abschneiden hatte den Fonds zuletzt schon deutliche Mittelabflüsse beschert. Das dritte große Fondsflaggschiff, der DWS Vermögensbildungsfonds I, brachte es auf ein Plus von rund 11 Prozent und schlug damit auch seinen Vergleichsindex, den MSCI World.

          Das vergangene Fondsjahr sah auch das Ende einer bemerkenswerten Serie: Bill Miller, der Manager des Legg Mason Value Trust Fonds, hatte in den Jahren zuvor fünfzehnmal in Folge seinen Vergleichsindex, den S&P 500, geschlagen - im vergangenen Jahr endete dieser Rekord. Doch es gibt trotzdem noch einen Rekordhalter: Der Wiener Fondsmanager Friedrich Erhart von Pioneer Investments Austria hat seit der Auflage seines Fonds für österreichische Aktien im Jahr 1990 seinen Vergleichsindex - den ATX Prime - siebzehnmal in Folge geschlagen.

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