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Finanzmärkte : Absicherungsstrategien gegen fallende Kurse

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Bild: FAZ.NET

Auf Grund enttäuschender Nachrichten trübt sich die Stimmung an den Börsen ein. Das kann einerseits als Gegenindikator gewertet werden. Andererseits können Anleger darüber nachdenken, welche Optionen man im Fall der Fälle hat.

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          War die Stimmung an den Börsen noch bis vor kurzem noch relativ optimistisch, so hat sie sich inzwischen auf Grund der Kursverluste an einigen Märkten doch merklich eingetrübt.

          Auf der einen Seite kann und wird der aufkommende Pessimismus von manchen Markstrategen als Gegenindikator verwendet. So rechnen beispielsweise Ned Davis Research oder auch der nicht ganz unbekannte Börsenbär Marc Faber zumindest kurzfristig mit steigenden Kursen. Die Erholungsbewegung könne unter Umständen sogar bis in den Sommer anhalten.

          Kursfristig enttäuschende Nachrichten

          Das kann durchaus so kommen, muß es allerdings nicht. Denn in den vergangenen Monaten hatten manche Analysten, Strategen und auch Anleger hohe Erwartungen aufgebaut. Sie rechneten mit weiterhin stark steigenden Gewinnen. Allerdings wurden sie in den vergangenen Tagen zum Teil deutlich enttäuscht. Beispielsweise von den drastischen Gewinnwarnungen bei General Motors, Ford, Harley Davidson und anderen.

          Es mag zwar durchaus sein, daß sich die Wolken am Börsenhimmel wieder verziehen werden. Nichts desto Trotz könnten sich Anleger darüber Gedanken machen, was sie im Fall der Fälle gegen fallende Kurse machen könnten.

          Die erste Lösung wäre die klassische Verkauf sämtlicher Positionen. Das Problem dabei ist, den richtigen Zeitpunkt dafür und auch für den späteren Wiedereinstieg zu finden. Wer verkauft und der Markt steigt weiter, verzichtet auf Kursgewinne.

          Ähnliches gilt für die Lösung Nummer zwei: das Plazieren von Stopp-Loss-Aufträgen im Markt. In diesem Fall wird das entsprechende Wertpapier automatisch zum nächstmöglichen Kurs verkauft, wenn es eine zuvor vom Anleger definierte Schwelle erreicht hat. Hier besteht die Schwierigkeit darin, diese Schwelle festzulegen und „zu pflegen“. Denn liegt sie zu eng am Markt, kann die Aktie kurz „abtauchen“, den Verkaufsauftrag auslösen und dann wieder steigen. Dann hat der Anleger nicht nur zu einem ungünstigen Kurs verkauft, sondern muß auf die folgenden Kursgewinne verzichten.

          Legt er die Schwelle zu weit weg, muß er vergleichsweise hohe Kursverluste hinnehmen, bis die „Schutzfunktion“ greift. Aus diesem Grund ist ein sensibles Händchen bei der Aufgabe von solchen Orders nötig. Der Anleger sollte das übliche Handelsvolumen und die Volatilität des Papiers berücksichtigen.

          Verkaufsoptionen wirken wie eine Versicherung - Prämie gegen Schutz

          Eine dritte Absicherungsvariante ist der Kauf von Verkaufsoptionen. Sie geben dem Anleger gegen Zahlung einer Prämie das Recht, das relevante Wertpapier oder den Index zu einem bestimmten Kurs - dem gewählten Ausübungspreis - zu verkaufen oder die Differenz zwischen dem Kurs am Markt und dem Ausübungspreis einzustreichen. Verkaufs- oder auch Putoptionen sind in diesem Sinne vergleichbar mit einer Versicherungsprämie, denn der Anleger erwirbt nur ein Recht - ohne Verpflichtungen einzugehen. Puts können entweder in Form von Optionsscheinen oder in standardisierter Form an Terminbörsen wie der Eurex, der Liffe oder der CBOE gekauft werden.

          Die vierte Möglichkeit ist „das Spiel“ mit Futures, Futures-ähnlichen Zertifikaten oder Hebelzertifikaten. Futures sind nichts anderes, als standardisierte Terminkontrakte auf einen Index, eine Währung, auf Rohstoffe oder auf andere Werte oder Güter. Der Anleger kann sie kaufen, um damit auf steigende Kurse zu spekulieren. Er kann sie aber auch verkaufen, um von fallenden Kursen zu profitieren.

          Rechnet ein Anleger also mit fallenden Kursen, so kann er, ohne sein Wertpapierdepot aufzulösen, ein paar Futures verkaufen. Fällt der Markt tatsächlich, kann er am Terminmarkt das gewinnen, was seine Wertpapiere einbüßen. Zumindest dann, wenn der das richtige Verhältnis zwischen Terminkontrakt und seinem Depot ausgetüftelt hat.

          Der Vorteil von Futures und Optionen ist, daß sie in der Regel recht liquide sind und daß Anleger auf Grund des so genannten „Leverage“ nur begrenztes Kapital einsetzen müssen. Es gibt immer mehr Zertifikate, die ähnliches möglich machen. Allerdings ist es empfehlenswert, die Details genau zu betrachten. Denn neben denn möglichen Knock-Out-Schwellen, die das Papier wertlos machen können, spielen die Anbieter recht gerne auch mit den Zinsen - zum Nachteil des Anlegers.

          Insgesamt bieten sich damit für den Fall der Fälle genügend Möglichkeiten, sich gegen fallende Kurse abzusichern. Die entscheidende Frage ist, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Professionelle Anleger tendieren dazu, dynamisch zu agieren: Sie verkaufen bei fallenden Kursen immer mehr Futures, um sie bei einem sich erholenden Markt wieder zurückzukaufen. Im steigenden Markt machen sie es gerade umgekehrt. Über die Anzahl der ge- oder verkauften Kontrakte können sie ihr Marktrisiko erhöhen oder reduzieren, ohne die Grundstrategie ihres Wertpapierdepots zu verändern.

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