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Finanzmärkte : Indexprognosen - viele Analysten liegen daneben

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Die meisten Analysten waren zu Jahresbeginn zu optimistisch für die amerikanischen Börsen, so eine Umfrage von BusinessWeek Online. Zur Jahresmitte werden die Prognosen leicht modifiziert.

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          Wie können so viele intelligente Marktstrategen nur so falsch liegen? Die 67 Analysten, die wir im Rahmen der BusinessWeek-Aktion Fearless Forecast 2005 befragt haben, prognostizierten dem Dow Jones für die Jahresmitte einen Zählerstand von 11.054 Punkten.

          Am 30. Juni 2005 haben wir die Gruppe erneut befragt. Der Dow lag zu diesem Zeitpunkt bei 10.275 Punkten, also rund sieben Prozent unterhalb ihrer damaligen Konsensschätzung. Die Schätzung einiger weniger reichte jedoch sehr viel näher an diesen aktuellen Stand heran.

          Skepsis bei Konsumwerten

          Thomas McManus, leitender Aktienstratege bei der Bank of America Securities, ist während unseres Gesprächs über die momentanen Aktienbewertungen in eine Diskussion über Sojamilch abgeschweift. Der Preis für eine Kiste seiner Lieblingsmarke bei Costco ist vor einigen Wochen um sieben Prozent gestiegen, nachdem er seit Jahren konstant gewesen ist. Das hat bei McManus Besorgnis ausgelöst: „So langsam bekommen wir, zu sehen, wie die Kaufkraft der Konsumenten von den unteren zu den oberen Einkommensschichten schwächer wird.“ Der Konsum vieler Amerikaner wird bereits durch die Ölpreise eingeschränkt, während die „Neiman Marcus-Kunden und Mitglieder im Golf-Club bis jetzt noch in der Lage sind, die höheren Energiepreise mit einer gewissen Gelassenheit hinzunehmen.“ Aus diesem Grund geht McManus für Konsumwerte von fallenden Kursen aus. Er empfiehlt Investoren statt dessen sich etwas zögerlich verhaltende Large-Cap-Wachstumsaktien, die sich nun bald erholen dürften. Zu seinen Favoriten zählen das Versicherungsunternehmen Chubb sowie die Mischkonzerne Tyco International und General Electric.

          Was die Entwicklung des Dows betrifft, bleibt McManus seiner ursprünglichen Prognose von 11.000 Punkten zum Jahresende treu. Trotzdem würde er nicht unbedingt darauf wetten. Erst kürzlich hat er seine empfohlene Aktiengewichtung im Portfolio von den üblichen 65 Prozent auf 55 Prozent herabgesenkt. Aktien seien überteuert und einem Hype unterlegen. Demnach sei es einfach eine weise Entscheidung, etwas seines Kapitals vom Aktienmarkt abzuziehen.

          Wette auf Restrukturierungen

          Wendell Perkins, leitender Fondsmanager bei Johnson Asset Management, hält ebenfalls an seiner Dow-Jahresend-Prognose in Höhe von 10.950 Punkten fest. Perkins richtet sein Augenmerk verstärkt auf Unternehmen, deren Management derzeit von den Anlegern unter Druck gesetzt wird, aktiv den Shareholder-Value zu steigern. Ein Beispiel ist Wendy's International. Das Unternehmen steht massiv unter Beschuß, weil es die schnell wachsende kanadische Tochtergesellschaft Tim Hortons ausgliedern oder zum Teil veräußern soll. „Der Rest von Wendy's befindet sich seit dem Tod des Unternehmensgründers Dave Thomas in einer schwierigen Lage“, so die Einschätzung von Perkins. „Das Unternehmen hat seine Stärke in Marketing verloren und nie einen Weg gefunden, dieses Problem zu lösen.“ In Perkins Fonds findet sich des weiteren Unocal, das von den Energiekonzernen Chevron und CNOOC verfolgt wird, sowie die Federated Department Stores, die gerade die May Department Stores übernehmen.

          Perkins sieht außerdem im Ausland die besseren Investitionsmöglichkeiten. Insbesondere für die japanischen Autohersteller Honda und Nissan erwartet er steigende Kurse genauso wie für die britischen Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline und AstraZeneca. „Die britischen Pharmahersteller sind weitaus besser aufgestellt als die amerikanischen, was die neuen Produkte in der Pipeline betrifft“, so Perkins weiter.

          GAM International setzt unter anderem auf Osteuropa

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