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Fonds-Analyse : DWS Top Asien setzt verstärkt auf Japan

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Nach schwierigen Jahren nimmt die Konjunktur in Japan wieder Fahrt auf. Das lockt immer mehr institutionelle Anleger an. Auch die größte deutsche Fondsgesellschaft DWS wettet auf eine anhaltende Kurserholung in Japan.

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          Der DWS Top 50 Asien Fonds, Europas größter Investmentfonds, der sich auf asiatische Aktien konzentriert, hat den Anteil japanischer Aktien im Portfolio auf den höchsten Stand seit Auflegung des Fonds geschraubt. Dreißig Prozent des Fondskapitals von rund 1,6 Milliarden Euro sind in Japan investiert, verglichen mit 23 Prozent zu Anfang des Jahres. Fondsmanager Thomas Gerhardt setzt darauf, daß Banken wie Mitsubishi Tokyo Financial Group Inc. und Immobilienentwickler wie Mitsubishi Estate Co. von der längsten Aufschwungphase seit 1997 profitieren.

          „Japan kommt wieder auf Touren, und die Werte steigen", sagte Gerhardt in einem Interview mit Bloomberg News. Der Nikkei 225 ist im letzten Jahr 23 Prozent geklettert und verzeichnete damit den zweiten Jahresgewinn seit 1995. Für dieses Jahr liegt das Börsenbarometer 8,5 Prozent im Plus. Damit schlägt er sowohl die amerikanischen Standard & Poor's 500 Index, der zwei Prozent zugelegt hat, als auch den Dax, der für denselben Zeitraum auf ein Plus von 0,9 Prozent kommt.

          Japan wird nach vielen Flautejahren jetzt wieder entdeckt

          „Asien-Anleger haben in den vergangenen zehn Jahren meistens einen Bogen um Japan gemacht", erklärt Gerhardt. „Die Lage hat sich jetzt geändert." Gerhardt verwaltet den Top 50 Asien, seit der Fonds vor acht Jahren aufgelegt wurde. Der DWS-Fonds investiert in 50 Unternehmen, die nach Auffassung Gerhardts das größte Potential in Asien haben. Der Fonds kommt für die vergangenen fünf Jahre auf einen Wertzuwachs von kumuliert sieben Prozent, verglichen mit einem Minus von zwölf Prozent im Hang Seng Index von Hongkong und einem Minus von 35 Prozent im japanischen Benchmarkindex Nikkei 225.

          Seit Jahresanfang hat Gerhardt 112 Millionen Euro in den Kauf japanischer Aktien investiert und dafür unter anderem Aktien der koreanischen Hyundai Corp. abgestoßen. Der DWS-Fonds hat derzeit 7,3 Prozent seines Fondskapitals in Mitsubishi Tokyo Financial und Mitsubishi Estate angelegt. Die beiden Unternehmen sind die viert- und fünftgrößte Position des Fonds. Bei Mitsubishi Tokyo ist der Aktienkurs in diesem Jahr zwölf Prozent gestiegen, Mitsubishi Estate glänzen mit einem Plus von 29 Prozent.

          Hoffen auf den Turnaround im Bankensektor

          Die Hauspreise in Tokio liegen zwar noch ein Drittel unter dem Niveau von 1990, aber im Immobiliensektor zeigt sich eine Trendwende. Die Aufträge im Baugewerbe lagen im April 9,9 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das lockt auch ausländische Investoren auf den Plan. Goldman Sachs Group Inc. hat rund sechs Milliarden Dollar in Hotels, Büros und Immobilien in Nippon investiert. Lone Star Funds, ein Fonds, der in Immobilien und notleidende Kredite investiert, will bis zu fünf Milliarden Dollar von Anlegern einsammeln, um sie in Japan und Korea zu investieren.

          Auch die Banken profitieren von der besseren wirtschaftlichen Lage. Der Anteil fauler Kredite am Kreditportfolio von Mitsubishi Tokyo ist von 3,8 Prozent am 30. September letzten Jahres auf 2,9 Prozent zum 31. März gesunken. „Wir beobachten, daß die Immobilienpreise, die seit zehn Jahren fallen, leicht nach oben gehen", erläutert Gerhardt. „Das gibt den Banken, die sich in einem schrecklichen Zustand befunden haben, ein bißchen Luft zum Atmen." Von Jahresanfang bis zum 13. April hatte der Top Asien Fonds 17 Prozent zugelegt. Seitdem hat der Fonds fast ein Fünftel seines Wertes eingebüßt, da die Aktienkurse in China und Indien ebenso wie in Korea, Hongkong und Taiwan gefallen sind. Per Mittwoch lag der Fonds für dieses Jahr 2,4 Prozent im Minus. Belastet haben vor allem Positionen in der koreanischen Samsung Electronics Co., Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. und Singapore Airlines Ltd. Samsung ist weiterhin die größte Position des Fonds mit einem Anteil von zehn Prozent am Portfolio.

          Anleger sorgen sich um China und Indien

          Investoren befürchten, daß China die Zinsen anhebt, um die Konjunktur zu dämpfen. Die Vorschriften für Kredite an Unternehmen in mehreren Industriezweigen, unter anderem Stahl und Zement, sind bereits verschärft worden. Der DWS Top Asien hat rund 11,5 Prozent des Fondskapitals in Unternehmen mit Sitz in China oder Hongkong investiert. Indien kommt auf einen Anteil von rund zehn Prozent an Gerhardts Portfolio. Der indische Benchmarkindex Sensitive Index hat in diesem Jahr 20 Prozent verloren. Investoren befürchten, daß die neue Regierung unter der Führung der Kongreß-Partei unternehmensfreundliche Entscheidungen der Vorgängerregierung kippt.

          Die fallenden Aktienkurse in Indien und China haben auch das Interesse der Anleger am Top Asien Fonds geschmälert. „Von Sommer 2003 bis vor acht Wochen gab es ein riesiges Interesse an dem Fonds", berichtet Gerhardt. "Seit die Kurse in Asien fallen, haben wir zwar keine großen Abflüsse, aber die Zuflüsse sind geschrumpft." Gerhardt kam vor elf Jahren von KPMG LLP zur DWS und begann im Asienbereich. Vor rund fünf Jahren übernahm er die Leitung des Asien- und Schwellenmärkte-Teams bei der DWS. „Ich bin mehr durch Zufall zum Asien-Fondsmanagement gekommen", erinnert er sich. „Als ich 1993 zur DWS gestoßen bin, gab es in Asien eine riesige Hausse."

          Für die vergangenen zwölf Monate verzeichnet der Top Asien Fonds einen Wertzuwachs von 13 Prozent. Unter den Asien- orientierten Aktienfonds in Europa bot der Invesco GT Nippon Enterprise Fund mit einem Plus von 109 Prozent die beste Peformance, zeigen Bloomberg-Daten.

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