https://www.faz.net/-gv6-yf6l

Finanzprodukte : Auch Commerzbank soll Anleger getäuscht haben

  • -Aktualisiert am

Nun muss sich auch die Commerzbank den Vorwürfen stellen Bild: dapd

Ein Wirtschaftsanwalt sieht sich nach Kauf wertloser Zertifikate als Opfer. Er hat 60000 Euro verloren und Klage eingereicht. Er wirft der Bank vor, ihre eigenen Berater zu wenig informiert zu haben.

          2 Min.

          Nicht nur die Deutsche Bank ist in den Ruf geraten, Anleger mit windigen Finanzprodukten über den Tisch zu ziehen. Ein Wirtschaftsanwalt aus einer namhaften Anwaltssozietät wirft der Commerzbank vor, ihn mit einem wertlos gewordenen Zertifikat betrogen zu haben. Pikant an der Sache: Nach Angaben des Juristen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, verweigerte ihm das Geldinstitut die Mithilfe, als er nach dem Totalverlust die Konstruktion des „Knock-out-Zertifikats“ entschlüsseln wollte. Er ist, weil er einer unverlangten Empfehlung seines Kundenberaters folgte, um rund 60 000 Euro ärmer und hat eine Schadensersatzklage eingereicht.

          Versehentlich übersandte ihm sein Kundenberater auf seine Beschwerde hin zunächst sogar eine interne Version der Produktbeschreibung. Nach einer detaillierten Prüfung kann ich ausschließen, dass Ihnen irgendwelche manipulierten Unterlagen zugeleitet wurden“, schrieb der Vorstandsvorsitzende Martin Blessing persönlich an den jahrzehntelangen Commerzbank-Kunden. „Vor allem zeigt sich daran, wie erbärmlich die Bank ihre eigenen Berater informiert und dadurch missbraucht hat“, sagt der enttäuschte Anleger dazu, dass auch dort nach seiner Ansicht wichtige Angaben fehlten. Es geht um ein Zertifikat namens MezzCap aus dem Jahr 2006, mit dem das Geldhaus Mezzanine-Darlehen, die es 35 mittelständischen Unternehmen als Kredite gewährt hatte, wie in einem Fonds verbrieft hatte. Mezzanine-Forderungen haben ein erhöhtes Ausfallrisiko, weil sie bei einer Insolvenz des Kreditnehmers hinter dessen übrigen Verbindlichkeiten rangieren - also bestenfalls nachrangig bedient werden. Die Mittelständler seien aber sorgfältig geprüft worden, warb die Bank. Das Risiko sei durch eine breite Streuung in verschiedene Branchen und Regionen erheblich gemindert.

          Keine Risikostreuung in Anlagen

          Nach Recherchen des Anwalts war dies allerdings nicht einmal die halbe Wahrheit. Vielmehr seien die ausgereichten knapp 200 Millionen Euro in sechs Risikoklassen aufgeteilt gewesen, heißt es in der Klageschrift. Wie bei einem Kaskadensystem sollten demnach alle Zins- und Tilgungszahlungen zunächst in die oberen Tranchen fließen. Verbrieft habe das Finanzinstitut hingegen nur die unterste Anlageschicht (“F“). „Irgendeine Risikostreuung gab es für diese Tranche also überhaupt nicht“, sagt der Zertifikatekäufer. Dies habe die Commerzbank „bewusst verschleiert und die Anleger damit getäuscht“. An der Nase herumgeführt fühlt sich der Rechtsanwalt, weil schon kurz vor seinem Kauf einer der Kreditkunden pleitegegangen war: der Plüschtierhersteller Nici. „Allein dieser Ausfall überschritt bereits den gesamten, von den Anlegern der Klasse F in Höhe von 9 Millionen Euro zur Verfügung gestellten Kapitaleinsatz“, rechnet der Kunde vor. Diesen wertlos gewordenen Kredit habe die Bank daraufhin klammheimlich aus dem Portfolio herausgekauft, um ihren Kunden das lädierte Zertifikat überhaupt noch ins Depot drücken zu können.

          Blessing weist alle Kritik zurück, nachdem er Kontakt mit dem „persönlichen Wealth-Manager“ des Kunden aufgenommen hat. Das „innovative Anlageprodukt“ sei wegen seiner Renditechance von 16 Prozent jährlich angeboten worden. „Aufgrund Ihrer langjährigen verantwortlichen Tätigkeit auf höchster Managementebene sowie Ihrer großen Anlageerfahrung muss ich davon ausgehen, dass Ihnen das der Rendite entgegenstehende Totalverlustrisiko bewusst war“, schreibt Blessing. Dass die Wirtschaftskrise besonders den deutschen Mittelstand - und damit dieses Zertifikat - getroffen habe, „war zum Zeitpunkt Ihrer Anlage zwar als theoretisches Risiko bekannt, jedoch nicht als wahrscheinlich bewertet worden“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Christliche Nationalisten : Biden und die Armee Gottes

          Joe Biden macht den christlichen Anhängern Donald Trumps ein Angebot. Doch ein großer Teil von ihnen sind Nationalisten, die das Land für die weißen Christen zurückholen wollen. Biden sehen sie da nur als Feind.
          Ein Wartezimmerschild in einer Zahnarztpraxis

          Corona-Maßnahmen begründen : Wir Verdrängungskünstler

          Wie lassen sich die weit streuenden Corona-Maßnahmen begründen? Um diese Frage zu beantworten, muss unsere Gesellschaft vor allem aufhören, sie zu verdrängen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.