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Finanzmärkte : Traditionell werden im zweiten Bullenjahr die Kursgewinne kleiner

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Der Blick zurück ist auch an der Börse oft hilfreich, um zu treffsicheren Prognosen zu gelangen. Die zum aktuellen Zyklus passenden historischen Erkenntnisse liefern spannende, aber auch widersprüchliche Signale.

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          Pünktlich zum Jahreswechsel zerbrechen sich wieder einmal alle Analysten die Köpfe, wie es im nächsten Jahr an den Finanzmärkten weiter gehen. Oft ähneln diese Versuche einem stochern im Nebel, denn nichts ist an der Börse schwieriger, als Prognosen abzugeben, Speziell dann, wenn diese auch noch in die Zukunft gerichtet sind, wie bereits ein unter Börsianern gängiges Bonmot zum Besten gibt.

          Da sich zukünftige Entwicklungen nur schwer erahnen lassen, bleibt Analysten und Strategen oft nichts anderes übrig als der Blick zurück. Und nicht selten lassen sich dabei traditionell immer wieder kehrende Verhaltensmuster erkennen, die zumindest die Vermutung nahe legen, daß sich diese damaligen Entwicklungen wiederholen könnten.

          Viertes Jahr im Präsidentschaftszyklus bringt moderate Gewinne

          Regelmäßig nehmen etwa die Analysten beim bankenunabhängigen amerikanischen Finanzdienstleister Standard & Poor´´s die Vergangenheit unter die Lupe. Und auch passend zum jetzigen Börsenzyklus sind sie dabei wieder zu einer interessanten Beobachtung gelangt. Wie sie berichten, war es in der Vergangenheit nämlich so, daß das zweite Jahr eines neuen Bullenmarktes geringere Ergebnisse brachte als das erste Jahr. Konkret reichte es beim S&P 500 Index seit 1970 im zweiten Jahr im Schnitt zu Kursgewinnen von 13 Prozent und beim Nasdaq von neun Prozent.

          Das ist zwar nicht so berauschend wie die Börsen voraussichtlich dieses Jahr abschneiden werden, aber die meisten Börsianer wären mit dieser Jahresbilanz vermutlich halbwegs zufrieden, wenn man sie ihnen zu Jahresbeginn garantieren würde.

          Ermutigend ist auch die Tatsache, daß 2004 das vierte Jahr im laufenden Präsidentschaftszyklus ist. Zwar schneidet auch in dieser Hinsicht die amerikanische Börse traditionell schlechter ab als im dritten Jahr einer Präsidentschaft. Aber immerhin hat es im vierten Jahr historisch gesehen durchschnittlich zu einem Plus von neun Prozent gereicht, wobei die Kurse mit eine Trefferwahrscheinlichkeit von immerhin achtzig Prozent gestiegen sind.

          Vorsicht beim Erreichen der Spitze bei den Gewinnwachstumsraten

          Mit einer etwas weniger zuversichtlich stimmenden historischen Erfahrung warten dagegen die Analysten der Investmentbank Credit Suisse First Boston auf. Deren bis 1986 zurückreichende Studien haben nämlich ergeben, daß der S&P 500 Index im Schnitt einen Monat nach dem negativen Höhepunkt im jeweils laufenden Gewinnsteigerungszyklus der Unternehmen seine Spitzenkurse markiert.

          Unter diesem Aspekt bleibt nur zu hoffen, daß die amerikanischen Unternehmen im Jahr 2004 bei den Gewinnen noch etwas nachzulegen haben und nicht wie manche Experten glauben, die Spitze bei den Gewinnsteigerungsraten bereits im vierten Quartal erreicht worden ist.

          Historie signalisiert Leitzinswende erst im Jahr 2005

          Aber auch CSFB ist über dieses eher kritisch zu wertende Resultat hinaus beim Blick zurück auf ein günstiges Ergebnis gestoßen, zumindest was die Ausgangslage am Rentenmarkt angeht. Denn einer weiteren Untersuchung zufolge dauerte es seit 1975 in einem Konjunkturzyklus vom negativen Höhepunkt bei der Arbeitslosenrate aus gerechnet bis zur ersten Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank mindestens 15 Monate. Im Schnitt ließen sich die Verantwortlichen sogar 21 Monate Zeit.

          Wiederholt sich die Geschichte, dann signalisiert das nichts anderes, als das die Fed die Leitzinsen erst im Laufe des Jahres 2005 erhöhen wird und nicht wie derzeit noch immer mehrheitlich angenommen wird schon zur Jahresmitte 2004. Wie viel Vertrauen man in welches der aufgezählten historischen Resultat legt, bleibt aber jedem Anleger selbst überlassen.

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