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Fondgesellschaften setzen sich durch : SEC scheitert mit Regulierung amerikanischer Geldmarktfonds

Die SEC versucht schon seit einiger Zeit, strengeren Vorschriften zur Regulierung der Fondsbranche einzuführen. Bild: AP

Die amerikanische Finanzaufsicht SEC muss einen herben Rückschlag einstecken: Die Fondsbranche hat es mit aggressiver Lobbyarbeit erreicht, dass eine Abstimmung über die stärkere Regulierung von Geldmarktfonds abgesagt werden musste.

          Die Vorsitzende der amerikanischen Finanzaufsicht SEC, Mary Schapiro, ist vorerst mit ihrem Plan gescheitert, Geldmarktfonds strenger zu regulieren. Schapiro blies eine in der kommenden Woche erwartete Abstimmung der fünfköpfigen SEC-Kommission ab, nachdem sich abzeichnete, dass eine Mehrheit des Gremiums gegen ihr Vorhaben stimmen würde. Dies ist ein großer Erfolg für die Fondsbranche, die mit aggressiver Lobbyarbeit gegen den Plan gekämpft hat.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Für SEC-Chefin Schapiro, nach deren Auffassung von Geldmarktfonds ein systemisches Risiko für die Finanzmärkte ausgeht, ist der Rückzieher eine schwere Niederlage. Allerdings muss damit eine Regulierung noch nicht ganz vom Tisch sein. Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass sich nun der Finanzstabilitätsrat mit den Geldmarktfonds beschäftigt. Dieses Gremium wurde im Zuge der Finanzmarktreform (Dodd-Frank-Act) vor rund zwei Jahren etabliert. Es wird von Finanzminister Timothy Geithner geführt, und ihm gehören Vertreter der wichtigsten amerikanischen Aufsichtsbehörden an, darunter auch Schapiro. Geithner und auch die Chefs mehrerer regionalen Notenbanken hatten Schapiros Plan unterstützt.

          Geldmarktfonds in der Finanzkrise in Verruf geraten

          Geldmarktfonds verwalten Anlagen von rund 2,6 Billionen Dollar. Die Regulierungsversuche sind eine Antwort auf die Finanzkrise. Bis dahin hatten Geldmarktfonds, die üblicherweise in Unternehmens- und Staatsanleihen mit geringer Restlaufzeit investieren, den Ruf als Anlage, die ähnlich sicher ist wie Geld auf einem Bankkonto.

          Die SEC-Vorsitzende Mary Schapiro muss sich vorerst geschlagen geben.

          Im September 2008 erlitt der Geldmarktfonds „Reserve Primary Fund“, der in kurzfristige Anleihen von Lehman Brothers investiert hatte, massive Verluste, als die Bank zusammenbrach. Die Fondsanteile fielen unter den für Geldmarktfonds üblichen Nennwert von 1 Dollar. Die Anleger erlitten erhebliche Verluste und zogen in großem Umfang panikartig Geld aus diesem und anderen Geldmarktfonds ab. Die amerikanische Notenbank und das Finanzministerium sahen sich gezwungen, einzugreifen, um den „Run“ auf Geldmarktfonds zu stoppen.

          Fondsunternehmen stützten Geldmarktfonds mit 4,4 Milliarden Dollar

          Erst vergangene Woche wurde eine Studie der Notenbank in Boston veröffentlicht, wonach mindestens 21 Geldmarktfonds in Amerika während der Finanzkrise von ihren Fondsgesellschaften finanziell gestützt wurden, um zu verhindern, dass die Anteile unter 1 Dollar fallen. Insgesamt hätten die Fondsunternehmen 4,4 Milliarden Dollar für solche Hilfsaktionen ausgegeben.

          Die SEC versucht schon seit einiger Zeit, ähnliche Vorkommnisse wie damals mit strengeren Vorschriften zu verhindern, im Jahr 2010 hat sie einige neue Auflagen verabschiedet. Obwohl die Fondsbranche argumentierte, diese Regeln seien ausreichend, wollte SEC-Chefin mit ihrem neuen Plan weitere einführen. Unter anderem sollten den Geldmarktfonds höhere Kapitalpuffer vorgeschrieben werden. Ein anderes Element des Plans war es, den Preis der Fondsanteile schwanken zu lassen und nicht mehr bei einem Dollar zu halten.

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