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Fonds : Abenteuerliche Index-Anlagen

Bild: F.A.Z.

Indexfonds sind beliebt und rentabel. Deshalb gibt es immer neue. Doch die kreativsten Angebote sind die schlechtesten. „Anleger sollten keine Designer-Indizes nutzen, mit denen sie am Ende doch wieder aktiv investieren,“ heißt es.

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          So war das jetzt auch wieder nicht gedacht mit den Indexfonds - nicht so, wie es jetzt läuft. Eigentlich hatten Börsenforscher Indexfonds und Indexzertifikate als einfache, aber trotzdem besonders rentable Geldanlage empfohlen: Privatanleger sollten einfach in ein paar Indizes wie den Deutschen Aktienindex Dax investieren, das Geld liegenlassen und sich nicht mehr darum kümmern.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber jetzt gibt es immer mehr Indizes, und sie werden immer obskurer. Indizes für Firmen, die sich um den Klimawandel besonders verdient machen, sind nur der Anfang. Es gibt auch solche, die Kurstrends aufspüren und ausnutzen sollen. Andere bilden das Anlageverhalten von Hedge-Fonds nach. Oder sie berücksichtigen nur Uranminen. Einige sind sogar aktiv verwaltet wie ein Investmentfonds.

          Passive Investments sind besser als aktive

          Doch genau das ist es, was Index-Anleger eigentlich vermeiden sollten. Eine aktive Auswahl von Aktien schade nur, sagen Börsenkenner wie der Mannheimer Professor Martin Weber. Der Grund: Im Durchschnitt erzielen alle Investoren die Marktrendite. Diejenigen, die ganz besonders viel wissen und sehr schnell reagieren, holen mehr heraus - für alle anderen aktiven Anleger bleibt nur eine unterdurchschnittliche Rendite. Selbst unter den professionellen Fondsmanagern schlagen nur wenige den Index dauerhaft.

          Also investieren Privatanleger am besten direkt in einen Index. Zumal die Kosten meist niedrig sind: Die Anbieter verlangen geringere Gebühren als für aktiv verwaltete Fonds. Außerdem entfällt oft der Ausgabeaufschlag, weil viele Papiere auch an der Börse gehandelt werden. "Passiv" heißt dieser Anlagestil. Auch bei der Deutschen Börse in Frankfurt ist Index-Designer Heiko Geiger überzeugt: "Passive Investments sind besser als aktive."

          Darum sind Anlageprodukte, die Indizes nachbilden, zuletzt beliebter geworden: Die Fondanalysten von Morningstar zählen derzeit allein 270 Indexfonds in Deutschland. Und die Banken bieten immer neue an. Zuletzt hat die Deka-Bank angekündigt, neue Indexfonds auf den Markt zu bringen. Die Deutsche Bank hat bereits rund 50 Indexfonds und will in den nächsten zwei Monaten zehn zusätzliche bringen.

          Mit der Zahl der Fonds und Zertifikate steigt auch die der Indizes: Allein die Investmentbank Morgan Stanley berechnet zurzeit rund 90.000 Indizes, wenn auch nicht alle für Privatanleger. Doch auch die sind gut bedient. Die Deutsche Bank berichtet, dass vor allem ihr Indexfonds auf den Short-Dax bei Kleinanlegern beliebt ist: Dieser Index steigt dann besonders schnell, wenn der Dax fällt.

          Es geht noch extravaganter: mit einem Index auf Firmen, die an Kernkraftwerken verdienen. Index-Designer Heiko Geiger von der Deutschen Börse gibt sich überzeugt, dass solche Fonds und Zertifikate ein gutes Anlageinstrument sind: "Auch Branchen-Indizes sind ein passives Investment, weil ich die Aktien nicht nach Gusto aussuche, sondern nach quantitativen Kriterien."

          Anleger sollten keine „Designer-Indizes“ nutzen

          Doch das reiche nicht aus, um ein Anlageprodukt passiv zu machen, sagen Index-Experten wie Gerd Kommer. "Solche Zertifikate sind nicht sinnvoll", schimpft er. "Anleger sollten keine Designer-Indizes nutzen, mit denen sie am Ende doch wieder aktiv investieren." Kommer hat ein Buch über Indexfonds und Indexzertifikate geschrieben, und er glaubt: Mode-Indizes seien zu klein, um als passive Geldanlagen durchzugehen.

          Das hat zwei Gründe: Erstens ändern sich die Indizes oft, darum müssen auch die Fonds das Portfolio oft umschichten, und das bringt Verluste. Und zweitens ist ja schon die Auswahl eines Indexzertifikates auf Wasser eine aktive Entscheidung, denn dahinter steht die Annahme, dass Wasser sich auf Dauer besser entwickelt als andere Branchen. Hinter dem Short-Dax steht die Erwartung, dass der Dax bald fallen wird. Mit solchen Entscheidungen liegen die Investoren aber eben meistens falsch. Noch dazu sind die Spezial-Indizes besonders schwankungsanfällig, wenn sie kleine Branchen und wenige Werte umfassen. Ähnliche Schwierigkeiten bringen Indexfonds auf einzelne Schwellenländer.

          "Ein Index muss möglichst breit sein", sagt Kommer - umso kleiner sei die Gefahr, auf das falsche Marktsegment zu setzen. Er empfiehlt, mit Indexfonds die Weltwirtschaft möglichst genau nachzubilden. Dabei hilft ein Weltfonds wie beispielsweise der MSCI Welt, dazu ein breiter Schwellenländer-Index. Nebenwerte sind in diesen Indizes allerdings meist unterrepräsentiert, darum eignen sich dafür zusätzliche Indexfonds oder Indexzertifikate. Wenn es denn welche gibt. Nebenwerte sind nämlich noch vergleichsweise schlecht erschlossen, deutlich schlechter auf jeden Fall als die Modethemen.

          Wer längerfristig investiert, sollte Fonds gegenüber Zertifikaten bevorzugen. Denn Fonds sparen Steuern: Ihre Kursgewinne unterliegen nicht der Abgeltungssteuer, wenn Anleger sie bis Ende 2008 kaufen - anders als Zertifikate. Außerdem sind Fondsanteile auch bei einer Bankenpleite sicher, für Zertifikate gilt das dagegen nicht immer.

          Doch es eignen sich nicht alle Fonds gleich gut. Erstens unterscheiden sich die Gebühren von Fonds zu Fonds, und zweitens bilden nicht alle Indexfonds-Anbieter den zugrundeliegenden Index gleich effizient nach. Die Tabelle zeigt darum zu verschiedenen Indizes die Fonds und Zertifikate, die in den vergangenen zwölf Monaten mehr an Wert gewonnen haben als andere Anlageprodukte, denen dieselben Indizes zugrunde liegen.

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