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Investmentfonds : Aufseher nehmen Vermögensverwalter ins Visier

Die amerikanische Fondsgesellschaft Blackrock ist der größte Vermögensverwalter der Welt Bild: AFP

Der Finanzstabilitätsrat der G-20-Regierungen will die Fonds an die kürzere Leine nehmen. Vor allem Liquidität und Risiken bereiten Sorgen.

          Das rasante Wachstum von Vermögensverwaltern macht die Aufsichtsbehörden neugierig. Am Mittwochabend hat der Finanzstabilitätsrat, dem Vertreter von Finanzministerien, Notenbanken und Aufsichtsbehörden aus den 20 wichtigsten Wirtschaftsländern (G 20) angehören, seine Empfehlungen vorgelegt, wie die für die Finanzmärkte so wichtige Branche und die von ihr ausgehenden Risiken besser kontrolliert werden können.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vermögensverwalter, darunter Aktienfonds, Hedgefonds oder Pensionsfonds, kontrollieren Anlagemittel von 76 Billionen Dollar. Das sind 40 Prozent aller Vermögenswerte im Finanzsystem der Welt. Sie sind in den vergangenen zehn Jahren um mehr als die Hälfte gewachsen. In offenen Publikumsfonds befinden sich knapp 40 Billionen Dollar und in den riskanten Hedgefonds 3,2 Billionen Dollar.

          Größe macht keine Systemrelevanz

          Auch der Europäischen Zentralbank (EZB) bereitet das Wachstum Sorge. Das Volumen der Fonds hat sich im Euroraum seit der Finanzkrise auf mehr als 11 Billionen Euro verdoppelt, während sich die Bilanzsummen der Banken von 33 auf 28 Billionen Dollar verringert haben. Der Vorsitzende des Finanzstabilitätsrats und Gouverneur der Bank von England, Mark Carney, hält widerstandsfähige Vermögensverwalter als entscheidende Voraussetzung, um ein kraftvolles, nachhaltiges und ausgeglichenes Wachstum der Wirtschaft zu finanzieren. Mit den Empfehlungen zur Bekämpfung der Schwachstellen in der Vermögensverwaltung soll seinen Worten zufolge sichergestellt werden, dass die Branche ihre Rolle weiterhin erfüllen kann.

          Doch vor dem entscheidenden Schritt schreckt das Financial Stability Board (FSB) zurück: Die Einstufung großer Fondsgesellschaften wie zum Beispiel Blackrock als systemrelevant bleibt vorerst kein Thema. Dazu fehlt dem Finanzstabilitätsrat und dem Gremium der internationalen Wertpapieraufseher, Iosco, noch der Überblick. Im vergangenen Jahr haben sich die Finanzaufseher von dem Größenansatz verabschiedet. Das Volumen an verwalteteten Vermögen gilt nun als falsches Kriterium, um die Systemrisiken der Vermögensverwalter zu beurteilen. Denn das Vermögen der Anlagevehikel wird von den Vermögensverwaltern, in der Regel Fondsgesellschaften, treuhänderisch und außerhalb der Bilanz verwaltet.

          Nun soll der Markteinfluss ein Kriterium sein, also dass die Entscheidungen weniger Anleger einen Herdentrieb auslösen können. Doch dazu fehlen dem Finanzstabilitätsrat und der Iosco noch die Datenbasis. Diese sollen die nun veröffentlichten Empfehlungen verschaffen. Dort machen die Finanzaufseher zwei Hauptrisiken aus: die Liquidität und die Verschuldung. Darin werden die Aufsichtsbehörden aufgefordert, Daten von den Vermögensverwaltern zu ihrem jeweiligen Liquiditätsprofil einzufordern. Darüber hinaus sollen die Pflichten zur Veröffentlichung wichtiger Kennziffern überprüft werden. Die Aufseher sollen sicherstellen, dass die Fonds auch in Zeiten unruhiger Börsen in der Lage sind, Anleger auszuzahlen.

          So mussten vor Jahren viele offene Immobilienfonds in Deutschland schließen, weil zu viele Anleger in kurzer Zeit aussteigen wollen. Nun hat sich das Problem gedreht, weil immer mehr Anleger aufgrund der extrem niedrigen Zinsen in Immobilienfonds anlegen wollen. So stoppte zuletzt die Deutsche Bank für den „Grundbesitz Europa“ die Aufnahme neuer Mittel. Auch die drei großen offenen Immobilienfonds von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, nehmen schon seit längerem keine neuen Gelder mehr an (F.A.Z. vom 16. Juni).

          Eine weitere Schwachstelle ist nach Einschätzung der Aufseher die Risikostruktur der Fondsgesellschaften. Dabei geht es darum, ob die Vermögensverwalter Fremdkapital, Derivate wie zum Beispiel Optionen oder Wertpapierleihen einsetzen, um ihre Anlagestrategie zu verfolgen. Auch hier sollen die Aufseher von der Iosco Methoden entwickeln, um die Risiken der Fonds besser einschätzen zu können.

          Darüber hinaus sollen abermals Daten gesammelt werden, um die potentiellen Risiken besser einschätzen zu können. Die deutschen Vermögensverwalter, die vom Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) vertreten werden, fühlen sich durch die europäischen und deutschen Vorgaben schon ausreichend reguliert.

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