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Finanzmärkte : Die Zinssenkung könnte ein Fehler sein

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Hat Bernanke das Richtige getan? Bild: AFP

Mit Kursfeuerwerken begleiten die Aktienmärkte die Zinssenkung durch die amerikanische Notenbank. Doch auch der Ölpreis und der Euro steigen. Ist eine Zinssenkung wirklich die richtige Weichenstellung?

          6 Min.

          Die Begeisterung an den Aktienmärkten ist riesig. Wie erhofft, hat die amerikanische Notenbank Fed am Dienstagabend den Leitzins um 50 Basispunkte auf 4,75 Prozent gesenkt. Zudem reduzierte sie den Diskontsatz ebenfalls um 50 Basispunkte auf 5,25 Prozent. Diesen Satz hatte die Fed wegen der Verspannungen am Interbankengeldmarkt bereits am 17. August um 50 Basispunkte auf 5,75 Prozent gesenkt.

          Die Aktienmärkte legen daraufhin weltweit drastisch zu. Der Dax liegt 1,8 Prozent im Plus, die Börse in Tokio erlebte das größte Kursfeuerwerk seit fünf Jahren, nachdem auch die Bank of Japan den Leitzins unverändert bei 0,5 Prozent beließ. Die Börse in Hongkong legte fast vier Prozent zu, nachdem der Dow Jones schon um 2,5 Prozent, der S&P-500 um 2,9 Prozent und der Nasdaq Composite um 2,7 Prozent gestiegen waren.

          Sorgen um europäische Konjunktur

          Nur der Dollar nahm die Nachricht nicht gut auf. Gegenüber dem Euro handelt er mit 1,3954 Dollar zwar knapp unter dem Rekordstand vom Vorabend, als er auf 1,3986 Dollar je Euro gefallen war. Das liegt weniger an der Stärke des Euro. Denn was diesen betrifft, so macht man sich in Europa eher Sorgen.

          Hoffentlich hat Ben Bernanke das Richtige getan

          Außenhandelspräsident Anton Börner fürchtet Wachstumsbeeinträchtigungen auch für Deutschland. „Ich glaube, dass unser Wachstum um einige Zehntelprozent sinken wird“, sagte der Chef des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels am Mittwoch in einem Reuters-Interview. Die Senkung der Leitzinsen um einen halben Prozentpunkt werde nicht die letzte sein, eine weitere werde folgen. Der Euro werde „deutlich über 1,40 Dollar“ gehen, was für ihn eine Größenordnung bis zu 1,43 Dollar bedeute. Der deutsche Export in die Vereinigten Staaten werde in diesem Jahr deshalb um mehr als fünf Prozent sinken und wohl auch 2008 eine Minusrate aufweisen.

          Möglicherweise werde sein Verband seine optimistische Wachstumsprognose für die Ausfuhren 2008 zurücknehmen müssen, sagte Börner. Insgesamt werde die schwächere Entwicklung des Geschäfts mit den Vereinigten Staaten für die Ausfuhrwirtschaft durch Zuwächse in andere Weltregionen aber kompensiert. „Unter der Voraussetzung, dass sich die Lage in den nächsten Wochen nach der Zinssenkung der amerikanischen Notenbank normalisiert, glaube ich, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen,“ sagte Börner voraus.

          Dollar-Index steuert auf historische Tiefs zu

          Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat angesichts der amerikanischen Finanzkrise vor einem „Dämpfer“ für die deutsche Konjunktur gewarnt. Der „Bild“-Zeitung (Mittwochausgabe) sagte Glos: „Niemand weiß, wie sich die Finanzkrise in den Vereinigten Staaten am Ende auch auf Deutschland auswirken wird. Auch der niedrige Dollarkurs und der hohe Ölpreis können unserer zur Zeit sehr robusten Konjunktur einen Dämpfer verpassen. Wenn der Dollarkurs weiter sinkt, trübt das unsere Exportchancen.“

          Der Dollar-Index, der den Außenwert der amerikanischen Währung anzeigt, steuert indes auf einen historischen Tiefstand zu. Mit 79,334 Punkten liegt er nur noch knapp einen Punkt über dem bisherigen Tiefstand vom September 1992 von 78,33 Punkten. Für weiteren Druck auf den Dollar sprechen die Zinsdifferenzen, die sich jetzt anscheinend zuungunsten des „Greenback“ entwickeln.

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